Strafgericht
Vergewaltigungsvorwürfe: Basler Taxifahrer wird freigesprochen

Ein 49-jähriger Taxifahrer soll im vergangenen Februar einen weiblichen Fahrgast entführt und vergewaltigt haben. Vor dem Basler Strafgericht lösten sich die Vorwürfe aber in Luft auf.

Patrick Rudin
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Die Richter des Basler Strafgerichts kamen zu einem Freispruch: Die Aussagen der Frau seien zu widersprüchlich. (Archiv)

Die Richter des Basler Strafgerichts kamen zu einem Freispruch: Die Aussagen der Frau seien zu widersprüchlich. (Archiv)

Keystone

«Sie hat während der Fahrt nonstop geredet», erzählte der angeklagte Taxifahrer am Montag vor Gericht. Im vergangenen Februar habe er die Frau nach ihrer Arbeit mehrmals vom Kleinbasel nach Allschwil gefahren. Am dritten Abend sei man sich dabei näher gekommen. Da beide verheiratet waren, wich man dazu auf den dunklen Parkplatz beim Bachgraben aus.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft las sich allerdings völlig anders: Der 49-Jährige soll während der Fahrt das Auto mit der Zentralverriegelung verschlossen, die 57-jährige Frau gegen ihren Willen zum Bachgraben-Parkplatz gefahren und sie dort vergewaltigt haben. Staatsanwältin Eva Eichenberger forderte für den Mann wegen Freiheitsberaubung und Vergewaltigung eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten, davon zehn Monate unbedingt.

Aussagen zu widersprüchlich

Doch die drei Richter kamen am Montagabend zu einem Freispruch: Die Aussagen der Frau seien zu widersprüchlich, für eine Verurteilung reiche das nicht aus. Am Tag nach dem geschilderten Übergriff liess sie sich zwar im Spital rechtsmedizinisch untersuchen, wollte aber noch keine Strafanzeige einreichen. Deshalb gab man ihr belüftete Papiertüten für die Aufbewahrung der Kleider mit, weil diese in normalen Plastiktüten rasch schimmelten und damit Beweise vernichtet werden. Als die Frau zwei Wochen später aus den Ferien zurückkam, hat sie die Kleider allerdings in die Waschmaschine geworfen.

Gerichtspräsident René Ernst zählte rund ein Dutzend weitere massive Widersprüche in ihren Aussagen auf: Die Überprüfung der Zentralverriegelung habe etwa ergeben, dass die Frau entgegen ihrer Behauptungen das Fahrzeug jederzeit habe verlassen können. Auch die Auswertung des Fahrtenschreibers widersprach ihren Angaben, stützte aber die Version des Taxifahrers.

2,4 Promille

Auch hatte die Frau einen früheren Alkoholentzug hinter sich und behauptete, bis zur Vergewaltigung sei sie trocken gewesen und habe wegen der Vorkommnisse einen Rückfall erlitten. Vor Gericht gab sie dann allerdings nach und nach zu, schon vor dem Übergriff wieder getrunken zu haben. Am nächsten Tag im Spital wurde bei ihr ein Wert von 2,4 Promille gemessen.

Ihre Strafanzeige reichte sie erst sechs Wochen später ein, nachdem sie von einer Freundin dazu gedrängt worden war. Der Taxifahrer sass daraufhin 45 Tage lang in Untersuchungshaft. Das Strafgericht sprach ihm am Montag eine Haftentschädigung von 200 Franken pro Tag zu, insgesamt 9000 Franken.

Auch sein Taxi wurde beschlagnahmt, die Staatsanwaltschaft wollte das Fahrzeug gar vorzeitig verwerten lassen. Das Gericht hatte dafür kein Verständnis: Der Gerichtspräsident betonte, eine vorzeitige Verwertung vor einem Schuldspruch sei die absolute Ausnahme und nur bei einer erdrückenden Beweislage oder einem Geständnis angebracht.

Die Opfervertreterin hatte vergeblich eine Genugtuung von 10'000 Franken für die Frau gefordert. Wie auch die Staatsanwaltschaft kann sie den Freispruch noch weiterziehen.