Er traute seinen Ohren nicht, der auswärtige Mann, der eine Wohnung in Basel kaufen will. «Wenn Sie eine Wohnung kaufen, müssen Sie einen Platz in der Einstellhalle dazu kaufen», erklärte ihm eine Mitarbeiterin der Immobilienverwaltung am Telefon.

Er interessiere sich aber gerade wegen der Fussgänger- und ÖV-freundlichen Lage für das Objekt, entgegnete der Mann. Er besitze aus Überzeugung kein Auto und habe nicht vor, diesen Umstand zu ändern. «Der Parkplatz gehört zur Eigentumswohnung», wiederholte sie. Und nannte einen Preis von 54 000 Franken, die zusätzlich zum Wohnungspreis bezahlt werden müssten.

Interesse an Riva in engen Grenzen

Der Parkplatz-Kaufzwang schreckte den Mann dermassen ab, dass er von einer Besichtigung absah. Er ist nicht der einzige, dessen Interesse an einer Eigentumswohnung in der Riva-Überbauung sich in engen Grenzen hält: Von den 25 Eigentumswohnungen auf dem Areal des alten Kinderspitals sind erst elf verkauft. Und das kurz vor dem Einzugstermin in wenigen Wochen.

Als Hauptgrund für den harzigen Verkauf nennen Fachleute jeweils die wiederkehrenden Baurechtszinsen, die sich bei der teuersten Wohnung auf knapp 20 000 Franken pro Jahr belaufen: Das Grundstück am Kleinbasler Rheinbord gehört dem Kanton und wurde von der Sarasin-Anlagestiftung für 100 Jahre im Baurecht übernommen. Wer eine Wohnung kauft, besitzt demnach nicht automatisch den Boden, auf dem die Wohnung gebaut ist. Wird der Boden eines Tages begehrter, als er ohnehin ist, geht der Wohnungsbesitzer leer aus.

Inserat wirbt mit ÖV-Nähe und Öko

Dass die Eigentumswohnungen im Gegensatz zu den begehrten Mietwohnungen auf dem Areal an den Parkplatzkauf gekoppelt sind, wurde bisher allerdings noch nie als Argument für den schleppenden Verkauf genannt. Wer sich nicht ernsthaft für einen Kauf interessiert, erfährt auch nichts davon: «Die Überbauung verfügt über eine eigene Tiefgarage», heisst es lediglich im Inserat. Im selben Inserat wird mehrfach auf die komfortable Situation hingewiesen, in der sich Menschen ohne Auto befinden: «Die Überbauung ist optimal an den öffentlichen Verkehr angebunden», heisst es da etwa. Von «Gehdistanz» ist die Rede. Und davon, dass die Gebäude dem neuesten Stand der Technik und den Anforderungen von Minergie-P-Eco entsprechen würden.

Diesen Widerspruch hält Andreas Zappalà für «stossend». Der Geschäftsführer des Basler Hauseigentümerverbands hat von der bz erfahren, dass nur in den Genuss einer Eigentumswohnung kommt, wer einen Parkplatz kauft – egal, ob er ihn selber braucht oder ihn durch die Verwaltung vermieten lässt. Zappalà, der als FDP-Grossrat eher autofreundlich politisiert, sagt: «Es ist in meinen Augen vor allem darum stossend, weil der Kanton die Tendenz hin zu weniger Autos und mehr Velos vertritt.»

Denn die Idee mit dem Parkplatz-Wohnungs-Paket stammt nicht von der Sarasin-Anlagestiftung, sondern vom Kanton: «Dass die Parkplätze in Form eines Anteils an der Tiefgarage an die Eigentumswohnungen gekoppelt sind, war eine Auflage der Verkäuferin, namentlich der Stadt Basel», sagt Hanspeter Kämpf von der Sarasin-Anlagestiftung. Das mache für ihn insofern Sinn, als dass bei einem allfälligen Weiterverkauf einer Wohnung der Parkplatz gesichert wäre, so Kämpf weiter. Über die Hintergründe der Auflage konnten die Verantwortlichen von Immobilien Basel-Stadt gestern aus Zeitgründen keine Auskunft geben. Ob die Auflage Teil des Riva-Projektes ist, oder ob sie im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan steht, müsse zuerst abgeklärt werden.