Elisabethen-Parkhaus
Verkehrsdepartement zu Gratisparking: «Den Versuch war es wert»

Nach einem halben Jahr Gratisparking für Innerstadt-Besucher steht nur eines fest: 750'000 Franken haben die Parkplätze der Regierung gekostet. Den Läden hat das Projekt aber nicht mehr Kunden beschert.

Dominique Waldmann
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Gratisparkplätze im Elisabethenparking bringen den Detailhandel nicht zwingend ins Rollen. Roland Schmid

Gratisparkplätze im Elisabethenparking bringen den Detailhandel nicht zwingend ins Rollen. Roland Schmid

Roland Schmid

Ein Zeichen der Unterstützung für die Basler Läden wollte die Regierung setzen und liess 750'000 Franken springen. So viel kosten die zwei Gratis-Stunden für Einkaufende im Elisabethen-Parkhaus insgesamt. Nach einem halben Jahr neigt sich das Projekt dem Ende zu. Jetzt geht es darum, Kosten und Nutzen zu beurteilen.

Schon im November 2015 war von einem Verlustgeschäft die Rede. Hauptziel war es, die Geschäfte der Innerstadt in ihrem Kampf gegen die Aufhebung des Euro-Mindestkurses und gegen den Einkaufstourismus zu unterstützen. Und wohl auch, um die Auswirkungen der grenzüberschreitenden Tramlinie 8 abzufedern. Denn diesen Einkaufstourismus via öV nahm der Detailhandel der Regierung besonders übel. Im September 2015, also Monate nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses, hatte der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels höchstpersönlich die Rampen zwischen der Hiltalingerbrücke und dem Hafenareal eingeweiht. «Die Kleinhüningeranlage ist damit vom Lastwagen-Durchgangsverkehr befreit», vermeldete das Bau- und Verkehrsdepartement stolz. Was wiederum den Verkehrsstrom nach Deutschland beförderte. Als kleine Entschädigung dafür dürfen nun Innerstadtkunden zwei Stunden gratis ihr Auto ins staatliche Parkhaus stellen.

Läden sind skeptisch

Doch die Wirkung der Aktion scheint zu verpuffen. Globus, Pfauen, H & M, Vögele Shoes, C & A, Zara: Keiner hat etwas von der Aktion gespürt. Natürlich gibt es noch mehr Läden in Basel. Alle scheinen der Aktion gegenüber positiv gestimmt, einige explizit. Aber kein befragter Laden hat eine höhere Kundenfrequenz oder im letzten halben Jahr eine massive Umsatzsteigerung feststellen können. New Yorker, WE und der Apple Store wollen, dürfen oder können nichts dazu sagen.

Doch auch beim Staat und insbesondere beim Parkhausbetreiber Immobilien Basel-Stadt (IBS) gibt man sich bedeckt. «Erst in zwei Wochen», sagt Barbara Neidhart, die Mediensprecherin. Zahlen will sie noch keine herausgeben, aber in zwei Wochen werden IBS und Regierungsrat eine Bilanz veröffentlichen und zum Thema Stellung nehmen. «Im Elisabethenparkhaus haben wir eine höhere Nutzung bemerkt», ist alles, was sie sagen will.

Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, berichtet ebenso wenig wie Neidhart. «Mein Departement hat keine Einsicht», gibt er zu, versichert aber, dass Regierungsrat Wessels das Projekt unterstützt.

Auch der Geschäftsführer des Vereins Pro Innerstadt, Mathias Böhm, scheut sich, Zahlen zu nennen. Einige Fakten hat er dennoch auf Lager: «Die Kurzparkzeiten sind höher, in Peakzeiten nehmen wir ebenfalls eine höhere Auslastung wahr.»

Pro Innerstadt stand hinter der Idee des Gratis-Parkings. Böhm berichtet von guten Rückmeldungen: «Die Aktion wurde positiv aufgenommen. Über Social Media, die Läden und Restaurants kamen nur positive Rückmeldungen. Die Wirkung per se fiel gut aus.»

Worte statt Fakten

Die Zahlen spielen für Böhm weniger eine Rolle. Für ihn steht «das attraktive Angebot» im Vordergrund, sprich dass Basel was zu bieten hat. «Der Einkaufstourismus ist das Eine. Zusätzlich steht der schnelle und starke Strukturwandel im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklung. Dabei wollen wir aktiv Unterstützung bieten.» Damit verlagert Böhm das Gewicht des Projekts von den Geschäften auf das Image Basels.

Eine klare Rendite für die investierten 750'000 Franken zu bemessen, ist offenbar nicht möglich. Böhm sagt: «In erster Linie wird die Nachhaltigkeit durch solche Massnahmen gefördert. Dadurch bleiben die Unternehmen hier, und der Standort per se wird gestärkt. Alle Städte haben Herausforderungen bezüglich des schnellen Strukturwandels. Dafür 750'000 Franken zu investieren, steht so absolut einem gesunden Verhältnis gegenüber.»

Es dürfte schwierig sein, alle Auswirkungen der Aktion zu verwerten. Einerseits, weil allfällige Umsatzsteigerungen auf verschiedene Umstände zurückführen sind, und andererseits, weil nicht klar ist, wie viele der neuen Gratisparkierenden tatsächlich einkaufen gehen. «Eine effektive Umsatzsteigerung ist aufgrund der Menge der Parkplätze im Verhältnis zu den verfügbaren Geschäften, Gastrobetrieben, Kultur- und Dienstleistungsbetrieben nicht realistisch», sagt Böhm.

Marc Keller konstatiert für sein Departement: «Den Versuch war es wert.» Dem Kanton gehe es hauptsächlich darum, dass solche Massnahmen die Diskussion um den Standort Basel anregen.