Aufstand
Verkehrskonzept: Detailhändler verlangen Lockerung

«Hochkaräter» aus der Grossbasler Detaillisten-Szene und Gastrovertreter machen zusammen mit Grossräten Druck auf das Verkehrsregime. Das Sicherheitsdepartement ist bereits dran, an möglichen Anpassungen zu feilen.

Martina Rutschmann
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Huthändler Andreas Schwarz und eine Gruppe anderer Detaillisten wollen bald wieder mehr Kunden begrüssen.

Huthändler Andreas Schwarz und eine Gruppe anderer Detaillisten wollen bald wieder mehr Kunden begrüssen.

Roland Schmid

Es ist, als ob er wieder durchatmen könnte: Andreas Schwarz vom gleichnamigen Hutladen am Spalenberg und Immobilien-Fachmann tut, was er schon lange tun wollte: Er kämpft für Besserung und gegen «die Wut im Bauch». Dafür, dass die Leute wieder in die Innenstadt kommen und diese erst mit vollen Taschen wieder verlassen.

Lange schon wusste er, dass die Entwicklung in eine dramatische Richtung geht. Der schwache Euro und neu das Tram nach Weil treiben die Konsumenten scharenweise nach Südbaden; das Internet sorgt dafür, das Einkaufen ohne körperliche Betätigung möglich ist; die Innenstadt-Ladenmietpreise steigen exorbitant; und das seit Anfang Jahr geltende Verkehrskonzept trägt trotz des versprochenen neuen Flaniererlebnisses auch nicht zu mehr Kunden bei – im Gegenteil. Was also tun? Kämpfen!

Andreas Schwarz hat einen runden Tisch mit «Hochkarätern» der Grossbasler Detaillisten-Szene und Gastrovertretern ins Leben gerufen. Sie alle beschönigen nichts und sagen offen: «Der Umsatz geht zurück.» Das erste Treffen sei sehr produktiv verlaufen, erzählt Schwarz. Fünf Punkte, weshalb es bergab gehe, seien besprochen worden – unter anderem die genannten Faktoren. «Hängengeblieben sind wir beim Verkehrskonzept», sagt er. «Es ist der einzige Faktor auf der Problemliste, auf den wir Einfluss nehmen können.»

Gewerbler mit SP-Unterstützung

Mit Betreibern von Traditionsgeschäften wie Ramstein Optik, Grieder oder Hugo Boss arbeitete Schwarz Lockerungsideen für das Verkehrsregime aus. So sollen Car-Touristen wieder auf dem Münsterplatz aussteigen dürfen und nicht wie jetzt nur am Rande des Zentrums; Betagte und Behinderte sollen nicht mehr auf Taxis angewiesen sein, sondern auch von Verwandten ins Zentrum gefahren werden dürfen – und Parkhäuser sollen günstiger werden, die ersten ein bis zwei Stunden gratis.

Ausserdem soll ein Parkhaus-Ticket automatisch auch ein Tram-Billett sein. Unter dem Motto «Positives Basel» will die Gruppe signalisieren, dass man nicht grundsätzlich gegen das Verkehrsregime ist, dieses in der heutigen Form aber zu streng findet. «Wir wollen die Steine, die uns in den Weg gelegt wurden, wegräumen», sagt Schwarz.

Unterstützung hat die Gruppe von zwei Grossräten. Dass diese ausgerechnet aus der SP-Fraktion kommen, zeigt: Der Druck kommt von allen Seiten. Erst am Mittwoch hat SVP-Grossrat Christian Meidinger einen Vorstoss zum Thema eingereicht. Darin verlangt er eine «vernünftige Überarbeitung der Verkehrsordnung in die verkehrsfreie Innenstadt» – und tut damit dasselbe, was seine beiden politischen Gegner, die namentlich noch nicht genannt werden wollen, bald auch tun werden: den politischen Weg beschreiten, um Lockerungen zu erreichen.

Was die ungleichen Kämpfer offenbar aber nicht wissen: Die Verantwortlichen im Sicherheitsdepartment sind bereits daran, an möglichen Anpassungen zu feilen, wie Departementssprecher Andreas Knuchel auf Anfrage bestätigt. In Zusammenarbeit mit einer Begleitgruppe wurden Massnahmen ausgearbeitet. «Diese decken sich teils mit den Ideen des runden Tischs», sagt Pro-Innerstadt-Geschäftsführer Mathias F. Böhm. Das Sicherheitsdepartement will die Ideen noch vor Ende Juni präsentieren.