Die Elsässer wollen die 3er-Tramverlängerung vom Bahnhof Saint-Louis um eine Station bis zu einem riesigen, südlich des Euro-Airport (EAP) geplanten Einkaufscenters verlängern. LDP-Grossrat André Auderset kommentiert: «Die Pläne hinterlassen bei mir gemischte Gefühle. Ich stehe weder in Totalopposition noch ruft das Vorhaben grosse Begeisterung bei mir hervor.»

Eine weitere «Sänfte» für die Einkaufstouristen

Für Auderset wäre das 3er-Tram damit eine weitere «Sänfte», die die Einkaufstouristen an ihr Ziel bringe. «Wenn der Schwerpunkt darauf liegt, bin ich eher dagegen.» Gleichzeitig sagt er in seiner Funktion als Mitglied der Umwelt-, Verkehrs und Energiekommission (Uvek): «Wenn man für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist, kann man sich schlecht dagegen wehren.»

Ähnlich differenziert klingt es bei Luca Urgese, Grossrat und Präsident der FDP Basel-Stadt: «Kurzfristig ist das für den Basler Detailhandel sicher keine gute Idee.» Wie Auderset hält er eine gute öV-Erschliessung der Region aber generell für wichtig.

Klar ist für ihn, dass die Franzosen das Projekt alleine finanzieren müssen, und zwar inklusive der Betriebskosten. «Wenn dem so ist, kann man darüber reden.» Allerdings müsse die Sicherheitsfrage abschliessend geklärt sein. «Das hat für mich hohe Priorität.»

Anfang Mai hatten die Basler Verkehrs-Betriebe die Fahrt von der Burgfeldergrenze ins Elsass wegen Übergriffen wie Laserattacken für zwei Wochen ab 20 Uhr eingestellt.

Genau deshalb ist für Eduard Rutschmann, Präsident der SVP Basel-Stadt, klar: «Die SVP ist gegen eine weitere Verlängerung des Trams nach Frankreich. Solange die Elsässer die Sicherheitsprobleme nicht im Griff haben, ist das unmöglich.» Dazu äussert er grundsätzliche Kritik an Baudirektor Hans-Peter Wessels «Mit ihm als Verantwortlichen für das Dossier kommt das gar nicht infrage.»

Als Vizepräsident des Districtsrats sieht Heinrich Ueberwasser (SVP) das anders: «Alles, was das grenzüberschreitende öV-Netz stärkt, ist gut, sofern die Spiesse im Wettbewerb gleich lang sind.» Gemeint sind damit Unterschiede bei der Mehrwertsteuer-Rückerstattung und dass es in Basel im Vergleich zu Frankreich und Deutschland viel schwieriger ist, die Geschäfte mit dem Auto zu erreichen.

Raphael Fuhrer, Grünen-Grossrat und Präsident der Uvek, steht der geplanten Tramverlängerung «gelassen und positiv gegenüber». Er ist überzeugt, dass deswegen nur wenige Einkaufstouristen hinzukommen, von denen einige vom Auto aufs Tram umsteigen würden.

Vollere Trams erhöhen die Sicherheit im Elsass

Der SP-Verkehrspolitiker Jörg Vitelli betont, das jede Tramverlängerung eine Investition in die nächsten 50 Jahre sei. Zudem sei der Einkaufstourismus Richtung Frankreich viel geringer als der nach Deutschland. Vitelli erhofft sich höhere Frequenzen und eine bessere Auslastung. Das habe auch Auswirkungen auf die Sicherheit. «Wenn das Tram mit 40 bis 50 Personen gut besetzt ist, funktioniert die soziale Kontrolle. Wenn nur wenige Passagiere im Tram sind, ist der Anreiz für Übergriffe grösser.»