Gericht
Verleger Gloor: kleine Buchhaltungsfehler bei «Regio Aktuell»-

Der Prozessbeginn um «Regio Aktuell»-Verleger Robert Gloor brachte kaum Erkenntnisse.

Patrick Rudin
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Im Zentrum der Affäre steht das Gratisheft «Regio aktuell», das sich selbst als das «meist gelesene Magazin der Nordwestschweiz» bezeichnet.

Im Zentrum der Affäre steht das Gratisheft «Regio aktuell», das sich selbst als das «meist gelesene Magazin der Nordwestschweiz» bezeichnet.

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«Geht das in Ordnung, wenn ich Sie nicht mit Professor und Doktor anrede?», fragte Gerichtspräsident Dominik Kiener zu Beginn der Verhandlung höflich. Es ging in Ordnung, obwohl seine Kundschaft diesmal doch etwas aussergewöhnlich ist: Auf der Anklagebank sitzen der Unternehmer und «Regio Aktuell»-Verleger Robert Gloor, 56, der
55-jährige Steuer- und Treuhandexperte Bernhard Madörin sowie der 54-jährige Dozent und Notar Daniel Staehelin, Spezialist im Schuldbetreibungs- und Konkursrecht. Alle drei haben ein blankes Vorstrafenregister.

So ruhig und höflich die Fragen von Kiener gestern zum Verhandlungsauftakt waren, umso spitzer und schnippischer waren die Wortwechsel insbesondere zwischen Staatsanwalt Karl Aschmann und Bernhard Madörin. Hauptangeklagter ist allerdings Robert Gloor: Er soll der GTS Verlag AG unrechtmässig Geld entzogen haben. Für die Verwendung der wertlosen und nicht schutzfähigen Wortmarke «Regio aktuell» überwies man beispielsweise während fünf Jahren rund 700 000 Franken an Franchisinggebühren, das Geld landete via einer ebenfalls von Gloor kontrollierten Firma auf der Kanalinsel Alderney schliesslich auf dessen Privatkonto.

Gloor sagte dazu gestern vor Gericht, Lizenzproduktionen seien Standard in diesem Bereich. Hätte er Geld abziehen wollen, hätte er sich auch einfach einen höheren Lohn ausbezahlen können -- schliesslich gehörten beide Firmen ihm. Auf die Frage nach dem Sinn der Firma auf der Kanalinsel grummelte Gloor, sowas sei üblich. «Es gibt ja andere Menschen, die so etwas auch machen, etwa Herr Schneider-Ammann», so Gloor.

Am Nachmittag befragte das Gericht die damalige Buchhalterin als Zeugin. Doch auch sie konnte kein Licht in die Frage bringen.

Plädoyers nächste Woche

«Kleine Buchhaltungsfehler» seien passiert, meinte Gloor, doch für die Staatsanwaltschaft beträgt der Vermögensschaden innerhalb der GTS Verlag AG über eine Million Franken. Dadurch sollen auch die Jahresrechnungen nicht die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegeln, weshalb Robert Gloor auch wegen Steuerbetruges angeklagt ist. Dieser Punkt wird heute verhandelt. Dem Treuhänder und damaligen Verwaltungsrat Bernhard Madörin wird vorgeworfen, er habe diese Machenschaften nicht gestoppt. «Ich habe dafür gesorgt, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Es ist alles sauber und korrekt, gesetzlich konform und legal abgeführt worden. Heute zu sagen, das sei illegal gewesen, ist ein riesiger Mumpitz», sagte Madörin dazu vor Gericht.

Als Zeuge gehört wurde gestern auch der Minderheitsaktionär Kurt Schudel, der den Prozess ins Rollen gebracht hat: Er habe nicht gewusst, dass das Geld privat an Gloor fliesse, er sei um grosse Summen geschädigt worden. «Wir haben das immer offen kommuniziert. Schudel hat alles gewusst», widersprach Gloor. Die Schilderungen über den Ablauf der Verwaltungsratssitzungen gingen die Versionen der beiden verfeindeten Parteien weit auseinander. Die Plädoyers werden nächste Woche gehalten, das Urteil wird in zwei Wochen erwartet.