Theater Basel
Versetzt die Finanzbranche uns in Angst und Schrecken?

Im Anschluss an die letzte «Angst»-Vorstellung im Schauspielhaus vom Freitag veranstaltet die bz ein Podium. Zur Diskussion steht dabei nicht bloss das Stück, sondern auch die grossen Gefühle, welche die Finanzbranche offenbar ausmachen: Angst und Gier.

Matthias Zehnder
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Verstörendes, aber auch anregendes Schauspiel rund um die Finanzwelt: Szene aus «Angst» von Robert Harris

Verstörendes, aber auch anregendes Schauspiel rund um die Finanzwelt: Szene aus «Angst» von Robert Harris

zvg/Judith Schlosser

Zum letzten Mal ist am nächsten Freitag im Schauspielhaus Basel «Angst» zu sehen, das Schauspiel von Robert Harris rund um die Finanzbranche (Schauspielhaus, 20 Uhr). Anlass für die bz, im Anschluss an das Schauspiel zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. Zur Diskussion steht dabei nicht bloss das Stück, sondern auch die grossen Gefühle, welche die Finanzbranche offenbar ausmachen: Angst und Gier.

Das Stück basiert auf dem Roman «The Fear Index» (deutsch: «Angst») von Robert Harris. Die Geschichte: Alex Hoffmann, ein genialer Mathematiker, hat ein Computerprogramm entwickelt, das weitgehend automatisch einen Hedge-Fund verwaltet. Das Programm kauft selbstständig Aktien ein und verkauft sie wieder. Es ist darauf optimiert, ein Gefühl zu analysieren: Angst. Basierend auf dieser Angst-Analyse sieht es den Verlauf des Aktienhandels erschreckend präzise voraus.

Handlung spielt an einem Tag

Der ganze Roman spielt an einem einzigen Tag: am 6. Mai 2010. An diesem Tag hat tatsächlich ein ganz spezielles Ereignis stattgefunden: ein Flash-Crash, ein Blitz-Einbruch der Börsenkurse also. Innerhalb von Minuten brachen die Börsenkurse der amerikanischen Aktienmärkte so heftig ein, dass der Dow-Jones-Index fast zehn Prozentpunkte verlor. Grund für den Einbruch waren computergesteuerte Aktienverkäufe gewesen. Auch im Buch kommt es an diesem Tag zu einem Börseneinbruch. Hoffmanns Programm sieht den Verlauf des Tages aber so gut voraus, dass seine Firma an diesem einzigen Tag einen enormen Gewinn von 4,1 Milliarden Dollar einstreicht.

Allerdings macht sich das Computerprogramm, das Hoffmann sich ausgedacht hat, an dem Tag des Börsensturzes selbstständig. Als Hoffmann realisiert, dass er das Programm nicht mehr steuern kann, versucht er, es abzuschalten. Zu spät: Das Programm hat sich auf andere Rechner in Sicherheit gebracht. Jetzt wendet sich das Programm gegen seinen eigenen Programmierer und Hoffmann lernt selbst das Gefühl der Angst kennen.

Angst und Gier sind zentral

Regisseur Volker Lösch und das Basler Schauspielensemble erzählen die Handlung von Robert Harris Geschichte nicht als zusammenhängende Handlung und auch nicht realistisch. Die zentrale Aussage von Robert Harris lautet letztlich, dass die beiden Urinstinkte Angst und Gier die Finanzwelt beherrschen. Entsprechend lässt Volker Lösch seine Protagonisten im Neandertal-Kostüm auf die Bühne treten. In die Szenen und Sätze von Harris schneidet er zudem immer wieder chorisch gesprochene Sätze aus Interviews mit Bankern. Auf diese Weise bricht schon auf der Bühne die Realität in die Geschichte ein. «Angst» ist kein feinsinniges Sprechtheater, sondern ermöglicht dem Besucher eine Art Echt-Blick in den Affenkäfig der Finanzbranche. Das ist für den Zuschauer ebenso frappierend wie zuweilen verstörend, aber auf jeden Fall anregend.

Podiumsdiskussion: «Angst und Gier»

Die bz und das Theater Basel laden im Anschluss an die Vorstellung von «Angst» am Freitag, 1. März 2013, um 21.45 Uhr zum Publikumsgespräch im Foyer Schauspielhaus. Auf dem Podium diskutieren unter anderen Martin Wigger (Co-Leiter Schauspiel und Chefdramaturg Theater Basel) und Beate Seidel (Produktions-Dramaturgin). Moderation: Matthias Zehnder, Chefredaktor bz Basel. bz-Abonnenten erhalten auf die Eintrittspreise der Vorstellung «Angst» 10 Prozent Rabatt. Die Podiumsdiskussion ist gratis und Zusammenarbeit zwischen dem Theater Basel und der bz Basel. Die nächste gemeinsame Podiumsdiskussion findet am 23. März 2013 im Anschluss an die Vorstellung «Expats: Eidgenossen in Schanghai» im Dorint Hotel Basel statt. (zdr)