Während der nächsten Kunstmesse Art Basel, im Juni, vergibt der Basler Lebens- und Vorsorgeversicherer Pax erstmals einen Preis für digitale Kunst. Der Wettbewerb erfolgt auf Einladung, wobei Eingaben von sechs bis acht Künstlern erbeten werden, die in der Schweiz im Bereich der elektronischen Künste arbeiten. Von einer Jury prämiert und vom Unternehmen aufgekauft werden zwei Arbeiten mit einer Preissumme von jeweils 15'000 Franken.

Der Pax-Kunstpreis wird von einer neu gegründeten Art Foundation Pax getragen, die vom Unternehmen mit einem Kapital von 1,3 Millionen Franken ausgestattet wurde. Damit soll der Preis für die ersten zehn Jahre gesichert sein. Der Stiftungsrat wird präsidiert vom Pax-Marketingleiter Nicolas Bopp. Die Stiftungskonstruktion habe man gewählt, um die Preisvergabe längerfristig und ungebunden von einzelnen Personen sichern zu können. Nicht zufällig im Stiftungsrat ist auch Sabine Himmelsbach, die Leiterin des Hauses für elektronische Künste (HEK), dem sachkundigen Kooperationspartner für den neuen Preis.

Von Baloise bis Ricola

Die Schaffung eines Kulturpreises ist für ein Versicherungsunternehmen nicht sonderlich originell. Seit 1999 vergibt die Baloise in Zusammenarbeit mit der Art Basel einen Kunstpreis für junge Künstler. Eine Jury prämiert jährlich zwei Preisträger mit jeweils 30'000 Franken. Die Berner Mobiliar lobt sich selbst, den ältesten Förderpreis für junge Kunst einer Versicherung begründet zu haben; sie ehrt seit 1996 jährlich einen jungen Künstler mit einem Preisgeld von 15'000 Franken. Der National-Kunstpreis der Basler Unternehmer- und Kunstsammlerfamilie Theler wurde 2004 aus der Taufe gehoben. Seit der Übernahme des Basler Versicherers heisst er nach dem St. Galler Aufkäufer «Helvetia Kunstpreis». Er richtet sich an Abgänger von Kunsthochschulen im Bereich Bildende Kunst und Medienkunst. Dem Sieger winken ein Preisgeld von 15'000 Franken sowie eine Ausstellung an der Liste, der Art-Parallelmesse für junge Kunst.

Den wohl ältesten Kunstpreis einer Schweizer Firma vergibt Manor. Der 1982 von Philippe Nordmann begründete Preis bietet ebenfalls jungen Kunstschaffenden eine Plattform. Die jährlich sechs Preisvergaben mit einer inszenierten Übergabe eines Checks in Höhe von 15 000 Franken finden alternierend in zwölf Schweizer Städten statt. Verhältnismässig neu ist der bisher zweimal vergebene Preis der Sammlung Ricola. Die Laufener Unternehmerfamilie Richterich ehrt damit alle zwei Jahre einen Künstler mit einem Preisgeld von 20 000 Franken.

In einer Nische

Den genannten Unternehmen gemeinsam ist, dass sie selbst über grosse Kunstsammlungen verfügen. Damit kann die Pax, die eine kleinere Sammlung von regionalen Künstlern besitzt, nicht mithalten. Die Versicherung sucht deshalb ihr Alleinstellungsmerkmal mit einem Fokus auf digitale Kunst. Sie besetzt damit eine Nische, in der noch mit verhältnismässig wenig Mitteln Aufmerksamkeit erzielt werden kann. Marketingchef Bopp sieht mit dem Kulturpreis auch eine Möglichkeit, den eingeschlagenen Imagewandel der Firma zu einem «jüngeren Unternehmen» voranzutreiben.

Eine Wette auf die Zukunft

Pax startet allerdings nicht als erste Firma, um sich mit einem Medienkunstpreis zu profilieren. Um die Jahrtausendwende suchte der Werbevermarkter Publigroupe die Nähe zur Art Basel und vergab den Namics-Kunstpreis für Neue Medien. Mit dem Niedergang der Firma verschwand jedoch der Preis. Die wichtigste Adelung digitaler Kunst ist derzeit wohl mit dem Prix Ars Electronica verbunden, der in Österreich in Koproduktion mit dem ORF vergeben wird.

Aber auch im Kleinen lauert Konkurrenz. So vergibt ausgerechnet das HEK, der Partner der Pax, in Zusammenarbeit mit dem Magazin «Kunstbulletin» seit 2016 bereits den mit 10'000 Franken dotierten «net bases award», eine Auszeichnung für «netzbasierte Kunst».
Angst, in der Kulturpreisflut unterzugehen, hat Bopp nicht. Er sagt: «Vielleicht werden wir in den ersten Jahren belächelt.» Doch der Pax-Kulturpreis ist auch eine Wette auf die Zukunft, dass die elektronische Kunst in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.