Wenn die Basler nach Zürich ans «Sächsilüüte» gehen, dann passiert garantiert irgendetwas. Vor 25 Jahren war es das: Statt zu explodieren stürzte der Böögg von seinem Scheiterhaufen. Ein Skandal: ausgerechnet vor der versammelten Regentschaft von Basel-Stadt. Am Freitagabend am Eröffnungsakt zum diesjährigen Sechseläuten stürzte zwar keiner – aber der Zug, mit dem die Basler Regierung in globo in Zürich einfuhr, traf mit einer sagenhaften Verspätung von einer halben Stunde ein – viel zu spät also, aber immerhin nur so spät, dass der Abmarsch vom Hauptbahnhof zum Zunfthaus Schmiden gerade noch einigermassen pünktlich beginnen konnte.

Dieser Eröffnungsakt hat, das muss der Rheinkniebewohner feststellen, herzlich wenig mit dem Ausmass eines gutbaslerischen Fasnachtsbeginns zu tun. Eine Menschentraube aus rund 200 Leuten bewegt sich durch die Bahnhofsstrasse bis zur «Schmiden», wo die Reden beginnen. Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann gab sich bei ihrer Rede alle Mühe, das Kriegsbeil zwischen den Städten zu begraben, führte ein paar Böögg-Witze ins Feld – etwa die heikle CO2-Verträglichkeit des Verbrennens von Schneemännern im Frühling –, um letztlich die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten: beides Zunftstädte, beide treibende Wirtschaftsmetropolen des Landes. Um letztlich mit einem Werbespot für die Ausstellung auf dem Lindenhof zu schliessen.

Sechseläuten: Wird aus Hassliebe eine dicke Freundschaft?

Sechseläuten: Wird aus Hassliebe eine dicke Freundschaft?

So berichtete Tele Züri über den Empfang des Gastkantons Basel-Stadt in Zürich.

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Basler und Zürcher feiern gemeinsam Sächsilüüte: Hier geht’s zum Live-Blog.

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Urs Berli, «Primus inter Pares» der Zürcher Zunftmeisterversammlung, labte sich hingegen an der alten Rivalität der Städte. «Verwunderlich», sei es, dass die Basler da einfach so dieses Kriegsbeil begraben. Reihte eine spitze Bemerkung an die andere, mit Anspielung auf die erste Hirsebreifahrt und das Gefälle des Fliessgewässers Rhein etwa: «Schon da merkt man, dass das Niveau halt in Basel, nun, etwas tiefer ist.» Da half auch wenig, dass der ausgeschenkte Wein aus dem Baselbiet kam. Marke: «Siibedupf.» Aber dass Basel-Stadt und Baselland den Zürchern einerlei sind, ist ohnehin klar und spiegelte sich in der schlichten Begrüssung der «Regierung von Basel».

Am Montag brennt der Böögg

Bestens unterhalten von den Basler Witzen der Zürcher zeigte sich die Basler Regierung in corpore. Auch CVP-Grossratspräsident Remo Gallacchi liess sich wenig anmerken und zog vor der Stube genüsslich am Zigarillo. Derweil Patrice Cron vom Fasnachts-Comité launig die steinernen Zunfthumpen kommentierte, in denen das Bier gereicht wurde: «So ein wettsch jetzt aber au nit dehei stoo ha!» Mit dem letzten Umzugsteil von der «Schmiden» zum Lindenhof schloss die Eröffnung – und das Fest begann: Das ganze Wochenende über bespielt Basel den Platz.

Da wird eine Fasnachtslaterne live gemalt, da werden Zürcher in Fasnachtsmusik unterrichtet, und es wird der Limmatstadt gezeigt, was unser eigenes Bier kann. Am besten natürlich zusammen mit einem Klöpfer vom Grill. Bis am Montag der Böögg zum Scheiterhaufen auf den Sechseläuten-Platz geführt wird. Ohne Verspätung, hoffentlich, und dieses Mal anständig brennend.