Fabienne Bänziger ist ein bisschen ausser Atem, als sie das Geschäft an der
Aeschenvorstadt 25 betritt. Sie habe gerade einen Topf Zierpflanzen zur benachbarten BKB-Filiale rübergeschleppt, sagt die Geschäftsführerin des «Bluemelade bim Schloss». «Jeden Montag verschönern wir so den Eingangsbereich der Bank», sagt Bänziger. Die BKB sei nur einer von vielen zufriedenen Geschäftskunden. Dazu gehören unter anderem auch Arztpraxen und Anwaltsbüros. Und viele Private, die aus einer grossen Auswahl an Schnittblumen ihren individuellen Strauss zusammenstellen lassen. «Wir sind erst ein halbes Jahr an der Aeschenvorstadt, aber ich bin wirklich sehr zufrieden,» sagt Michael Fleig dazu. Er ist nicht nur Inhaber des Geschäfts in Basel, sondern auch der ersten Filiale in Aesch, die er vor 15 Jahren von seiner Mutter übernommen hat, und dem Geschäft in Oberwil. Letzteres hat er vor sechs Jahren eröffnet.

Der Schritt nach Basel habe Mut gebraucht, sagt Fleig. Gerade zu Zeiten, in denen man mehr von Ladenschliessungen lese als von etwas anderem. «Aber ich habe daran geglaubt, dass mein verspieltes, üppiges Konzept in der Stadt Erfolg hat.» Und dies habe sich in den vergangenen Monaten bewahrheitet. Trotz der Nähe zu «Au Bouquet» an der Elisabethenstrasse. «Konkurrenz belebt das Geschäft», sagt Fleig dazu. Der «Bluemelade bim Schloss» bediene einen anderen Stil. «Wir sind sehr verspielt und modern, lieben es auch üppig. Also weniger klassisch. Wir sind die jungen Wilden, kann man so sagen.» Er sei überzeugt davon, so Fleig, dass es Platz für beide habe.

Fleig beschäftigt in Basel vier Angestellte plus – seit diesem Sommer – eine Lehrtochter. Er sagt, er habe die Expansion aus der eigenen Kasse finanziert, den Gewinnen, die er in den vergangenen Jahren in Aesch und Oberwil erwirtschaftet und gespart hat.

Grosse Nachfrage

Im Allgemeinen scheinen die Basler Floristen vom Ladensterben als direkte Konsequenz des Einkaufstourismus’ ennet der Grenze nicht betroffen zu sein. So zumindest sieht das Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel. Er sagt: «Wer ein gutes, modernes Geschäft in diesem Bereich hat, kann sehr erfolgreich wirtschaften. Schnittblumen kauft man tendenziell nicht im Ausland, weil sie möglichst frisch sein müssen.»

Der gute Geschäftsgang des «Bluemelade bim Schloss» ist für Böhm deshalb keine Überraschung. «Es liegt im Trend, aus dem eigenen Zuhause eine Wohlfühloase zu machen. Da gehören auch Blumen und Pflanzen dazu, und entsprechend gross ist die Nachfrage.» Anders könne er sich nicht erklären, wie «Bim Schloss» so gut arbeite und auch ein kleiner Anbieter wie «blütezeit» im Unternehmen Mitte Erfolg habe. Voraussetzung laut Böhm ist, dass sich der Laden an zentraler Lage befindet, in der Nähe von Tram und Bus, quasi auf dem Heimweg. Dem pflichtet Fleig bei: «Für mich war immer klar, dass sich mein Basler Geschäft an einem sehr zentralen Standort mit öV-Anschluss und Parkhäusern in der Nähe befinden muss.»

Derweil haben es jene Geschäfte in den Quartieren, die seit Jahren dasselbe Sortiment anbieten, eher schwer. So bleibt etwa die Tür von Könemund Floristik an der Ecke Lange Gasse/Engelgasse im Gellert seit einigen Tagen geschlossen, berichten Bewohner des Quartiers. Der Grund für die Geschäftsaufgabe bleibt unklar: Die Inhaber waren gestern telefonisch nicht zu erreichen.

Fleig sagt: «Nur mit Blumen wird es schwierig, heute zu überleben.» Er glaube, wichtig sei, dass ein Florist nebst Schnittblumen auch Balkonpflanzen und zum Beispiel Wohnaccessoires oder -dekorationen anbietet. «Im Sinne eines ganzheitlichen, diversifizierten Angebots.» Er selbst habe von Beginn weg auf die Strategie des Rundumkonzepts gesetzt, verkaufe auch Kerzen, Bilder, Lampen oder Sofas. «Aber: Blumen bleiben unser Kerngeschäft.»

Misstöne nebenan

So rosig die Zeiten auch sind, die Fleig mit seinem Geschäft gerade erlebt: Der Einzug des «Bluemelade bim Schloss» in die Aeschenvorstadt vor sechs Monaten wurde von Misstönen begleitet – hinter vorgehaltener Hand. Ein Insider aus der Floristenbranche erzählt, die Geschäftsleitung von «Au Bouquet» habe sehr nervös reagiert, als bekannt wurde, dass Fleig mit einem Blumenladen in unmittelbarer Nähe einziehen würde. «Ist ja klar: Damit war die Monopolstellung am Bankverein dahin. Fleig hat viele Neider, weil es ihm eben sehr gut läuft. Und dies seit Jahren, und trotz Einkaufstourismus.» Bereits bevor der «Bluemelade bim Schloss» in Basel ansässig geworden sei, seien viele Kunden aus der Stadt aufs Land gefahren, um bei Fleig in Aesch oder Oberwil Blumen zu kaufen.

Ob sich die Nähe zum «Bluemelade bim Schloss» tatsächlich negativ auf den Geschäftsgang von «Au Bouquet» ausgewirkt hat, glaubt Geschäftsführer Andreas Bertschmann heute nicht, wie er auf Anfrage sagt: «Konkurrenz kann belebend sein.» Er hält allerdings fest, dass die andauernde Baustelle in der Elisabethenstrasse die aktuellen Umsätze belaste. «Zudem kommen immer weniger Kunden in die Stadt zum einkaufen», sagt Bertschmann weiter. Dies seien jedoch nur Annahmen, «es ist schwierig, den Grund unserer Umsatzsituation heute festzumachen.»