Eine Pressekonferenz mit Werner Kübler und Jürg Aebi ist wie eine gut einstudierte Show-Einlage: Der Direktor des Universitätsspitals Basel (USB) und der CEO des Kantonsspitals Baselland (KSBL) ergänzen sich perfekt. Während Kübler eher für die trockenen Fakten zuständig ist, sorgt der Berner Aebi mit seiner heiteren Art und entwaffnenden Offenheit für Stimmung, selbst wenn seine Institution unter Dauerbeschuss steht. Kein Statement ohne Anekdote.

So auch am Mittwoch im prunkvollen Gartensaal des Holsteinerhofs beim Unispital. Die beiden Chefs zeigten den Planungsstand der Fusion zum Universitätsspital Nordwest (USNW) auf und sprachen über die Herausforderungen und Hürden, aus zwei Häusern aus zwei Kantonen eine Einheit zu formen. Auftritt Aebi: «Schon als ich vor sechs Jahren zum KSBL stiess, warnten mich die Baselbieter, dass die Basel-Städter einen immer über den Tisch ziehen. Und die Basler sagten mir, dass die Landschäftler immer maximal profitieren und nie etwas zahlen wollen», erzählt er lachend.

Bei einem Volks-Nein gibt es keinen Plan B

Aebis Botschaft aber ist ernst: «Dabei hat diese Region eine riesige Chance.» 27 Spitäler gebe es hier, eine Überversorgung, zu viele Spitalbetten und dadurch hohe Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien. «Da macht es doch Sinn, die Strukturen zu ändern. Wir machen das – und zwar als gleichwertige Partner.» Das wolle man der Bevölkerung in beiden Basel klarmachen. Denn Aebi wie Kübler wissen, was nach dem Segen der Parlamente vom September die letzte grosse Hürde des USNW darstellt: die Volksabstimmungen in beiden Kantonen am 10. Februar 2019.

USB und KSBL stehen aber vor einem Dilemma: Sie müssen sich als öffentliche Unternehmen im Abstimmungskampf zurückhalten. Freilich gibt es genug Mittel und Wege, die eigenen Standpunkte zu platzieren, etwa durch Interviews, Podiumsdiskussionen – und Pressekonferenzen wie am Mittwoch. Aebis Prognose: «In Baselland wird es einfacher als in Basel-Stadt.» Er warnt, dass ein Volks-Nein «alles um Jahre zurückwerfen» würde. Der kühle Kopf Kübler dagegen gibt sich pragmatisch: «Ich bin sehr entspannt, denn letztlich ist die Abstimmung ein normaler demokratischer Prozess. Natürlich wäre ein Scheitern sehr bedauerlich, aber dann müssen wir eben schauen, wie wir damit umgehen.» Einen fixfertigen Plan B gebe es nicht.

Besitzstand für das Personal garantiert?

Um dieses Szenario abzuwenden, fokussieren die Spital-Direktoren darauf, der Bevölkerung und im Speziellen auch dem eigenen Personal die Befürchtungen und Ängste zu nehmen. Am Mittwoch stellten sie eine Broschüre vor, die alle Angestellten erhalten. Darin werden die Strategie und die Grundsätze für die Zusammenführungsphase thematisiert. «Dieses Papier soll unseren Mitarbeitern Sicherheit geben», sagt Kübler. Darin stehen Sätze wie «Wir sprechen keine Kündigungen wegen der Zusammenführung aus», «es ist keine Übernahme des einen durch den anderen Partner» oder «Akademische und klinische Karrieren werden gleichermassen gefördert».

Letzteres spricht eine Angst vor allem der KSBL-Ärzte an, nämlich dass die Akademiker-Ärzte des USB ihnen vorgesetzt werden. Hierzu steht im Papier: «Leitenden Ärzten sowie Kader- und Spezialärzten wird ein Besitzstand des Titels und entsprechender ärztlicher Aufgaben garantiert.» Dasselbe gilt für das Pflegepersonal. Mündlich klang es am Mittwoch etwas weicher. Kübler: «Das gilt für die erste Zeit. Wenn wir später sehen, dass wir weniger leitende Stellen brauchen, dann finden wir individuell faire Lösungen.» Und: «Selbstverständlich wird es immer ein paar Unglückliche geben.»

Es werden aber auch Forderungen gestellt: «Wir erwarten von den Mitarbeitern Flexibilität bezüglich der Arbeitsorte im Klinikverbund über die vier Standorte und damit verbundener Wegzeiten», heisst es im Papier. Wie weit diese Flexibilität geht, das werde im neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) zu definieren sein, so Kübler. Hier bekräftigten die Spitäler, dass sie bis Ende Jahr die Eckwerte auf dem Tisch haben wollen. Sollte vor der Abstimmung nichts vorliegen, so tritt das ein, wogegen Aebi und Kübler vor allem kämpfen: Unsicherheit. Das wohl grösste Gift für die Spitalfusion.