Gleichstellung

Verstoss gegen Gleichstellungsgebot? Basler «Männerclubs» ecken bei der SP an

Zünfte sollen gegen das Gleichstellungsgebot in der Bundesverfassung verstossen. (Archivbild)

Zünfte sollen gegen das Gleichstellungsgebot in der Bundesverfassung verstossen. (Archivbild)

Ein neues juristisches Gutachten hält die Reglemente der Zünfte für verfassungswidrig. Die Korporationen verstossen angeblich gegen das Gleichstellungsgebot. Die SP fordert nun eine rechtliche Prüfung des Sachverhalts.

Sie sind reine Männerclubs. Und die meisten Mitglieder finden, das soll auch so bleiben. Schliesslich sind diese Gruppierungen tief verwurzelt in der Basler Tradition. Die Rede ist von Zünften, Vorstadtgesellschaften und Ehrengesellschaften. Gegen ebendiese von Männern beherrschte Domäne richtet sich ein neues juristisches Gutachten zweier Staatsrechtlerinnen der Universität Bern.

Im Auftrag der Basler SP führten sie eine Analyse über die Verfassungsmässigkeit der Reglemente der Zünfte durch. Sie kommen zum Schluss: «Die Korporationen verstossen gegen das Gleichstellungsgebot in Bundes- und Kantonsverfassung, wenn sie Frauen den Zugang verwehren.»

Die Zunftordnung besagt, dass «jeder männliche und wohlbeleumdete Bürger» ab 18 Jahren aufgenommen werden kann. Und: «Eine Zunft kann durch Beschluss der Zunftversammlung Frauen den Männern gleichstellen.» Dieser Absatz gilt jedoch erst seit 2019 für Zünfte, Vorstadt- und Ehrengesellschaften und basiert auf der Freiwilligkeit der jeweiligen Zunftvorstände. Die Zunftordnung mit den dazugehörigen Reglementen wird von der Bürgergemeinde Basel erlassen, der Bürgerrat hat die Aufsicht über die Korporationen.

SP-Politiker Alex Klee fordert ein Umdenken

Als Reaktion auf das Gutachten hat Bürgergemeinderat Alex Klee eine Interpellation eingereicht: «Wir fordern eine rechtliche Überprüfung dieses Sachverhalts.» Dieser liege jetzt zum wiederholten Male auf dem Tisch des Bürgerrats. Bisher seien die Reaktionen «immer reflexartig und heftig ablehnend» ausgefallen, sagt der SP-Politiker.

Mit der Interpellation will Klee dem Bürgerrat die Chance geben, erneut Stellung zu beziehen. Sollte kein Umdenken stattfinden, behalte er sich weitere politische Vorstösse vor. «Es kann doch nicht sein, dass es im 21. Jahrhundert noch Gesellschaften gibt, zu denen Frauen kaum Zugang erhalten», sagt Klee. Hoffnung gebe ihm der Wandel innerhalb der Basler Fasnachtscliquen: Vor rund 20 Jahren seien reine Männercliquen an der Tagesordnung gewesen, heute gebe es nur noch wenige.

Gutachten gibt Basis für sachliche Diskussion

Während Klee also auf Bürgergemeindeebene das juristische Gutachten vertritt, lanciert SP-Grossrätin Danielle Kaufmann eine Interpellation an den Regierungsrat. Sie will wissen, was der Regierungsrat zum Fazit der Analyse sagt. Denn: Er hat die Aufsicht über den Bürgerrat. Verstösst dieser also gegen die Bundes- und Kantonsverfassung, muss auch die Regierung involviert werden.

Kaufmann hat bereits mehrfach versucht, die Zünfte und Ehrengesellschaften direkt zur Aufnahme von Frauen zu bewegen – ohne Erfolg. «Das ist doch peinlich», so die Sozialdemokratin. «Männer fühlen sich scheinbar extrem bedroht, und die Diskussionen drehen sich im Kreis.» Mit dem juristischen Gutachten habe man aber nun eine neue Basis, mit der man sachlich argumentieren könne.

Danielle Kaufmann, SP-Grossrätin

«Es geht um den Machtfaktor.»

«Es geht um den Machtfaktor.»

Doch warum wollen und sollen Frauen überhaupt in die traditionellen Gesellschaften eintreten? Kaufmann sagt: «Es geht um den Machtfaktor. Teil einer Zunft zu sein, gibt einem eine wahnsinnige Vernetzung. Jobs werden vermittelt, Chancen ermöglicht.» Das sei ein Privileg, von dem Frauen automatisch ausgeschlossen seien.

Lukas Faesch versteht den Rummel um die Zünfte nicht. Er ist Bürgerrat und Meister der
E. Zunft zu Hausgenossen. «Die Zunftordnung verbietet die Mitgliedschaft von Frauen nicht. Im Gegenteil, sie können Teil von Zünften und Gesellschaften werden», sagt der LDP-Politiker. Die Formulierung, dass eine Gleichstellung erfolgen «kann», sei natürlich nicht mehr zeitgemäss. Faesch: «Wir schauen uns das Gutachten an. Sollte die Zunftordnung tatsächlich verfassungswidrig sein, reagieren wir.»

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