Jahrzehntelang tappte die Polizei im Dunkeln. Im Februar 2015 meldete sich ein Mann während des Morgenstreichs auf einer Basler Polizeiwache, gestand die Bluttat und offenbarte Wissen, das nur der Täter haben konnte.

28 Jahre nach dem Verbrechen wartet der Mann nun auf sein Urteil. Alexander Kist, der Verteidiger des mittlerweile
48-jährigen Angeklagten, forderte einen Freispruch für seinen Mandanten. Er begründete dies damit, dass es sich um Totschlag handle. Dieser sei mittlerweile verjährt. Oberstaatsanwalt Martin Schacht und die Nebenkläger plädierten unisono auf Mord aus niederen Beweggründen. Sie sprachen sich für eine Haftstrafe von sechs Jahren aus. Da der Beschuldigte zur Tatzeit 20 Jahre alt war und ihm eine Reifeverzögerung attestiert wurde, kommt das Jugendstrafrecht zum Tragen. Dies sieht eine Maximalstrafe von zehn Jahren Haft vor.

Lob für die Basler Polizei

«Zum Glück hat die Polizei in Basel die Angaben des alkoholisierten Mannes ernst genommen. Sonst wären wir heute nicht hier», sagte der Oberstaatsanwalt.

Er rief die schrecklichen Bilder der Tat in Erinnerung: die grausam zugerichtete Leiche der 25-jährigen Antonella B. aus Südtirol. Die junge Frau war stranguliert in einem Waldstück gefunden worden. In ihrem Rachen ragte ein Holzpflock, ein weiteres Holzstück befand sich am Genitalbereich. Beim ersten Durchsehen der Akte sei er sich sicher gewesen, dass zehn Jahre Maximalstrafe für eine derart brutale Tat nicht ausreichen würden.

Allerdings kamen die medizinischen Gutachten zu dem Schluss, dass die Verstümmelungen erst nach dem Tod begangen wurden.

Man könne davon ausgehen, dass das Opfer sie nicht mehr bei Bewusstsein erlebt habe. Der Täter sei jedoch planmässig und heimtückisch vorgegangen – aus sexuellen Motiven. Eines machte er in seinem Plädoyer deutlich: «Mord verjährt nicht.» Ferner zog Schacht die ehrliche Reue des Täters in Zweifel.

Bereits einen Tag nach seiner Aussage in Basel meinte er sich an nichts mehr erinnern zu können. «Dies ist eine extrem schwere Tat. Auch wenn man das Teilgeständnis berücksichtigt, muss hier an den Sühnegedanken gedacht werden», führte er fort.

Opferfamilie will Sühne

Die Nebenkläger, welche die Familie des Opfers vertraten, zogen ebenfalls Aussagen des Schweizers in Zweifel. Paul Heinz P. hatte ausgesagt, das spätere Opfer habe ihn angesprochen. «Eine junge Frau, die kaum Deutsch spricht, zum ersten Mal in der Fremde ist und von Zeugen als schüchtern und zurückhaltend beschrieben wird, soll den Angeklagten angesprochen haben? Das ist unwahrscheinlich.»

Auch die vielen Erinnerungslücken des 48-Jährigen seien nicht glaubhaft. Er erinnerte daran, welche Katastrophe er über die Familie B., Vater und Bruder verfolgten den Prozess, gebracht hat. Der Verteidiger räumte ein, dass sein Mandant schwere Schuld auf sich geladen habe. «Kein Urteil kann dies lindern.» Dennoch seien seine Aussagen als glaubhaft zu bewerten.

Zu berücksichtigen seien auch das schwierige Aufwachsen des Täters – zwischen Heimen, gewalttätigem Vater und einer Mutter, die ihn abschob. Er sei schlicht weg ausgerastet, als Antonella B., nachdem er ihr zuvor an die Brust gefasst hatte, als «Hurensohn» beschimpft habe. «Es handelt sich um Totschlag. Ich fordere einen Freispruch sowie eine Entschädigung für die Zeit in der U-Haft.» Das Urteil wird heute gesprochen.