Artistik

Verträumt-poetische Bilder begeistern Besucher des Cicus Monti

Der Artist Amaury Venderborght am Vertikalseil.

Der Artist Amaury Venderborght am Vertikalseil.

Der Circus Monti überrascht erneut mit seiner Anmutigkeit. Schwierige Trapeznummern werden mit tänzerischen Bewegungen gemischt. 2013 erhielt der Circus gar den Innovationspreis von der Vereinigung der Kleinkünstler.

Nach glitzernden Kostümen, waghalsigen Nummern und pompösen Showelementen sucht man beim Circus Monti vergeblich. Vielmehr ist der Zirkus poetischer, subtiler, aber keinesfalls weniger beeindruckend, als andere.

An der Premiere am Mittwochabend hat die 12-köpfige Artistengruppe bewiesen, dass sie sich nicht hinter einer grossen Show zu verstecken braucht.

Bereits die eigenen Schritte auf dem Teppich, der ins bis auf den letzten Platz gefüllte Zelt führt, sind seltsam. Da ist zwar der typische Geruch von Popcorn und Zirkusmehl sowie das übliche Gedränge vor dem Crêpes-Stand.

Aber wo sonst Artistinnen in schillernden Outfits Programmhefte verkaufen, wird man von Herren in schlichten schwarzen Anzügen empfangen. Wo sonst ein schimmernder Vorhang die Artisten in die Manege einlässt, stehen bei Monti als Begrenzung überdimensional grosse Bücher aus Holz.

Das Problem der Schwerkraft

Zu Beginn träumen zwei junge Clowns den grossen Traum vom Fliegen. Aber da gibt es ein grosses Problem: die Schwerkraft. So enden einige ihrer Versuche mehr oder weniger schmerzhaft. Wenn alles nur so mühelos wie bei diesen beiden Artisten ginge, die sich in anmutiger Perfektion durch die Lüfte schwingen.

Ihre Performance ist harmonisch, geprägt von grosser Leichtigkeit. Sprünge durch meterhohe Reifen und technisch schwierige Trapeznummern werden durch szenisch tänzerische Bewegungen abgeschlossen.

Plötzlich finden sich die beiden Flugbegeisterten in einer Winterlandschaft wieder, Schnee rieselt vom Dach des Zirkuszelts, und die klirrende Kälte steckt auch den beiden Komikern tief in den Knochen.

«Unsere Tournee nähert sich dem Ende», sagt Mediensprecher Stefan Gfeller und trotzt an einem Club-Tisch stehend, dem windigen Augustabend.

Das Programm sei in diesem Januar entstanden und passe perfekt zum momentanen herbstlichen Wetter. Er schätze es, ein Stammpublikum zu haben, das den Zirkus für seine andere Art liebe, die auch viele Theaterliebhaber anspreche.

Dass die Vereinigung der Kleinkünstler ihren Innovationspreis 2013 dem Circus Monti verliehen hat, freut Gfeller besonders. Denn ein Preis aus der Kulturecke sei in der Zirkusbranche nicht einfach zu erhalten. «Dass wir Kultur machen, davon sind wir überzeugt», sagt Gfeller. Das Publikum immer wieder zu überraschen, das wünsche er sich für die nächsten Jahre.

Überraschend ist auch der zweite Teil des Programms. Ein Vertikalseil-Artist balanciert über lärmenden Strassen, Jongleure zeigen ihre Künste in Metallkuben und statt
Löwen springen Artisten durch Reifen.

An eine Theaterinszenierung erinnert die Vorstellung auch Remo Schnyder, der bereits zum zweiten Mal Gast beim Circus Monti ist. «Die Nummern sind schön inszeniert, gehen ineinander über, sind subtil und lassen Raum für die Illusion», sagt Schnyder.

Der Musiker ist besonders von der Band begeistert. Diese komponiert die Begleitung für jedes Programm neu und beherrscht das Zusammenspiel mit den akrobatischen Elementen perfekt.

Der Traum vom Fliegen

Dass für die beiden liebenswerten Clowns am Ende ihr Traum vom Fliegen in Erfüllung geht, hat Hildegard Vierhuff gefreut. Sie ist vom poetischen Konzept des Circus Monti überzeugt: «Hier steht nicht die Show, sondern die Leistung im Vordergrund», sagt Vierhuff.

«Die Artisten sind auch fähig, kleine Missgeschicke aufzufangen», ist ihr Partner Joachim Stockert überzeugt. «Die Bücher auf der Bühne sind ein Signal.» Ein Signal dafür, dass Zirkus auch anders sein kann.

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