Anni Lanz

Verurteilte Basler Schlepperin findet national Unterstützung

Für ihr soziales Engagement würdigte die Uni Basel Anni Lanz 2005 als Ehrendoktorin.

Für ihr soziales Engagement würdigte die Uni Basel Anni Lanz 2005 als Ehrendoktorin.

Mehrere Nationalräte bekunden ihre Solidarität mit Anni Lanz. Ein Gericht in Brig hat sie am Montag schuldig gesprochen. Eine Sammelaktion läuft.

Es ist eine tragische Geschichte, die Anni Lanz am 24. Februar zu einer Reise nach Domodossola bewogen hatte. Sie eilte einem Mann zu Hilfe, der sich bereits mehrfach das Leben nehmen wollte, der in der Schweiz von der Tötung seiner Frau und seines Kindes erfahren hatte und sich nach seiner Ausweisung aus der Schweiz in Italien auf der Strasse wiederfand. Lanz wollte den Afghanen zurück in die Schweiz holen, wurde aber an der Grenze gestoppt. Ihr soziales Engagement brachte ihr einst die Ehrendoktorwürde der Uni Basel und eine Nomination für den Friedensnobelpreis ein. In diesem Fall aber eine Verurteilung als Schlepperin durch ein Gericht in Brig.

Eine Busse in der Höhe von 800 Franken wegen «Erleichterung der rechtswidrigen Einreise in die Schweiz» muss Lanz zahlen und dazu die Verfahrenskosten von insgesamt 1400 Franken tragen. So befand es das Bezirksgericht am vergangenen Montag. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Prozess stiess auf grosses Interesse, der Entscheid sorgt national für Aufsehen.

«Mich regt das Urteil auf», empört sich etwa der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Die Basler Fraktionskollegin Silvia Schenker pflichtet ihm auf Twitter bei: «Unfassbar. Was Anni Lanz getan hat, war Zivilcourage und kein Verbrechen.» In der Westschweiz kritisierte die Genfer Nationalrätin Lisa Mazzone (Grüne) das Urteil als «absolut inadäquat».

Kommts zum Rekurs?

Bereits kurz nach dessen Verkündigung hatte sich Amnesty Schweiz gemeldet. Das Hilfswerk geisselte den Entscheid als einen «Schlag ins Gesicht aller Aktivistinnen und Aktivisten, die sich für die Rechte von Menschen in Not einsetzen». Anni Lanz habe aus reinem Mitgefühl gehandelt. Gemäss einer Mediensprecherin der Organisation sei der Rücklauf an Solidaritätsbekundungen mit der Basler Menschenrechtsaktivistin gross: «Uns erreichen viele Mails», sagt sie.

Auch auf Twitter finden sich mehrere Personen, die Anni Lanz helfen wollen, die Prozesskosten zu tragen. Zu ihnen zählt SP-Nationalrat Wermuth. Amnesty hat sich diesem Anliegen angenommen und leitet entsprechende Anfragen an den Anwalt von Lanz weiter. Bislang hat Anni Lanz jedoch ausgeschlagen, Geld ihrer Unterstützer für das Bezahlen der Busse anzunehmen. Helfen könnte es je nachdem dennoch: Noch hat Lanz nicht definitiv entschieden, ob sie das Urteil weiterziehen will, sie müsse sich zuerst mit ihrem Anwalt beraten, hiess es. Für eine Stellungnahme war die 73-Jährige gestern nicht erreichbar. Am Prozesstag hatte sie sich dahingehend geäussert, Problem sei nicht die Busse, «sondern dass das Urteil ein schlechtes Zeichen an die Schweizer Asylbewegung ist».

Eine klare Meinung dazu vertritt Wermuth: «Den Entscheid muss Frau Lanz selber fällen. Aber persönlich fände ich es gut, wenn sie das Urteil weiterziehen würde.» Er habe bislang keinen Kontakt mit Lanz gehabt.

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