Straftäter

Verurteilter Pädophiler outet sich nach chemischer Kastration in Dok-Serie

Christoph E. im Beitrag von Tele Basel

Christoph E. im Beitrag von Tele Basel

Ein 46-jähriger Pädophiler aus Basel legt in einem Film von Telebasel erstmals offen seine Geschichte dar. Sein ganzes Leben hat sich um den Kontakt mit jungen Buben gedreht. Bis er sich zu einer chemischen Kastration entschied.

Mit 25 wurde er erstmals straffällig. Christoph E. erinnert sich in einem Beitrag von «Telebasel» noch genau: «Das war in einem Hallenbad. Ich versuchte erst mit der Mutter des Buben in Kontakt zu treten, um näher an den Buben heranzukommen.»

Oft sei der erste Kontakt über die Mutter der Kinder gelaufen, vielfach allein erziehende Frauen, die auf der Suche nach einer neuen Liebe waren.

«Die Aufbauphase zwischen mir und dem Buben dauerte etwa zwei Wochen, danach hatten wir erstmals sexuellen Kontakt.»

Die Kinder hätten dies oft als unangenehm empfunden. Mehrere Monate habe die erste Beziehung gedauert, erst als ihm die Polizei auf die Schliche kam, wurden auch die Eltern des Jungen aufmerksam. Die Kinder hätten stets geschwiegen. «Ich habe ihnen gesagt, dass sie nichts sagen dürfen, weil ich sonst ins Gefängnis muss.»

«Ich fühlte mich durch die Beziehung mit pubertierenden Buben akzeptiert», sagt Christoph E. Oft konnte er durch fehlendes Geld bei seinen Opfern einen ersten Kontakt knüpfen. Zum Beispiel auf dem Rummelplatz: «Dort habe ich sie mit Bahnen-Chips beschenkt.»

Die typische Entwicklung für einen Sexual-Straftäter

Christoph E. hatte eine schwere Kindheit hinter sich, wuchs nach der Trennung seiner Eltern in einer Pflegefamilie und im Heim auf. Wegen Geldproblemen bot er seinen Körper schon früh selbst auf dem Strichplatz an. 60-jährige Männer waren seine Kundschaft – «gruusig» sei das gewesen. Aus dem Opfer ist mit der Zeit ein Täter geworden. «Ein sehr typischer Verlauf», sagen Experten.

2008 startete er eine neue Serie mit Hilfe einer Webcam. «Die Kinder sollten mir zuschauen, wie ich mich selbst befriedige», erzählt Christoph E. Die Polizei wurde jedoch erneut auf ihn aufmerksam und er verbrachte 21 Monate in Untersuchungshaft. In dieser Zeit fand bei Christoph E. ein Umdenken statt: «Ich entschied mich, mich chemisch kastrieren zu lassen.»

Hohe Motivation in der Therapie

Durch die regelmässige Einnahme von Lucrin werden die Sextriebe und auch die Sexual-Gedanken reduziert. «Die Therapie zuvor hat mir nichts gebracht, ich wollte den Schritt der chemischen Kastration unbedingt.» Der Preis ist allerdings hoch: Ein Leben lang muss Christoph E. Lucrin einnehmen. Sein Therapeut lobt die hohe Motivation seines Patienten.

«Ich habe gelernt, meine Gedanken zu ordnen und aus diesem Kreis auszubrechen», sagt Christoph E. Früher sei es ihm nur darum gegangen, neue Kontakte mit Buben zu knüpfen. Seit seiner Kastration fühle er nun keine Lust mehr, wenn jungen Burschen neben ihm herspazieren.

Heute arbeitet Christoph E. als Spitexpfleger und Zeitungsverträger. Er lebt zusammen mit seinem 30-jährigen Partner in einer eigenen Wohnung. Seine Kindheit hat er aber noch nicht vergessen. «Diese hat meine Leben kaputt gemacht», sagt Christoph E.

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