Herbstmesse

Verwaltung pfuscht bei Millionen-Auftrag

Die Strominfrastruktur für die Basler Herbstmesse sorgt für Knatsch.

Die Suche nach einer Elektrofirma für Herbstmesse und Weihnachtsmarkt musste abgebrochen werden, weil das Verfahren nicht fair aufgegleist war.

Die Herbstmesse und der Weihnachtsmarkt sind jedes Jahr zwei Höhepunkte für die Stadt Basel. Beide sind wahre Stromfresser. Entsprechend wichtig ist die richtige Infrastruktur, und entsprechend lukrativ sind die kantonalen Aufträge für Unternehmen aus dem Bereich Elektroinstallationen. Zwischen 300'000 und 400'000 Franken kostet die Infrastruktur, um die Messen mit Strom zu versorgen.

In den letzten Jahren führte diese Arbeiten eine Bieler Filiale der Etavis-Unternehmensgruppe durch. Nun wird der Grossauftrag neu vergeben. Und beim Kanton sind – um im Jargon zu bleiben – sämtliche Sicherungen durchgebrannt.

Anfangs Dezember 2018 versuchten die Verantwortlichen noch, das Verfahren mit einer Fristverlängerung zu retten. Zwei Wochen später wurde das Ganze abgebrochen. Ein aussergewöhnlicher Vorgang, vor allem für Ausschreibungen dieser Grössenordnung. Der Auftrag wird für fünf Jahre vergeben mit einer Option auf fünfmalige Verlängerung um je ein Jahr.

Unter dem Strich geht es also um ein Auftragsvolumen von zwischen 3 und 4 Millionen Franken. Verantwortlich ist die Abteilung Messen und Märkte, die beim Präsidialdepartement angesiedelt ist. Unterstützt wird diese von der Kantonalen Fachstelle für öffentliche Beschaffungen.

«Auf einen Anbieter zugeschnitten»

«Das ganze Verfahren ist völlig dilettantisch abgehandelt worden», kritisiert Andre Jordan, Geschäftsführer der Elektro Event Services AG. Seine Firma, die unter anderem für die Stromversorgung am «Bebbi sy Jazz» und am Summerblues zuständig ist, ist eine der vier, die sich um den Grossauftrag beworben haben. Schon während den zwei obligatorischen Begehungen an der Herbstmesse und am Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr sei bei ihm und weiteren interessierten Firmen die Frage aufgekommen, wie fair das Verfahren abgewickelt werden würde.

So hätten wichtige technische Unterlagen gefehlt und seien auf Nachfrage auch nicht zur Verfügung gestellt worden. «Faktisch war das Verfahren auf einen speziellen Anbieter zugeschnitten», sagt Jordan – eine Basler Elektrofirma, die wie die Vorgängerfirma zur Unternehmensgruppe Etavis gehört. Konkret ging es um die Stromverteilerkästen: Diese seien in der Ausschreibung genau so verlangt worden, wie diejenigen, welche bisher benutzt worden waren. «Ein Konkurrent hatte so einen klaren Wissensvorsprung. Wir konnten gar kein gleichwertiges Angebot machen», kritisiert Jordan.

Die simple Erklärung: Der Anforderungskatalog war von der Firma verfasst worden, welche die Arbeiten in den letzten zehn Jahren ausgeführt hatte und die eben zum gleichen Unternehmen gehört wie eine der Bewerberinnen. Dieses Vorgehen ist zwar durchaus gängig bei Submissionsverfahren, wirft aber kein gutes Licht auf die Verantwortlichen.

Mittlerweile wurde dies erkannt. Das Verfahren soll nun neu ausgeschrieben werden und ein unabhängiger Elektrofachplaner das Leistungsverzeichnis erstellen. Zwischen den Zeilen bedeutet dies das Eingeständnis, dass dies beim ersten Durchgang eben nicht so gewesen ist.

Entschädigung gefordert

Nach einer Reihe von Rückfragen habe man die Ausschreibungsunterlagen von einer dritten Stelle prüfen lassen, sagt Angela Gröner von der Kantonalen Fachstelle für öffentliche Beschaffungen. «Die Prüfung hat ergeben, dass das Leistungsverzeichnis ungenügend ausgestaltet war. Daher bestand die Gefahr, dass nicht miteinander vergleichbare Angebote eingereicht würden.»

Sobald das neue Leistungsverzeichnis vorliegt, soll das Submissionsverfahren nun ein zweites Mal durchgeführt werden. Zeit genug bis zur nächsten Herbstmesse bleibt noch genügend. Allerdings stellt sich ein anderes Problem: Eine Begehung, um sich das Ganze in der Praxis anzuschauen, ist logischerweise nicht mehr möglich.

Eine befriedigende Antwort hat Jordan vom Präsidialdepartement bisher nicht erhalten. Mittlerweile hat er sich ein weiteres Mal gemeldet: Er fordert eine Entschädigung für den bisherigen Aufwand, den er mit 5000 Franken beziffert. Bei einem normalen Submissionsverfahren sei dies sein unternehmerisches Risiko, so Jordan, «aber wenn der Kanton das Ganze nicht sauber aufgleist, kann es nicht sein, dass ich auf den Kosten sitzen bleibe.»

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