10'924 Personen waren Ende 2017 beim Kanton Basel-Stadt angestellt. Umgerechnet sind dies 8181 Vollzeitstellen. Das sind rund 16,5 Prozent mehr als noch vor neun Jahren, als die grosse Verwaltungsreform RV 09 in Kraft trat. Damals zählte die Verwaltung – die noch vom Kanton geführten Spitäler und IWB abgezogen – 9388 Angestellte, was 7009 Vollzeitstellen entsprach. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum nahm die Bevölkerung des Kantons um rund fünf Prozent zu auf aktuell 199'000 Personen. Im gleichen Rahmen bewegt sich das Wirtschaftswachstum.

Wenn man die Zahlen auf die Departemente herunterbricht, zeigen sich grosse Unterschiede. Spitzenreiter ist das Erziehungsdepartement (ED). Dieses wird oft als Erklärung für das Wachstum der Verwaltung verwendet. Nach dem Motto: Mehr Schüler brauchen halt mehr Lehrer. Wenn man sich die Zahlen genauer anschaut, ergibt sich ein anderes Bild: Die Anzahl Vollzeitstellen bei Lehrern nahm im Zeitraum 2009 bis 2017 um 14 Prozent zu, was immer noch deutlich über der Zunahme bei den Schülern liegt. Im Departement selber beträgt der Zuwachs innerhalb von acht Jahren punkto Vollzeitstellen satte 31 Prozent.

WSU: Plus 25 Prozent

Auf Rang zwei und drei landen das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) mit einer Zunahme von 25 Prozent sowie das Präsidialdepartement (+21 Prozent). Seit dessen Entstehung mit der Verwaltungsreform 2009 nahm der Personalbestand um mehr als einen Fünftel zu. Beim Justiz- und Sicherheitsdepartement ist von 2009 bis 2017 ein Zuwachs von 13,8 Prozent zu verzeichnen. Bei der Kantonspolizei nahmen die Stellenprozente um 19,7 Prozent zu. Würde man die Kantonspolizei weglassen, ist das Departement von 2009 bis 2017 lediglich um 6,1 Prozent gewachsen. (Anm. d. Red: In unserer Printausgabe wurden andere Zahlen publiziert. Dies, weil die Kriminalpolizei, die bei der Staatsanwaltschaft angesiedelt ist, bis 2011 in der Statistik der Kantonspolizei angerechnet wurde).

Schon fast moderat fiel das Wachstum beim Finanzdepartement und beim Bau- und Verkehrsdepartement aus. Bei beiden stieg der Headcount um rund 8 Prozent. Aus dem Rahmen fällt das Gesundheitsdepartement. Nach der Ausgliederung der Spitäler 2012 mit über 4000 Angestellten wurden auch im Departement viele Stellen überflüssig. Der Personalbestand des sowieso schon kleinsten Departements sank in den vergangenen neun Jahren weiter um bisher einen Viertel.

Abfall und Kultur

Die Ursachen für das Wachstum sind vielfältig. Einige Bereiche wie etwa die Anzahl Lehrer wachsen automatisch, sobald mehr Kinder im Kanton leben, und sind insofern wenig beeinflussbar. In anderen Bereichen ist das Wachstum auf politische Entscheide der Regierung oder des Parlaments zurückzuführen. So arbeiten seit einigen Jahren sieben Personen bei der Abteilung Abfallkontrolle des Amts für Umwelt und Energie. Diese Abfalldetektive sind zuständig für unsachgemäss entsorgten Müll.

Vielsagend ist auch ein Vergleich des aktuellen Staatskalenders, in dem alle Verwaltungsangestellten aufgelistet sind, mit der Ausgabe 2009-2011. Es zeigt sich: Das Wachstum ist auch bei thematischen Schwerpunkten der rot-grünen Regierungsmehrheit zu finden. Besonders lang sind die Namenslisten im Präsidialdepartement geworden. Aussenbeziehungen und Standortmarketing, Kantons- und Stadtentwicklung, Abteilung Kultur oder das Statistische Amt – in all diesen Abteilungen arbeiten heute deutlich mehr Personen als beim Start des Präsidialdepartements 2009. Beim Statistischen Amt stieg die Anzahl Mitarbeiter besonders stark: von 21 auf heute 37.

«Die Basler Verwaltung ist überproportional gewachsen – auch wenn man nur die Kernverwaltung anschaut», sagt Fabian Schnell, Forschungsleiter der Denkfabrik Avenir Suisse. Er untersucht das Thema zurzeit in einer Studie. Bei der Frage nach den Gründen gebe es verschiedene Erklärungsansätze. «Basel-Stadt ist im Vergleich zu anderen Kantonen sehr klein, was die Anspruchshaltung erhöhen kann», sagt er beispielsweise. Dazu komme, dass die Checks and Balances weniger stark wirken, wenn der Kanton die gleiche politische Einheit bildet wie die Gemeinde, wie dies in Basel der Fall ist. «So kann quasi Politik von Insidern für Insider gemacht werden», sagt Schnell.

Statistisch sei es schweizweit so, dass die Verwaltungen der Städte mehr gewachsen sind als diejenigen der kleineren Gemeinden, wo vieles immer noch in Milizarbeit gemacht wird. «Es gibt eine Faustregel, wonach aus ökonomischer Sicht eine Gemeinde idealerweise 10'000 bis 15'000 Einwohner hat», sagt Schnell. «Das Bevölkerungswachstum, wie es Basel in den letzten Jahren erlebt hat, muss nicht immer ein Vorteil sein.»

Budgetdeckel für Regierung

Auch der Basler FDP-Präsident Luca Urgese sagt: «Die Zahlen überraschen mich nicht.» Dass die Zunahme so überproportional zur Bevölkerung ist, sei ihm allerdings nicht bewusst gewesen. «Die Zahl spiegelt den Trend, wonach der Kanton sich um immer mehr kümmern soll», sagt Urgese. Was ihn störe, sei die Diskrepanz zwischen Personalwachstum und Output. «Ich frage mich beispielsweise, was bei der Stadtentwicklung rauskommt. Wir haben so viele Flächen, wo wir nicht wissen, wie es weitergeht: der Rheinhafen, das BASF-Areal, die Rosentalanlage.» Es sei ihm aber auch wichtig zu sagen, dass er Personalwachstum per se nicht schlecht finde. «Bei der Polizei oder bei Lehrern etwa, die fundamentale Staatsaufgaben wahrnehmen, da braucht es ein Wachstum parallel zur Bevölkerung.»

Urgese ist pessimistisch, was die weitere Entwicklung angeht: «Solange Rot-Grün die Regierungsmehrheit innehat, ist es schwierig, daran etwas zu ändern. Aber wir geben nicht auf und haben immer wieder Erfolge.» Damit meint er den Budgetdeckel, den das Parlament der Basler Regierung verordnet hat. 2019 dürfen die Ausgaben nicht erhöht werden.