Öffentlicher Verkehr

«Verwaltungsrat macht einen guten Job» – Wessels hat volles Vertrauen in die BVB-Führung

Hans-Peter Wessels (SP).

Hans-Peter Wessels (SP).

Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels zu den Tramplänen und der neusten Krise bei den BVB.

Herr Wessels, Sie haben eine konkrete Vision, wie das Basler Tramnetz in 20 Jahren aussehen soll. Dabei gibt es drei Projekte, die Priorität geniessen. So soll der 8er direkt via Wettsteinbrücke ins Kleinbasel fahren und dann auf einem neuen Streckenabschnitt via Claragraben in Richtung Kleinhüningen. Was ist der Vorteil gegenüber der jetzigen Linienführung?

Hans-Peter Wessels: Es gibt eine Reihe von Vorteilen: Die Innenstadt wird zwischen Bankverein und Claraplatz entlastet. Momentan hat es dort eine unglaubliche Dichte an Trams, die sich gegenseitig behindern. Der zweite Punkt: Die neue Achse wird viel schneller sein und bindet Basel Nord direkt an den Bahnhof SBB an. Und auch nicht vergessen darf man, dass der Centralbahnplatz entflochten werden kann. Das Tram fährt nicht mehr quer über den Platz. Das macht das Ganze viel fussgängerfreundlicher.

Plan über den Ausbau des Tramstreckennetzes.

Plan über den Ausbau des Tramstreckennetzes.

Der Centralbahnplatz gab in den vergangenen Wochen viel zu reden. Der frühere Grossrat Urs Müller hat in der bz einen konkreten Vorschlag gemacht, wie man mit einem kurzen neuen Tramgleis die Linien entflechten und den Platz sicherer machen kann.

Wir haben eine Lösung, die nicht nur das Problem auf dem Centralbahnplatz löst, sondern auch den Rest des Tramnetzes berücksichtigt. Zudem haben wir vor über drei Jahren gesagt, wie wir die Linien entflechten wollen. Aber selbstverständlich darf man immer wieder neue Ideen einbringen. Der Vorschlag von Urs Müller ist in der Realität aber nicht so unkompliziert, wie er auf den ersten Blick scheint.

Mittlerweile gibt es eine politisch breit abgestützte Forderung, die bevorstehenden Bauarbeiten am Centralbahnplatz auf Eis zu legen und die Situation nochmals zu diskutieren.

Der Grosse Rat soll über alles diskutieren, was ihm wichtig ist. Aber im Zusammenhang mit den anstehenden Sanierungen sehe ich keine Notwendigkeit. Unsere Lösung ist ohne bauliche Massnahmen umsetzbar. Entsprechend können die dringend notwendigen Bauarbeiten auf dem Centralbahnplatz nun starten.

Zurück zum 8er-Tram. Bedingung für die künftige Linienführung ist die neue Verbindung zwischen Wettstein- und Claraplatz. Der Claragraben war vor zwanzig Jahren schon einmal im Parlament und wurde abgelehnt.

Damals war ich selber Mitglied im Grossen Rat. Der Unterschied zum heutigen Vorschlag: Damals wollte die Regierung für den Claragraben die Tramverbindung vom Wettstein- zum Messeplatz stilllegen. Das wollte man nicht und lehnte das Ganze ab.

Das zweite Projekt ist der Tramersatz der Buslinie 30 vom Bahnhof SBB zum Badischen Bahnhof.

Das Tram 30 ist eine grössere Sache. Im Moment wollen wir mit dem Petersgraben eine erste Etappe realisieren. Dort würde künftig der 16er verkehren, was das Stadtzentrum ebenfalls entlasten würde.

Wäre es nicht einfacher, eine ganze neue Tramverbindung vorzulegen, als häppchenweise zu planen?

Das gäbe ein Monsterprojekt, das vielleicht irgendwann in ferner Zukunft so weit wäre. Wir haben realisiert, dass es viel einfacher ist, eine erste Etappe zu realisieren, die für relativ wenig Geld schon einen guten Nutzen bringt.

Die dritte neue Tramstrecke soll das Klybeck erschliessen und dem neuen Quartier so einen Schub geben. Das erinnert an das Erlenmatt-Tram, das vor vier Jahren abgelehnt wurde.

Es ist etwas völlig anderes. Das Tram wird ein Quartier erschliessen, das viel grösser und deutlich dichter bebaut ist als die Erlenmatt – und bisher gar keinen öV-Anschluss hat. Als Option könnte die Linie auch durch das Hafenareal weitergeführt werden. Ausserdem ist es deutlich günstiger als damals das Erlenmatt-Tram.

Noch ein letzter Aspekt zum Thema Tram. Vor ein paar Tagen wurde eine Mitarbeiterbefragung der BVB bekannt, die offenbarte, dass das Betriebsklima noch immer sehr schlecht ist. Gleichzeitig fehlt offenbar das Vertrauen in die Geschäftsleitung. Wie schätzen Sie als Eignervertreter die Lage ein?

Ich vertraue darauf, dass sich der Verwaltungsrat sehr bewusst ist, dass die Mitarbeiterzufriedenheit ein wichtiger Punkt ist. Das haben wir auch in der Eignerstrategie deutlich festgehalten. Eigentlich müssten Sie diese Frage dem Direktor oder der Verwaltungsratspräsidentin der BVB stellen.

Die BVB sagt, sie sehe sich auf dem richtigen Weg. Allerdings erinnert die Situation stark an diejenige vor zwei Jahren. Auch damals war das schlechte Betriebsklima ein grosses Thema. Die BVB gaben sich unbeirrt, bis zum Zeitpunkt, als der Verwaltungsratspräsident und sein Vize Knall auf Fall zurücktraten. Sie selber mussten sich anschliessend den Vorwurf gefallen lassen, dass Sie zu lange weggeschaut und dem Thema nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt haben. Teilen Sie die Einschätzung, dass die BVB auf dem richtigen Weg sind?

Ja. Ich bin überzeugt, dass der Verwaltungsrat in seiner heutigen Zusammensetzung einen guten Job macht und durchaus in der Lage und gewillt ist, die Probleme anzugehen. Ich habe da volles Vertrauen. Es ist aber auch klar, dass sich solche Probleme in der Betriebskultur nicht von einem Tag auf den anderen lösen lassen.

Meistgesehen

Artboard 1