Zoo Basel
Verwaltungsratspräsidentin des Zolli: «Ich raufe mir nicht mehr die Haare»

Seit acht Jahren ist Elisabeth Simonius Verwaltungsratspräsidentin des Zolli. Nächstes Jahr muss sie aufhören, weil sie 70 wird. Die 69-Jährige interessiert sich für die Zugänglichkeit für Autos zur Innenstadt liebt das «Baseldytsch».

Muriel Mercier
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Elisabeth Simonius lebt nun ihre grosse Leidenschaft für Tiere aus. Doch die 69-Jährige kam eher durch Zufall zu ihrem Job als Zolli-Verwaltungsratspräsidentin.

Elisabeth Simonius lebt nun ihre grosse Leidenschaft für Tiere aus. Doch die 69-Jährige kam eher durch Zufall zu ihrem Job als Zolli-Verwaltungsratspräsidentin.

Roland Schmid

Frau Simonius, Sie sind seit 2005 Verwaltungsratspräsidentin des Zolli. Ihre Leidenschaft für Tiere ist sicherlich gross.

Elisabeth Simonius: Ich empfand immer eine grosse Verbundenheit zum Zolli und mag Tiere. Ich reite sehr gerne, und von meinem Mann habe ich nach dem Ehering als erstes Geschenk einen Dackel bekommen. Aber dass ich im Zolli-Verwaltungsrat sitze, hat eher damit zu tun, dass ich zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und im richtigen Alter war.

Was meinen Sie damit?

Im Jahr 1999 hat der Zolli sein 125-Jahr-Jubiläum gefeiert und ein Patronatskomitee gegründet, deren Mitglieder sich um die finanzielle Unterstützung kümmerten. Ich hatte damals noch nichts mit dem Zolli zu tun und wurde ins Komitee gewählt, weil es einfacher ist, Geld zu organisieren, wenn es einen nicht direkt angeht. Das Fest war prächtig, und der damalige Verwaltungsratspräsident wollte mich als Vizepräsidentin. Als er seinen Posten niederlegte, hatte ich einen Tag Zeit, mich zu entscheiden, ob ich seine Nachfolgerin werden möchte.

Der Zolli ist eine Erfolgsgeschichte, regelmässig laufen grosse und teure Bauprojekte. Namentlich die neue Affenanlage, die vor einem Jahr eröffnet wurde. Jetzt wird eine neue Elefantenanlage realisiert. Man könnte sagen, das Geld fliesst.

Es stimmt, die Bevölkerung aus der Region ist sehr grosszügig. Das liegt sicher daran, dass der Zolli bei jedem während einer bestimmten Phase seines Lebens eine Rolle spielt: als Kind, dann als Eltern und später als Grosseltern wieder. Es gibt drei Kategorien, die als Geldgeber fungieren.

Und die wären?

Das grösste Glück sind Spenden, die wir von Stiftungen, Sponsoren und Einzelpersonen in grosszügiger Form erhalten. Das Affenhaus wurde zu einem Grossteil von der Eckenstein-Geigy-Stiftung finanziert. Eine grosszügige Spende erhielten wir auch für das Restaurant, das gleichzeitig mit der Elefantenanlage umgebaut wird. Es kommt vor, dass Verstorbene uns Hinterlassenschaften in Millionenhöhe vermachen. Dann gibt es Leute, die eine Patenschaft für ein Tier übernehmen. Und zu guter Letzt geben Besucher an der Kasse ein paar Franken in den Spendentopf. So kommen auch Tausende Franken zusammen. Es ist wunderbar, wenn jemand vorbeikommt und fünf Franken für einen seltenen Vogel abgibt.

Inwiefern wird der Zolli vom Kanton unterstützt?

Wir bekommen keine Gelder von der öffentlichen Hand. Aber für Wasser, Strom und Abfallentsorgung erhalten wir eine Summe von jährlich rund 1,4 Millionen Franken. Vorteil ist, dass sich die Politik nicht einmischen kann. Sie wird aber immer informiert, was im Zolli geplant ist. Wichtig ist, dass wir nichts bauen, bis wir nicht sicher sind, dass wir das Geld zusammenbekommen - inklusive der eigenen finanziellen Reserven.

Es gibt immer wieder kritische Stimmen gegenüber dem Zolli, ob es diesen heute überhaupt noch braucht. Wie stehen Sie dazu?

Heute wachsen viele Kinder nicht in der Natur und ohne Kontakt zu Tieren auf. Früher war die ländliche Umgebung der Stadt näher. Im Zolli lernen die Kinder Tiere kennen - auch solche, die es sonst nicht mehr gibt. Vor ein paar Tagen kam ein Somali-Wildesel auf die Welt. Diese Tiere sind vom Aussterben bedroht. Der Basler Zoo ist erfolgreich mit seinem Zuchtprogramm. Und für ein paar Tiere - das Nashorn zum Beispiel - führen wir das Zuchtbuch und arbeiten mit anderen Zoos zusammen.

Worauf, das Sie im Zolli erreicht haben, sind Sie besonders stolz?

Nicht ich habe dies gemacht. Der Zolli ist eine Familie. Ich bin froh, dass wir Neubauten realisieren können, ohne dass ich schlaflose Nächte habe. Aber das ist der Verdienst von allen. Wir ziehen alle am selben Strick.

Unterstützen Sie die Aussage, dass der Zolli von den Baslern nie kritisiert wird - also eine Art Heilige Kuh ist, ähnlich der Basler Fasnacht.

Wir werden vom Tierschutz immer wieder kritisiert. Ein Thema sind die Tiertransporte. Oder wenn Jungtiere eingeschläfert werden. Vor einiger Zeit musste ein Löwenbaby mit einer Behinderung getötet werden. Ich verstehe, dass einem das wehtut. Wenn wir aber alle Tiere leben liessen, wäre der Tierschutz ebenso nicht zufrieden.

Machen wir einen Themensprung weg vom Zolli und hin zur Politik. Sie waren einst Mitglied in der LDP. Heute sind Sie politisch nicht mehr aktiv. Gibt es dennoch Themen in Basel, die Sie interessieren?

Der Schutz des privaten Grundeigentums und des privaten Vermögens sowie die Privatwirtschaft betrachte ich als wertvolle, schweizerische, aktuelle Aufgabe.

Gibt es Geschehnisse in Basel, über die Sie sich ärgern?

Ich raufe mir aus Prinzip nicht mehr die Haare. Ich frage mich eher, ob ich was ändern kann. Und wenn nicht, dann nutzt das sich Ärgern auch nichts. Adrenalinstösse suche ich keine. Ein wichtiges Thema für mich ist aber die Zugänglichkeit für Autos zur Innenstadt. Es braucht mehr Parkplätze, zum Beispiel bei den Museen. Ich will nicht, dass die Stadt stirbt.

Ihnen liegt das «Baseldytsch» am Herzen. Sie sprechen ausgeprägt. Wie wichtig ist Ihnen der Dialekt?

Bei mir zu Hause hat man nun mal so gesprochen. Ich muss mir Mühe geben, anders zu reden. Meine ganze Familie spricht so wie ich.

Empfinden Sie es als schlimm, dass das korrekte «Baseldytsch» bei den Baslern langsam verloren geht?

Nein, das ist einfach eine Entwicklung.

Was macht Basel lebenswert?

Es gibt viele wunderschöne Ecken in der Stadt. Wir müssen aufpassen, dass die uns nicht kaputt gehen. Das Kunst-Angebot gefällt mir sehr. Es ist toll, dass sich die Kunstmesse Art etabliert hat. Das gehört auch zu Basel: Leute, die sich durchboxen. Zudem gehe ich gerne in die Oper, obwohl ich mit den modernen Inszenierungen grosse Mühe habe. Ich habe immer in Basel gelebt, war nur studienhalber im Ausland. Ich habe viele Freunde, die jetzt zurückkommen, die ich wieder regelmässig treffe.

Sie haben neben dem Amt als Verwaltungsratspräsidentin im Zolli zig andere Mandate. Unter anderem sind Sie Honorarkonsulin von Belgien, Vizepräsidentin des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt und Präsidentin einer Stiftung. Haben Sie überhaupt noch Freizeit?

Als ich vor acht Jahren Zolli-Verwaltungsratspräsidentin geworden bin, habe ich gemerkt, dass es mit einer solchen Arbeitslast nicht weiter geht. Ich habe alle Ämter aufgeschrieben und kategorisiert und innerhalb von sechs Monaten einiges abgegeben. Ich habe immer wieder reduziert. Man muss aufpassen, die Arbeit nimmt schnell zu.

Wo verbringen Sie Ihre Freizeit?

Reiten ist für mich Erholung pur. Und ich gehe gerne in Museen oder auf Reisen.

Wo sind Sie in Basel unterwegs?

Ich war in meinem Leben viel unterwegs und habe nicht mehr so Lust wegzugehen. Aus Nostalgie gehen mein Mann und ich gerne ins Restaurant Donati. Dorthin hat er mich bei unserer ersten Verabredung eingeladen. Oder zu Werner Martin in Bättwil. Aber ich kann gut selber in der Pfanne ein Plätzchen bräteln. Meine Familie ist mir wichtig, und ich fühle mich wohl mit ihr bei uns zu Hause.

Wie lange wollen Sie Verwaltungsratspräsidentin des Zolli bleiben?

Nächstes Jahr werde ich 70 und muss aufhören. Das ist fest geregelt.

Das ist ja schon bald. Macht Sie das traurig?

Mit Anfang 60 habe ich angefangen und habe volle Pulle gegeben. Ich mache den Job wahnsinnig gerne, aber es ist viel Arbeit. Ich habe von Anfang an gewusst, wann Schluss ist. Deswegen ist es kein Problem für mich, nächstes Jahr aufzuhören.