In einigen Gehäusen steckt zwar ein Kameraauge, doch es sieht nichts, da es nicht angeschlossen ist.

Der Basler Datenschützer findet den Einsatz dieser Scheinkameras gefährlich: «Das Problem der Attrappen ist, dass wir damit so tun, als würden wir eine gewisse Sicherheit garantieren, obwohl wir das mit Attrappen gerade nicht tun können.» Die Wirkung von Videoüberwachung ist umstritten. «Mindestens sollten wir damit aber die Täter identifizieren können. Wenn aber selbst das nicht möglich ist, haben wir ein grosses Problem», sagt Rudin.

Betreiber könnte verklagt werden

Dank Kameras fühlen sich einige Leute sicherer und verzichten deswegen auf eigene Sicherheitsmassnahmen. Zum Beispiel wechseln sie deswegen nicht auf die hellere Strassenseite oder im Tram nicht in die Nähe des Führerstandes. «Die Scheinsicherheit könnte zum Rohrkrepierer werden: Der Staat läuft Gefahr, aufgrund einer Art Garantenstellung mit Haftungsansprüchen konfrontiert zu werden, wenn er Sicherheitserwartungen schürt, ohne sie dann auch zu erfüllen.»

In Basel betreiben öffentliche Organe über 1500 bewilligte Videokameras. Etwa zwei Drittel davon gehören den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB). «In den anderen Bereichen gibt es praktisch keine Attrappen. Sie können zum Beispiel davon ausgehen, dass im Untersuchungsgefängnis nur echte Kameras installiert sind», berichtet Rudin.

Für BLT sind Kosten wichtiger

Aus Kostengründen sei noch nicht in jedem Kameragehäuse eine Kamera installiert, begründet BVB-Sprecherin Dagmar Jenny. Eine Zahl verrät sie nicht. Fest stehe aber, dass die BVB bis Ende 2011 überall mit echten Kameras nachrüsten würden – unter anderem wegen Rudins Bedenken.

Die Kollegen der Baselland Transport AG (BLT) hingegen halten an Attrappen fest. In allen neuen Bussen und Tangos werden zwar flächendeckend funktionierende Kameras installiert, betont BLT-Chef Andreas Büttiker. Doch in den alten Trams – diese sind nur im hinteren Teil mit Kameras ausgerüstet – sind auch Attrappen im Verkehr. Ihre Zahl ist geheim. Es handelt sich um Kameras, die nicht aktiviert sind. Das will Büttiker so beibehalten. Wegen der Kosten: «Es geht auch um Steuergelder. Wir müssen sie verhältnismässig einsetzen.»

Rudins Einwand, dass man für die vorgegaukelte Sicherheit haftbar gemacht werden könnte, kann Büttiker nicht nachvollziehen: «Es ist wie bei einem Fussballspiel: Wird jemand verprügelt, obwohl Polizei präsent ist, kann er diese dafür auch nicht haftbar machen. Bei den Kameras geht es vor allem um die präventive, abschreckende Wirkung.»