Die Eingaben beim Basler Bauinspektorat sind untrüglich: Der Pharmakonzern Novartis hat in den vergangenen Jahren auf seinem Campus alte Produktionsgebäude abgerissen, doch neue Architektur-Ikonen sind weder im Bau noch in Planung.

Die beiden bisher letzten Gebäude, die auf dem Campus entstanden, wurden vor drei Jahren fertiggestellt. Das Laborgebäude «Virchow 16» hatte der indische Architekt Rahul Mehrotra entworfen, das Bürogebäude «Asklepios 8» der Basler Lokalmatador Herzog & de Meuron, der zuvor ausschliesslich für den Konkurrenten Roche tätig war. Das HdM-Eckgebäude, direkt am Rhein stehend und von weither sichtbar, sollte planungstechnisch am Anfang einer zweiten Entwicklungsrunde stehen, doch diese ist sistiert.

Der Pharmakonzern erklärt die Stagnation mit internen Entwicklungen. Novartis habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, begründet Sprecher Daniel Zehnder. Divisionen (Vaccines & Diagnostics, Consumer Health) wurden verkauft, Dienstleistungsbereiche in fünf globalen Service Centers zusammengefasst. Anders gesagt: Auf dem Campus Basel sind keine Kapazitäten gefragt. Am langfristigen Ziel werde festgehalten: Im Jahr 2030 sollen auf dem Campus 10 000 Novartis-Mitarbeitende tätig sein.

Der grosse Wurf von Daniel Vasella

Es war der frühere Novartis-Chef Daniel Vasella, der 2001 den Architekten und Planer Vittorio Lampugnani beauftragte, einen Masterplan zu entwerfen. Der «Campus des Wissens» sollte zum Stelldichein weltweit führender Architekten werden. Innerhalb eines Jahrzehnts entstanden in dem von Lampugnani vorgegebenen Raster mehr als ein Dutzend neue Gebäude, eine Firmenstadt am Rand von Basel-Stadt. Lampugnanis ursprünglicher Plan sah noch vor, dass das Firmenareal von der Hüningerstrasse durchschnitten bleibt, die auf direktem Weg zum Zoll führte. Mit dem grossen Deal zwischen Novartis und dem Kanton im Jahr 2005 trat Basel-Stadt die Strasse jedoch an den Konzern ab. Dieser hatte nun freie Hand, einen geschlossenen Firmenpark zu bauen.

Der Konzern hatte sich immer vorbehalten, den Ausbau von der Entwicklung der Firma abhängig zu machen, und vermied verbindliche Zusagen. Auch Lampugnanis Masterplan war nicht sakrosankt. Seine Vision war eine einheitliche Bauhöhe von 23,5 Metern sowie ein Cluster von Hochhäusern, wo bereits seit den 1970er-Jahren Hochbauten stehen. Mit einem zweiten Bebauungsplan «Rheinfront» von 2011 wurde dieses Konzept aufgeweicht, als Novartis die rheinanliegende Seite als die neue Prachtfront erkannte. Der Konzern holte sich vom Staat die Einwilligung, an der Rheinkante drei Hochbauten von 65 Metern hochzuziehen. Der einzige Bau, der nach diesem Konzept realisiert wurde, blieb das profilierte Eckgebäude von HdM. Konkrete Planungen für die Hochbauzone mit Ersatzbauten von 120 Metern Höhe wurden eingestellt.

Der faktische Baustopp wird nach aussen nicht vermittelt. Noch immer gilt der Campus als imagebildendes Vorzeigeprojekt. Am 18. September findet erneut eine Veranstaltung statt unter dem rhetorischen Titel «Fördert Architektur Innovation?». Es referieren Masterplan-Entwerfer Lampugnani ebenso wie Novartis-Schweiz-Chef Matthias Leuenberger. 

Warten auf den Klybeck-Entscheid

Doch klar ist: Das neue Management setzt andere Prioritäten als Vasella. Wie sehr dieser noch heute an seinen Architekturprojekten hängt, zeigt sich in Risch am Zugersee. Dort wollte er von Peter Zumthor für Novartis ein spezielles Tagungszentrum bauen lassen. Als der Pharmakonzern das Projekt beerdigte, übernahm Vasella das Land. Nun bauen dort die Basler Diener-und-Diener-Architekten für Vasella ein Atelierhaus.

Ganz fallengelassen hat jedoch auch die neue Führung seine Philosophie nicht. Doch statt nur in Basel baut der Konzern nun an vier Standorten mit hochklassiger Architektur (siehe oben). Die Basler Exklusivität, einen Campus zu haben, ist Geschichte. Immerhin: Auch am Rheinknie soll wieder gebaut werden. Spätestens wenn sich Novartis in den kommenden Jahren aus dem Klybeck zurückzieht und die Aktivitäten auf Grossbasler Seite verlegt.