Parkplätze, Verkehrsführung oder Zäslin-Brunnen – im Abstimmungskampf um den neuen Dorfkern in Riehen geht es um Befürchtungen und Behauptungen der Dorfkerngegner der SVP und die Versuche der Befürworter aller anderen Parteien, diese irgendwie zu entkräften. Es darf mit einem knappen Abstimmungsergebnis gerechnet werden.

Die Planer um Gemeinderat Daniel Albietz (CVP) haben die Lehren aus vergangenen abgelehnten Dorfkernplanungen gezogen und ein Projekt für 3,3 Millionen Franken vorgelegt, das «Bestehendes wertschätzt und weiterentwickelt».

Die SVP ergriff trotzdem erfolgreich das Referendum. Sie befürchtet, dass mit dem neuen Dorfkern alte Ideen scheibchenweise umgesetzt werden. Karl Schweizer, Präsident der SVP-Fraktion im Einwohnerrat, stellt klar, nicht prinzipiell gegen Veränderungen zu sein, nur müssten diese zur richtigen Zeit erfolgen. «Man muss zuerst das Dorf konzeptionell definieren und daraus dann eine Gestaltung ableiten.» Dann wird Karl Schweizer im Ton bestimmter: «Es ist meine Annahme, dass der nächste Schritt sein wird, dass einzelne Parkplätze wegfallen.»

Schweizer glaubt auch zu wissen, dass Autos bald total aus der Schmiedgasse verschwinden würden. «Eine Fussgängerzone mit Autos – das funktioniert doch nicht. Passiert der erste Unfall, müssen die Autos weg.» Weil die Einfahrt in die Baslerstrasse künftig nur noch einspurig geführt wird, käme es zu Rückstaus bis tief in die Schmiedgasse, was ebenfalls gegen das Auto ausgelegt würde.

Genau deshalb hätten viele Geschäftsinhaber Vorbehalte gegen den neuen Dorfkern, getrauen sich aber aus Angst vor Umsatzeinbussen nicht, dies öffentlich zu äussern.

Schmiedgasse wird nicht autofrei

Die Befürworter um SP-Einwohnerrat Roland Engeler-Ohnemus halten dagegen. «Die Verkehrsführung und die oberirdischen Parkplätze bleiben mit dem neuen Dorfkern gleich. Auch uns ist die Erreichbarkeit des Dorfkerns wichtig.» Die SVP vermische Themen, die mit dem Projekt nichts zu tun hätten.

Der für Siedlungsentwicklung zuständige Gemeinderat Daniel Albietz kann nicht verheimlichen, dass ihn die stetig neuen Vorwürfe der Gegner ermüden. «Die meisten Einwände beantwortet das Projekt selber oder wurden in der Begleitgruppe, an welcher sich leider niemand von der SVP beteiligt hat, bearbeitet und einer Lösung zugeführt.» Es sei für ihn entscheidend gewesen, dass keine Parkplätze aufgehoben würden und die Zufahrten gewährleistet bleiben.

Auch die unmittelbare Angst vor einer autofreien Schmiedgasse entkräftet Albietz. «Solange keine Tiefgarage gebaut ist, ist eine autofreie Schmiedgasse schlicht kein Thema.» Die Unfallwahrscheinlichkeit sei heute, da sich die Fussgänger in einer «Pseudofussgängerzone» wähnen, bedeutend grösser als mit der neuen Gestaltung, die Tempo 20 statt 30 in der Schmiedgasse und andere Strassenbeläge vorsieht. Dass es durch die einspurige Einfahrt in die Baslerstrasse zu Stau komme, verneint Albietz vehement.

Streit um einen Brunnen

Gemeinderat Daniel Albietz widerspricht auch dem Argument von Karl Schweizer, wonach zuerst eine Gesamtdefinition des Dorfkerns nötig sei. Er sieht die neue Dorfkernplanung als geeignetes Mittel, um die Blockade im Zentrum mit mehreren anstehenden Projekten zum Gemeindehaus, Areal Weissenbergerhaus, Landgasthofsaal und Parking zu lösen. Dass nun plötzlich die Verschiebung des Zäslin-Brunnens weg vom Gemeindehausplatz an seinen ursprünglichen Ort thematisiert wird, zeige, wie von den Gegnern mit gesuchten oder fadenscheinigen Argumenten gekämpft werde. Auch die Frage des Zäslin-Brunnens sei bereits im Rahmen des Vorprojekts thematisiert worden.