Unscheinbar steht es im Büro der Autobahnpolizei im Kleinbasel, das silberne Köfferchen mit der Aufschrift: «Bei jedem Unfall und bei Kontrollen mitnehmen!». Seit einem Jahr gehört es zur Ausrüstung, gut 1000 Mal kam es seither zum Einsatz. Jeder Polizist, der damit zu tun gehabt hat, ist ein kleiner Optiker. Im Köfferchen befindet sich ein Sehtestgerät. «Wir haben es uns angeschafft, weil wir schauen wollten, wie viele Autofahrer die Anforderungen an die Sehfähigkeit erfüllen», sagt Rolf Thommen, Chef der Verkehrspolizei. Er betont, beim «Visus»-Test handle es sich um keine repressive Massnahme, sondern um eine präventive: «Viele Leute merken nicht, dass ihre Sehfähigkeit abnimmt und es allenfalls Zeit für eine stärkere Brille wäre», sagt er.

Die Erfahrungen mit dem neuen Gerät zeigten allerdings, dass die allermeisten der kontrollierten Verkehrsteilnehmer sicher unterwegs seien, sprich, scharf genug sähen, sagt Thommen. Eine erfreuliche Nachricht: Sein Team hatte damit gerechnet, jeden fünften bis gar zehnten Fahrer zum Augenarzt schicken zu müssen. Im ersten Jahr mit dem Gerät war es aber nur knapp jeder 100. Lenker. Der Wert ist erst ein Trend, der statistisch erhärtet werden soll.

Fahrausweis gegen Brillenrezept

Die Schwelle, um legal fahren zu können, ist tief: Es reicht, 60 Prozent zu sehen. Optimal sieht allerdings erst, wer bei 120 Prozent angelangt ist. Obwohl die Anforderungen tief liegen, war das Resultat bei vielen Getesteten knapp, sagt Thommen. Ob die Fahrer zum Optiker gehen, ist dennoch ihnen überlassen. Bei dem knappen Prozent hingegen, das unter den Anforderungen lag, ist der Optikerbesuch eine polizeiliche Auflage. «Wir halten den Fahrausweis so lange zurück, bis uns der Lenker sein Brillenrezept vorlegt», sagt Thommen.

Da die Sehtests zum allergrössten Teil positiv ausfielen, werde man sich in nächster Zeit kein zweites Gerät anschaffen. Anders sieht es mit den Röhrchen für den Mund aus. Im Gegensatz zu den Röhren, die für das Auge bestimmt sind, sind die Resultate der «Blasinstrumente» weniger erfreulich.

Obwohl die Anzahl der Verkehrsunfälle sinkt, ist nach wie vor bei jedem zehnten Unfall zu viel Alkohol im Spiel. Die Polizei will die Autofahrer mit verstärkten Alkoholkontrollen dazu bewegen, das Auto nach einem feucht-fröhlichen Abend stehen zu lassen. Wie immer in der Adventszeit wird auch jetzt bald wieder verstärkt kontrolliert. Startschuss der einmonatigen Basler Aktion «Via» ist kommenden Montag. Mehr als diesen Stichtag lässt sich Thommen nicht entlocken. Weder wo noch wann, noch wie oft die Polizei kontrollieren wird. Nur dies: «Wir führen die Tests auch tagsüber durch und an allen möglichen Orten. Es gibt keine Strasse, in der häufiger mit Alkohol gefahren wird als anderswo.» Morgens stosse die Polizei häufig auf Unverständnis, dann etwa, wenn eine Mutter mit Baby daneben zum Röhrchentest gebeten wird.

«Wir können aber bei keinem Fahrer ausschliessen, dass er Alkohol getrunken hat – auch morgens bei einer jungen Mutter nicht», sagt Thommen. Manche Aktionen seien gross angelegt und entsprechend vorbereitet, etwa jene, bei denen sämtliche Lenker ins Röhrchchen blasen müssen. Andere Kontrollen würden spontan in Eigenregie des jeweiligen Polizisten durchgeführt. Je mehr Tests, desto besser. «Erst, wenn wir keinen einzigen Fahrer mehr mit zu viel Alkohol im Blut kontrollieren, können wir uns anderen Aufgaben zuwenden», sagt Thommen. Bis es so weit ist, kann es lange dauern: Die Tests werden derzeit weiter intensiviert – über die Adventszeit hinaus.