Eurorätsel
Viele Firmen tappen nach der Aufhebung im Dunkeln

Das Ende der Euro-Anbindung des Frankens wirkt sich je nach «Exposition» der Firma unterschiedlich aus. Für Viele ergeben sich aus der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Chancen und Risiken.

Stefan Schuppli
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Viele Firmen tappen nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Dunkeln.

Viele Firmen tappen nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Dunkeln.

Keystone

«Exposition» oder noch besser: «Exposure» ist derzeit ein auf den Chefetagen oft gehörtes Fachwort und wird wohl am besten mit «Währungsrisiko in Bilanz und Erfolgsrechnung» übersetzt. In diesem Sinne wenig «exponiert» ist die Basler Kantonalbank (BKB). Für sie ergeben sich aus der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Chancen und Risiken. Mittelfristig dürften sich diese kompensieren, sagt Mediensprecher Michael Buess. Die Bedürfnisse der Kundschaft nach Devisen- und vermutlich auch Zinsabsicherungsgeschäften würden nun wieder deutlich zunehmen. «Hier erwarten wir spürbare Volumen- und Ertragszunahmen.» Generell sei auch von einer Belebung des Börsengeschäfts auszugehen. Offenkundig ist, dass auf den Euroanlagen in der Bilanz Wertanpassungen vorgenommen werden mussten. Allerdings heben sich die Bestände auf der Aktiv- und Passivseite nahezu auf, sie sind weitgehend abgesichert. Das Zinsengeschäft ist vollständig abgesichert, wodurch sich kurzfristig keine Ertragsauswirkungen ergeben.

Ganz ähnlich klingt es bei Bank Coop, an der die BKB die Mehrheit hält. Aufgrund von Kassenbeständen in Fremdwährungen würden in der Bilanz Wertanpassungen vorgenommen. Derzeit sei es noch zu früh, die mittel- und langfristigen Auswirkungen sowie das genaue Kundenverhalten abzuschätzen. Auch die Basellandschaftliche Kantonalbank ist nicht exponiert.

Auch die eng mit dem europäischen Wirtschaftsraum verflochtene Baloise ist vom SNB-Entscheid betroffen. Doch auch Baloise hat Währungen und Aktien grösstenteils abgesichert. Aufgrund der aktuellen starken Marktschwankungen sind genauere Angaben zurzeit nicht möglich.

Novartis: Ertragsminderungen

Novartis gibt zur Euro-Auswirkung keinen Kommentar ab. Die Firma befinde sich kurz vor Veröffentlichung der Finanzresultate in der sogenannten Schweigeperiode, eine Vorschrift der US-Börsenkommission (Security Exchange Commission, SEC). Diese gilt oftmals einige Wochen vor der Veröffentlichung der Jahres- oder Quartalsresultate. Das Thema Währungseinflüsse werde in der Finanzberichterstattung Ende Januar wieder Thema sein, heisst es bei Novartis. Einen Anhaltspunkt liefert eine Novartis-Mitteilung an die SEC von 2013. Demnach fallen 12 bis 14 Prozent der Betriebskosten in Schweizer Franken an, aber nur zwei Prozent der Verkäufe. Eine zehnprozentige Aufwertung des Frankens gegenüber dem Dollar würde beispielsweise einen Rückgang des Betriebsgewinns von 400 bis 500 Millionen Dollar verursachen, was ein Minus von 3 bis 4 Prozent bedeutet. 2013 machten in der Novartis-Erfolgsrechnung die Einnahmen in Euro 26 Prozent aus, die Ausgaben 25 Prozent.

Zur aktuellen Lage macht Novartis keine Aussage – noch nicht. Dies wird dann bei der Publikation des Jahresergebnisses am 27. Januar der Fall sein.