«Die liegen den ganzen Tag nur auf der faulen Haut und wir Steuerzahler dürfen das auch noch bezahlen.» Solche oder ähnliche Sätze fallen immer wieder, wenn es um Flüchtlinge geht. Dabei geht vergessen, dass sich viele Flüchtlinge nichts sehnlicher wünschen als Arbeit. Ein ganz normales Leben. Wirtschaftliche Selbstständigkeit. Aber einen Job zu finden, ist für sie schwer. Was ihnen bleibt, neben den Deutschkursen und Beschäftigungsprogrammen des Kantons, ist jede Menge Zeit. Freie Zeit, die irgendwann zu einer Belastung wird – besonders in einem Umfeld, das wenig Abwechslung oder Perspektiven bietet.

Ende September warteten im Kanton-Basel 300 Asylsuchende darauf, dass über ihr Asylgesuch entschieden wird. Weitere 520 Flüchtlinge hatten eine Aufenthaltsbewilligung B oder F und 500 Personen waren vorläufig aufgenommen. Sie werden von der Sozialhilfe betreut. Das Asylgesuch der 500 vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge wurde zwar abgelehnt, aber sie können nicht in ihr Herkunftsland weggewiesen werden, weil es aus rechtlichen Gründen nicht zumutbar, nicht möglich oder unzulässig ist. Fast alle vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge (rund 95 Prozent) bleiben dauerhaft in der Schweiz. Die Kantone müssen sie ebenso integrieren, wie anerkannte Flüchtlinge.

Hohe administrative Hürden

In den ersten drei Monaten dürfen Asylsuchende nicht arbeiten. Diese Frist können die Behörden um weitere drei Monate verlängern, wenn das Staatssekretariat für Migration in Bern das Asylgesuch innerhalb der ersten drei Monate abgelehnt hat. Danach dürfen alle anerkannten Flüchtlinge – auch die vorläufig aufgenommenen – arbeiten. Aber viele von ihnen finden keinen Job.

Oft sind die administrativen Hürden für die Arbeitgeber zu hoch. Warum sollten sie einen Flüchtling einstellen, wenn sie weniger komplizierte Alternativen haben?

Der Kanton Basel-Stadt ist bemüht, den Flüchtlingen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern und sie zu unterstützen. Ende Oktober wurde die Kampagne «Chance» lanciert. Sie hat das Ziel, neue Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft für die berufliche und soziale Integration von Flüchtlingen zu gewinnen. Die Kampagne soll das Netzwerk von unterschiedlichen Partnern stärken und erweitern. (NLA)