Lärmklagen

Viele Lärmklagen wegen Daheimbleibens: Die Basler Polizei muss klagende Nachbarn besänftigen

Bei der Polizei Basel-Stadt ist die Zahl der Lärmmeldungen während des Lockdowns deutlich angestiegen.

Bei der Polizei Basel-Stadt ist die Zahl der Lärmmeldungen während des Lockdowns deutlich angestiegen.

Wenn die Nähe zu den Nachbarn belastend wird In den vergangenen vier Wochen seit dem Lockdown gingen bei der Polizei Basel-Stadt deutlich mehr Lärmklagen ein.

Zuhause ist es am schönsten? Nicht immer. Im Homeoffice und in der Selbst-Isolation ist man jetzt mit den Eigenheiten und Macken der Nachbarn nicht nur wie üblich morgens, abends und an den Wochenenden, sondern permanent konfrontiert. Sei es mit lautem Palaver, Kindergeschrei, dröhnenden Bohrmaschinen oder dem Rauch eines Joints, der vom Balkon unten ungefiltert in die heimische Stube zieht.

Nach vier Wochen Lockdown dürften die Nerven vieler Menschen zum Zerreissen gespannt sein. Da ist der Griff zum Telefon bei einem nachbarschaftlichen Zwist schnell gemacht. Bei der Polizei Basel-Stadt ist die Zahl der Lärmmeldungen vom 21. März bis und mit 13. April jedenfalls deutlich angestiegen.

Wenn in Betracht gezogen wird, dass derzeit keine Partys oder sonstige lautstarke Events stattfinden, kann die Zunahme als signifikant betrachtet werden: Waren es heuer 124 Meldungen, gingen 2019 im selben Zeitraum 93 und im Jahr zuvor gar nur 82 solche Meldungen ein, erklärt die Basler Polizei auf Anfrage. Der bz. Sprecher Toprak Yerguz wiegelt aber ab: «Diese Zahlen erlauben keinen Rückschluss auf Nachbarschaftsstreitigkeiten. Unter dem Einsatzstichwort Lärm werden alle Meldungen zusammengefasst, in denen übermässige Lärmemissionen beklagt werden.»

Da in den vergangenen Wochen aber die meisten Leute einen grossen Teil ihrer Zeit zu Hause verbracht haben, liegt der Schluss nahe, dass es sich bei den Lärmklagen um Nachbarkrach handeln dürfte.

Schlichten gehört zum Alltag der Polizei

Yerguz sagt weiter, dass die Einsätze in den allermeisten Fällen vor Ort «rasch vorbei» seien. Das Schlichten zwischen zerstrittenen Parteien gehöre ohnehin zum polizeilichen Alltag.

Die Baselbieter Polizei stellte derweil in den vergangenen Wochen keine signifikanten Zu- oder Abnahmen zu den Themen Lärmklagen oder Nachbarschaftsstreitigkeiten fest, wie Sprecher Adrian Gaugler sagt. «Wir beobachten die Lage aber sehr genau.»

Beim Basler Mieterverband hält Rechtsexperte Bernhard

Itschner fest, dass Streitigkeiten unter Nachbarn «eine Dauerproblematik» seien. «Während des Lockdowns haben Anfragen zu den Themen Ruhe und Ordnung bis jetzt nicht zugenommen.» Es gäbe allerdings schon Leute, die darunter leiden würden, ständig mit dem Lebensstil der Nachbarn konfrontiert zu sein. «Heute Morgen bekamen wir einen Anruf eines Ratsuchenden, der wegen des lauten Geredes seiner Nachbarn nicht mehr schlafen kann.»

In einem solchen Fall rate der Verband, zunächst das Gespräch zu suchen. Wenn man sich nicht einigen könne, sei ein Brief an die Verwaltung mit detaillierten Angaben zur Störung zwingend, damit diese gezielt reagieren könne. Auch das Beiziehen einer dritten neutralen Person, welche die Störquelle allenfalls vor Gericht bestätigen und damit bezeugen könnte, sei zu empfehlen. Es sei bedauerlich, dass bei derartigen Streitigkeiten meist sofort der Weg über die Behörden gewählt und nicht versucht würde, das Problem in einem Gespräch zu lösen, sagt Thomas Lyssy. Der Basler Mediator ist Präsident des Verbands Mediation und weist darauf hin, dass unter perspectiva.ch erfahrene Mediatoren in Zeiten von Corona kostenlose Konflikthilfe anbieten – nicht nur bei Problemen in den eigenen vier Wänden, sondern auch mit Nachbarn. «Meine Kollegen und ich stehen via Telefon oder Zoom zur Verfügung,» so Lyssy weiter.

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