Stimmen-Festival
Viele Stimmen stimmen Stimmen an

Am 12. Juli startet das Stimmen-Festival. Dieses Jahr spielen zwei der vielen Konzerte nach langer Pause wieder auf dem Domplatz Arlesheim.

Rolf de Marchi
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Etwas vom schönsten an Stimmen sind die lauen Sommerabende auf dem Lörracher Marktplatz.

Etwas vom schönsten an Stimmen sind die lauen Sommerabende auf dem Lörracher Marktplatz.

Juri Junkov

Das natürlichste Instrument, das es gibt, ist die menschliche Stimme. Kein anderes Instrument verfügt über so viel Ausdruckskraft, Individualität und ist so vielseitig, wie das menschliche Organ. Seit Jahren beweist das Stimmen-Festival jeden Sommer durch eine Vielzahl von Konzerten in der Region Oberrhein diese Vielfalt der Stimme. So auch dieses Jahr, in dem das Festival vom 12. - 31. Juli Künstler aus aller Welt eingeladen hat, ihre Musik zu präsentieren.

Mit «Lörrach singt!» macht das Festival heute Abend den Auftakt – wegen der EM etwas später im Jahr als üblich. In Lörrachs Innenstadt singen und spielen zahlreiche Chöre, Ensembles und Bands der südbadischen Kreisstadt. Am Dienstag geht es im Rosenfeldpark mit dem amerikanischen Sänger José James weiter. James gehört zu einer neuen Generation von Jazzsängern, die nicht unter Berührungsangst zu anderen Musikstilen wie Soul, Drum and Bass oder Hip-Hop leidet. James hat mit seiner warmen, geschmeidigen Stimme das Jazz-Label Blue Note Records dermassen beeindruckt, dass dieses gleich drei Alben des Sängers veröffentlicht hat.

Ebenfalls in die Kategorie Jazz lässt sich der britische Pianist und Sänger Jamie Cullum verorten, der es gerne etwas kernig mag. Unkende Jazzpuristen versuchen immer wieder, Cullum das Mäntelchen eines Rockstars umzuhängen. Who cares! Der Mann singt mit an Magie grenzender Leidenschaft und versteht das Piano zu spielen wie nur wenige andere. Wenn das kein Jazz ist, ist es einfach gute Musik!

Suzanne Vega ist ausverkauft

Den Süden des amerikanischen Kontinents vertritt Ed Motta mit seiner Band aus Brasilien. Motta ist ein Internationalist, der coolen Jazz, leidenschaftlichen Soul und würzigen Funk zu einer feurigen Salsa aufmischt, die er mit seiner strahlkräftigen Baritonstimme zum Kochen bringt.

Musikalisch hat Jamaika den Reggae gross gemacht, doch die Wurzel dieses Musikstils ist der Ska. Der 83-jährige Gitarrist Ernest Rangling war Anfang der 1960er-Jahre massgeblich an der Entwicklung des Ska beteiligt. Ein Dream Team wird dem Mann den Rücken stärken: Fela Kuti Drummer Tony Allen, Herbie Hancock-Bassist Ira Coleman, Saxophonist Courtney Pine und der Sufi-Sänger Cheikh Lô aus Senegal. Das verspricht Musik der Spitzenklasse.

Auch dieses Jahr gibt’s klassische Musik zu hören. Stellvertretend sei die deutsche Sopranistin Dorothee Mields genannt, die sich auf die Interpretation von Arien und Liedern des Barocks spezialisiert hat. Bei Mields überschlagen sich die Kritiker. Begriffe wie «glockenklare Stimme, verführerische Sinnlichkeit, exzellente stimmliche Virtuosität, Makellosigkeit» und vor allem «Innigkeit» und «Natürlichkeit» liest man da immer wieder.

Rock und Pop ist im Programm des Stimmen Festivals prominent vertreten. Da ihr Konzert ausverkauft ist, sei die US-amerikanische Sängerin und Songwriterin Suzanne Vega nur am Rande erwähnt – im Herbst soll ihr neues Album herauskommen. Spannung verspricht Dweezil Zappa, der den Lenden des genialen Rockzampanos Frank Zappa entsprungen ist. Mit einer Crew von Spitzenmusikern interpretiert der 47-jährige Rockgitarrist die Musik seines legendären Erzeugers. Retro? Ja, aber auf spieltechnisch höchstem Niveau!

Den deutschen Rock vertritt die Band Revolverheld. Mit einfühlsamen Songs wie «Lass uns gehen», «Das kann uns keiner nehmen» oder aktuell «Immer in Bewegung» haben sich die vier Jungs aus Hamburg eine grosse (vorwiegend weibliche) Fangemeinde nicht nur in Deutschland erspielt.

Zurück in Arlesheim

Ihr Bandname ist etwas irreführend: Massive Attack ist keine Hard Rock Band! Und dennoch, die britische Trip-Hop-Band gilt in ihrem Genre als stilbildend und hat mit ihrer Musik viel ausgelöst. Rhythmusgeladene Ambient Music ist da angesagt. Dann die britische Indie-Band Tindersticks, die seit den 1990er Jahren mit alternativem Gitarren-Pop Furore macht: Melancholische Sounds mit der hypnotischen Stimme von Bandleader Stuart Staples.

Ebenfalls aus England kommt die Rockband Travis mit Britpop der eher biederen Sorte. Sie geben ihr Konzert auf dem Domplatz in Arlesheim. Nach neun Jahren Pause kann das Festival wieder für zwei Konzerte auf diesen besonderen Platz zurückkommen – handkehrum ist der Konzertort Augusta Raurica nicht mehr dabei.