Aufruhr herrscht in Zürcher Zentren, die Tests auf Geschlechtskrankheiten anbieten. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals «Watson» verzeichnen diese Einrichtungen derzeit einen deutlichen Zulauf an Patienten. Alleine zwischen 2016 und 2017 habe sich in Zürcher Teststellen die ohnehin schon dreistellige Anzahl Patienten für Syphilis-, Chlamydien und Gonokken-Tests mehr als verdoppelt.

Doch im Kanton Basel-Stadt steht es – gemessen an den Fallzahlen des vergangenen Jahres – bei zwei von drei der am meisten verbreiteten Geschlechtskrankheiten noch schlimmer: Bei Syphilis belegte Basel 2017 gemessen an der Inzidenz pro 100'000 Einwohner mit 27,97 den zweiten Platz hinter Genf (31,05). Platz drei ging an die Waadt, Zürich kam mit einer Inzidenz von 20,56 auf den vierten Platz. Bei den Gonorrhoe-Fällen lag Zürich an der Spitze (52,35), gefolgt von Genf (49,23), der Waadt (41,28) und Basel-Stadt (39,88). Bei Chlamydiose wiederum lag Genf vorne (204,69), dann kamen Basel (177,66), Zürich (168,69) und die Waadt (161,62).

Deutliche Zunahme verzeichnet

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen sagt: «Wir bearbeiten kantonal die Meldung zu übertragbaren Krankheiten, welche vom BAG regelmässig veröffentlicht werden. Im Rahmen dieses Meldewesens sehen wir eine Zunahme der Fälle von Gonorrhoe, Syphilis und Chlamydiose.» Dieser Trend sei über den Zeitraum der vergangenen zehn Jahre deutlich feststellbar, wie auch die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit belegen.

Von «dramatisch» will Manuel Battegay nicht sprechen. Der Professor und Chefarzt für Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel bestätigt aber: Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe, Chlamydien und vor allem Syphilis sind seit fünf Jahren merklich auf dem Vormarsch – in Basel, aber auch europaweit, sogar global. Die gemeldeten Fallzahlen haben auch mit dem grossen Angebot an Teststellen zu tun: Genutzt wird der Checkpoint der Aidshilfe beider Basel genauso wie das Angebot bei der Aidshilfe selbst sowie die Möglichkeiten, sich am Unispital testen zu lassen. «Und es werden sehr viele Tests durchgeführt», sagt Battegay.

Je häufiger getestet und behandelt wird, desto früher kann die Ansteckungskette unterbrochen werden. Allerdings führen deutlich mehr Geschlechtskrankheiten und damit mehr Behandlungen zu einem Anstieg an Antibiotika-Resistenzen – gerade bei Gonorrhoe stellt sich dieses Problem, so Battegay. Wichtig sei aber, dass ausreichend Teststellen an verschiedenen Orten vorhanden seien. Mit einem niederschwelligen Beratungsangebot genauso wie mit einer Infrastruktur für komplette Abklärungen. Basel-Stadt erfülle das.

Seit 20 Jahren in Betrieb

«Für anonyme HIV-Tests existieren Anlaufstellen in Basel am Universitätsspital und der Aidshilfe seit über 20 Jahren. Sie sind auch heute noch wichtig», sagt Manuel Battegay. Bei HIV haben die Fallzahlen im Gegensatz zu den anderen Geschlechtskrankheiten im Verlauf der vergangenen zehn Jahre weltweit deutlich abgenommen durch Therapien und die Tatsache, dass jemand, der gut therapiert ist, die Infektion nicht mehr weitergibt. Dennoch ist bei Risikoverhalten das Ansteckungsrisiko mit HIV immer noch vorhanden. Bei sexuellem Risikoverhalten von Personen werde ohnehin gleich auf sämtliche Geschlechtskrankheiten getestet, sagt Battegay.

Trotz aller Behandlungsmöglichkeiten besteht nach wie vor eine grosse Herausforderung, wie auch Kantonsarzt Steffen sagt: Nämlich die schnelle Diagnose und gleichzeitige Behandlung der angesteckten Personen und ihrer Sexualpartner und -partnerinnen zur Vermeidung von gegenseitigen Reinfektionen. «Hier ist es wichtig, dass die verschiedenen Geschlechtskrankheiten wieder stärker in das allgemeine Bewusstsein kommen.» Mehr und vor allem frühere Tests seien neben Präventionsmassnahmen hilfreich.