Dass die Beziehung der Schweiz zu Europa seit dem letzten Sonntag wackelt, ist bekannt. Das Ja zur SVP-Masseneinwanderungsinitiative hat aber auch Gräben zwischen Basel-Stadt und Baselland aufgerissen. Dass Baselland die Initiative angenommen hat, konsterniert viele Basler mit einem weltoffenen Selbstbild.

«Ich kann es mir schlicht nicht erklären», sagt der Basler SP-Nationalrat Beat Jans, «Basel-Stadt und Baselland sind von der genau gleichen Industrie abhängig.» Jans ist Teil des Initiativ-Komitees «Ein Basel», welches auf eine Fusion der beiden Halbkantone hinwirkt. Aber genau in seinem rot-grünen Umfeld wächst jetzt die Skepsis, ob ein vereintes Basel tatsächlich im eigenen Sinn ist.

Fusionsunlust auch beim Volk?

Der Tenor: Mit einem Kanton, der so stimmt, wollen wir nicht zusammengehen. «Diese Frage stellt sich tatsächlich», sagt beispielsweise Grossrätin Sibel Arslan von der Basta, «das ist verständlich bei einem so grundlegenden Thema.» Nicht nur bei Politikern, sondern vor allem auch beim Volk spüre sie eine Fusions-Unlust. Ihr Partei-Kollege Urs Müller stimmt Arslan zu. «Der Fusionsgedanke hat einen Dämpfer bekommen.»

Das ist auch an der glühenden Fusionsbefürworterin Martina Bernasconi nicht vorbei gegangen. «Ich habe auch gehört, dass es Leute gibt, die sagen: so sicher nicht.» Die grünliberale Grossrätin hat für diese Haltung aber wenig übrig: «Das ist kleingeistig.»

SVP nimmt Basler in die Pflicht

Auch LDP-Grossrat Conradin Cramer kann mit dieser Argumentation wenig anfangen: «Wer so denkt, hat die Idee einer Kantonsfusion nicht ganz verstanden.» Es gehe nicht darum, dass das Land so werde wie die Stadt oder umgekehrt. Sondern: «Es geht darum, zwei Halbkantone besser zu organisieren.» Viele Politiker in der Stadt sind nun darum bemüht, den Ball flach zu halten.

So auch die Basler SVP-Mitglieder, von denen – im Gegensatz zu ihren Parteikollegen auf dem Land – viele ein vereintes Basel unterstützen. Lorenz Nägelin etwa, Fraktionschef der SVP im Grossen Rat, nimmt die Basel-Städter in die Pflicht: «Die Basler, die sich offen gegenüber Europa gezeigt haben, sollen sich nun auch offen gegenüber dem Land zeigen.»

Unverdauter Frust

Dass es im linken Lager nun kritische Stimmen gibt, ist für ihn «der Frust, der noch nicht verdaut wurde.» Sorgen macht Nägelin nicht die Abstimmung vom letzten Sonntag. Er glaubt eher, dass die Städter eine Fusion wegen den roten Baselbieter Staatsfinanzen oder des schlecht organisierten Gesundheitswesens bachab schicken könnten.

Ob die SVP-Initiative tatsächlich einen Einfluss auf die Debatte hat, wird aber davon abhängen, wie sie politisch ausgeschlachtet wird. Vor allem auch Fusions-Gegner aus Baselland werden wohl damit Stimmung machen.