«Was bedeuten Ihre Tattoos?», fragte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone den 29-jährigen Mann. «Ach, nichts», war die Antwort. Er habe kein Gewaltproblem, einzig in seiner Jugend habe er sich ein paar Raufereien geleistet. Der 29-Jährige muss sich seit Montag zusammen mit drei anderen Männern im Alter von 28, 30 und 39 Jahren vor dem Basler Strafgericht wegen einer Prügelei im Februar 2015 in der Rheingasse verantworten. Am Fasnachtsmontag zog der 29-Jährige mit seinem 39-jährigen Kumpel in einem Affenkostüm durch die Gegend. Spätnachts dann kam es in der Rheingasse an der Ecke beim Schafgässlein zu einem Streit.

Laut Anklage sollen die Männer den Streit förmlich gesucht und wahllos auf Passanten losgegangen sein. Wer geschlagen hat, wer geschlichtet hat und wer bloss dabeigewesen ist, wird nun vor Gericht geklärt. Die Männer erklärten unisono, sie hätten da und dort möglicherweise einen Schlag ausgeteilt, mehr aber nicht.

Bloss: Mindestens eines der Opfer lag rasch am Boden und erhielt weiterhin Tritte. Das Fazit der Ärzte: Nebst diversen Quetschwunden gab es auch verschobene und geprellte Zähne, ein gebrochenes Nasenbein sowie ein potenziell lebensgefährliches Schädel-Hirn-Trauma. Zwei weitere Männer erlitten ebenfalls leichtere Verletzungen.

Mitglieder eines Rockerclubs

Die Frage nach dem Hintergrund der Tattoos war nicht blosse Neugierde: Zwei Angeklagte gaben zu, damals Mitglied der United Tribuns gewesen zu sein. Dieser Rockerclub fährt zwar im Gegensatz zu den «Hells Angels» nicht mit Motorrädern herum, sorgte aber in der Vergangenheit für Schlagzeilen in Verbindung mit Zwangsprostitution und gewalttätigen Revierstreitigkeiten. Schweizer Ableger der United Tribuns existieren inzwischen nicht mehr, zumindest nicht offiziell.

Die Männer betonten am Montag, sie seien in jener Nacht betrunken gewesen, hätten teilweise Kokain konsumiert und würden sich nach vier Jahren nicht mehr an Details erinnern. Im Verlaufe des Tages hörte das Gericht auch Opfer und Zeugen an, um die unklare Beweislage zu durchleuchten. Völlig «verladen» konnten die Männer indes nicht gewesen sein: Die zwei Kostümierten schmissen ihre Affenkostüme kurz nach der Auseinandersetzung weg, um die Identifikation zu erschweren.

Die Beteiligten an der Schlägerei konnte man noch während der Fasnacht relativ rasch ermitteln, teilweise existieren Aufnahmen einer Überwachungskamera. Drei der Männer sassen einen Monat in Untersuchungshaft, der vierte zwei Wochen. Nebst einem Angriff wirft ihnen die Staatsanwaltschaft konkret eine versuchte schwere Körperverletzung vor.

Am Dienstag halten Anklage und Verteidigung die Plädoyers, das Urteil kommt Ende Woche. Dabei wird auch über Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen von mehreren Tausend Franken entschieden.