Das Kantonsparlament revidierte das Wahlgesetz nach einer Vorlage einer Spezialkommission. Es hatte diese nach einem heftigen Streit um Kommissionswahlen zu Legislaturbeginn eingesetzt. Die Spezialkommission hatte drei verschiedene Wahlverfahren evaluiert und sich für das so genannte «Sainte Lagüe»-Verfahren entschieden.

Mit dem Ziel der möglichst genauen Abbildung des Wählerwillens waren in der Debatte alle einverstanden. Über dessen Definition gingen die Meinungen indes auseinander. Die Vor- und Nachteile der Systeme zur Sitzverteilung hängen auch von der Grösse der heute fünf Wahlkreise ab, und diese wollte der Grosse Rat nun nicht antasten.

Sonderfall Bettinger Sitzgarantie

Laut der Kommissionspräsidentin sind die Unterschiede der Wahlsysteme sehr klein; es gehe um ganz wenige Sitze. Mehrfach hingewiesen wurde auf den bundesrechtlich heiklen Spezialfall des garantierten Sitzes für die kleine Gemeinde Bettingen. Auch diesen stellte jedoch niemand in Frage; die Mehrheit lobte den Kompromiss.

Die GLP kritisierte jedoch das 4-Prozent-Quorum in jeden Wahlkreis als zu hoch und minderheitenfeindlich. Ihr Antrag auf 3,5 Prozent blitzte mit 16 zu 65 Stimmen ab. Am liebsten wäre der Partei ein gänzlicher Verzicht auf Quoren, was sie aber als chancenlos einschätzte und daher gar nicht zu beantragen mochte.

Debatte um Ebenen

Mit 53 zu 36 Stimmen unterlag ein CVP-Antrag für das bisherige 5- Prozent-Quorum, dessen Erreichen in nur einem Wahlkreis weiterhin zur Teilnahme an der Sitzverteilung in allen Kreisen berechtigt hätte. Dafür hatte auch die LDP plädiert. Dagegen wurde mit der Stärkung lokaler Gruppierungen argumentiert.

Die CVP fand überdies statt des Sainte Lagüe-Verfahrens das so genannte «Doppelte Pukelsheim»-Verfahren gerechter, fand aber trotz Support von EVP/DSP und Grünem Bündnis keine Mehrheit. Letzteres regte - ohne Antrag - an, gerechtigkeitshalber besser ein Quorum für den ganzen Kanton zu verlangen statt pro Wahlkreis.

Allseits als irreführend abgelehnt wurden ferner die bisher üblichen Listenverbindungen zwischen verschiedenen Parteien; auch für Verbindungen zwischen Haupt- und Nebenlisten etwa von Jungen oder Frauen gab es wenig Sympathien. Am Ende unterstützte der Grosse Rat die Revision mit Grossem Mehr gegen 18 Stimmen bei 15 Enthaltungen.