Markthalle Basel

«Vinyl ist zurück» – wenigstens einen Tag lang

Stöbern an der Plattenbörse.

Stöbern an der Plattenbörse.

Freunde der schwarzen Scheiben schwärmten an der Plattenbörse von den alten Musikzeiten und prophezeiten ihr eine goldene Zukunft.

«CDs halten im Schnitt 30 Jahre – Schallplatten sind beinahe unsterblich», schwärmt einer, der es wissen muss. Denn 50 Jahre lang war Vinyl sein Leben. Vom Lagerspediteur hat sich Sepp Stadelmann in die Geschäftsleitung des Labels Bellaphon Records hochgearbeitet. Mit über 70 sei es nun Zeit, seine Sammlung zu verkaufen, sagt er und sinniert über die Tragik eines Mediums, das man lange nicht mehr abspielen konnte. «Heute gehören sie wieder fest zum Sortiment, die Plattenspieler», betont er, als wir ihn am Samstag an der Sammlerbörse in der Markthalle ansprechen. «Vinyl ist zurück.»

Plattenhören als «ein Stück Widerstand» 

«Taschenkontrolle», scherzt der junge Vinylfan Beat Gaier und zeigt uns seine neuste Errungenschaft: Françoise Hardy in einer speziellen Edition. Wegen leerer Batterien in seinem portablen Plattenspieler müsse er aufs Probehören verzichten. «Ein Stück Widerstand» sei es, das den Zürcher zum Plattenhören motiviere. «Ich konsumiere gerne Musik, ohne mich auf Streaminglisten zu verewigen.»

Die meisten Messen seien abgesagt worden. «In Basel hätte es durchaus Potenzial für mehr Vinylmärkte», betont Andi Weber. Er höre jeweils eine Seite einer Platte als morgendlichen Muntermacher vor der Arbeit. «Und wenn es Zeit wäre, zu drehen, fahre ich los.»

«Heute Morgen legte ich Bob Marley auf», sagt der Basler Filmemacher, der soeben das 1978 veröffentlichte Album der New-Wave-Band Devo bewundert. «Die sollte ich eigentlich schon im Repertoire haben.» Er entdecke gerade den Sound der 30er und meint: «Das Haptische fehlt mir beim virtuellen Hören.» Wieder etwas in der Hand zu haben, das schätze auch Vinylneuling Sebastian, der sich gerade seine erste Platte – Elektrofunk – gönnt. Wir stossen auf «Bauchmusik», wie sie uns Standbetreiber Patrick vorstellt. Statt eines breit gefächerten Sortiments biete er seinen Kunden Tanzbares.

Corona fördert den bewussten Musikgenuss

Bereits als 15-Jähriger habe er als Bruder eines DJ Black Music entdeckt. Mittlerweile habe er über 3000 Platten aus Jazz, Soul und Funk. Rund 5000 Franken sei die teuerste Platte wert, sagt Patrick und zeigt uns das Original der Basler Sängerin Elsie Bianchi. «Die Nachfrage nach Bianchi ist gross – hier und bis nach Japan», betont er, der einen Aufschwung von Vinyl erlebe.

«Universal bringt wieder Vinyl», betont er. «Die Kunden haben ihr Bewusstsein für Musik wiedergefunden», versichert man uns auch am Nachbartisch. Das Bedürfnis nach dem bewussten Musikgenuss habe nach Corona deutlich zugenommen, betont Standbetreiber Peter. «Auf Vinyl klingen die Aufnahmen echter», findet er.

Noch etwas verhalten sei die Anzahl Besucher, räumt einer der Standbetreiber ein. Sei es wegen Corona oder der eher dezenten Werbung im Vorfeld, sei dahingestellt. Aber man ist sich einig: «Hauptsache, es findet überhaupt wieder etwas statt.»

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