Selbst beim Regenwetter strahlt das Weiss des neuen einstöckigen, elf Meter hohen Rundbaus von riesigem Ausmass. Die japanischen Sanaa Architekten - das Büro von Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa, Träger des Pritzker-Preises 2010 - haben ein architektonisches Kunstwerk auf dem Vitra-Campus in Weil geschaffen: eine Produktionshalle, in der Module für den Ladenbau gelagert, zusammengesetzt, heran und weg transportiert werden. Der einem Pfannkuchen gleichende Durchmesser beträgt an die 160 Meter, die Fläche ist 20 455 Quadratmeter. Rund 100 Personen arbeiten darin, wie Rolf Fehlbaum, Verwaltungsratspräsident des weltberühmten Familienunternehmens, erwähnt. Er erzählt, dass die Veränderung der industriellen Produktion einen neuen Geist für den Bau der Produktionshalle erforderte. «Sanaa Architekten bringen den neuen Geist.» In der runden Form, der schillernd weissen Vorhangfassade aus Plexiglas, in der klaren Gestaltung der Lastwagen-Docks, der Fenster und der vier Eingänge zeigt der Bau seinen ganz eigenen Charakter innerhalb der anderen Campus-Bauten von Nicholas Grimshaw, Frank O. Gehry, Zaha Hadid, Tadao Ando, Alvaro Siza und Herzog & de Meuron.

Die ersten Projektgespräche begannen 2006. Damals entschloss sich der Möbelproduzent Vitra zu einer neuen Ausbauphase des Campus mit dem 2010 eröffneten Vitra-Haus von Herzog & de Meuron und der Ende 2012 fertiggestellten Produktionshalle von Sanaa. Die Grundbedingungen - die Anzahl Hochregallager, die Abstände zwischen ihnen, ebenso die Anzahl der Docks für die Lastwagen - waren von Vitra vorgegeben.

Grosszügigkeit und Harmonie

Wie kreativ und grandios Sanaa Architekten diese Vorgaben einlösen, versetzt uns ins Staunen. Sie planten bewusst keinen perfekten Kreis, wie Architekt Ryue Nishizawa erläutert: «Wir haben das Rund in eine organische Form gebracht. Denn der Bau soll keine industrielle, sondern eine organische Atmosphäre schaffen.» Am Rundbau können die Laster von allen Seiten andocken: Kazuyo Sejima beschreibt ihr Formdenken. So ist der Bau auch eine Metapher für die globale Ausstrahlung von Vitra. Zugleich strahlt der im Sonnenlicht glitzernde Bau mit der Vorhangfassade trotz seiner Grösse eine grosse Ruhe aus. Linien von Oberlichtern durchziehen das Dach und bringen Helle ins Innere. Das ermöglicht die optimale Nutzung des Tageslichts. Hier wird 60 Prozent weniger Strom verbraucht als in anderen Produktionshallen. Auch die hochgesetzten grossen Fenster bringen viel Licht. Das Dach ist in leicht hügeliger Form mit mehreren Giebeln strukturiert.

Das Innere der Halle ist von einzigartiger Grosszügigkeit und Schönheit. Das Rund, das die Halle durchflutende Tageslicht, die Architektur mit den im Kreuz der Himmelsrichtungen angelegten vier Eingangstoren schaffen Harmonie. Dach und Leitungen sind in Weiss gehalten.

Die Dachfenster ermöglichen - jeweils in der Nacht - eine natürliche Kühlung der Halle im Sommer. Da sich das Dach nur selbst tragen muss, sind die Tragsäulen weit auseinander gesetzt - im Abstand von 17,5 und 22,8 Metern. So erhält die Halle eine enorme Weite und Transparenz trotz der vielen Hochregallager. Als Pausenraum wurde auf dem Dach der eingebauten Schreinerei eine Hochfläche eingerichtet. Der Blick von hier aus durch die Halle und durch die Fenster - auch auf die blühenden Bäume - ist phänomenal.

Die Frage nach den Kosten des Baus beantwortet Fehlbaum natürlich nicht, wie dies bei einem Privatunternehmen Usus ist. Hingegen meint er auf die Frage, ob der Campus, dieses Schmuckstück an bester Architektur, mit dem Sanaa-Bau komplett sei: «Der Campus entwickelt sich immer weiter.»