Ehrengesellschaften

Vogel Gryff: Die neue Lust an der alten Tradition

Heute marschiert der Vogel Gryff durchs Kleinbasel – zu ihrem Ehrentag erfreuen sich die Ehrengesellschaften hoher Nachfrage.

Der Vogel Gryff ist eine der wichtigsten Traditionen des Kantons Basel-Stadt – allein deswegen, weil der Anlass einer der ältesten in der Stadt nachvollziehbaren überhaupt ist. Bereits im 15. Jahrhundert führten die Kleinbasler Ehrengesellschaften einen Umzug durch, dies im Nachgang zu einer Musterung. Schliesslich waren sie für die Ordnung des Kleinbasels zuständig, da wollten Waffen und Mannschaft in Bereitschaft sein.

Geblieben ist der Umzug, der jährlich unter dem Vorsitz einer der drei Ehrengesellschaften steht. Entsprechend tanzt der Vogel Gryff nie zweimal hintereinander am gleichen Datum. Nachdem die letzten zwei Male auf einen Samstag fielen, findet der Anlass dieses Jahr heute Montag statt. Den Vorsitz hat die E. Gesellschaft zum Rebhaus. Ihr Wappenhalter ist der Leu.


Die Wirkung des Anlasses ragt über Basel hinaus. Wenn auch nicht wie die Basler Fasnacht. Übrigens hat das eine mit dem andern gar nichts zu tun, obschon Vogel Gryff, Wild Maa und Leu tagsüber von Trommeln und nachts von der Fasnachtsgesellschaft Olympia begleitet werden.


Nachdem die Ehrengesellschaften – ihre Mitglieder sind ausnahmslos Männer – in den vergangenen zwei Jahren vor allem wegen der Aufnahme von Frauen in der Öffentlichkeit diskutiert wurden, hat sich das Thema gelegt. Innerhalb der Gesellschaften wurde es ohnehin weniger intensiv debattiert als in der Politik. Zumal die Gesellschaften ihre entsprechenden Regelungen zeitgemäss aufgestellt hatten.

Vogel Gryff 2019 im Video:

Kleinbasler Ehrentag: Der Vogel Gryff tanzt – auch – für Bundesrat Berset

Im Video: Flosslandung im Klingental, Tanz vor Vorsitzender Meister zum Greifen Raymond Schmid vor dem Kleinen Klingental und Tänze vor 3E-Spielchef Andreas Lehr auf der Mittleren Brücke.


Dafür erwacht bei jungen Kleinbaslern eine neue Lust nach alten Traditionen. Zum einen, was die Teilnahme am Anlass angeht, zum andern aber auch, was die Mitgliedschaft betrifft. Das kann René Wegmüller, Sprecher der drei Ehrengesellschaften, insofern bestätigen, dass Anträge von Männern im Alter zwischen 18 bis 25 Jahren zugenommen haben. «Es gibt tatsächlich sehr viele ältere Gesellschaftsbrüder, aber auch einige aus der ganz jungen Generation», sagt Wegmüller. Das Problem betrifft vielmehr die Jahrgänge dazwischen. «Die Stadtflucht ist zum Glück nicht mehr so ein Thema wie noch vor etwa zwanzig Jahren», so Wegmüller. Damals zogen viele Kleinbasler Familien ins Baselbiet, das vor allem auch steuerlich attraktiver war. Just diese potenziellen Mitglieder fehlen jetzt. Denn für eine Mitgliedschaft bei den drei Ehrengesellschaften ist ein Wohnsitz im Kleinbasel massgeblich.


Wenn der Wohnungsmarkt ein Schnippchen schlägt

Nun nimmt die Stadtbevölkerung wieder zu – seit kurzem zählt Basel-Stadt wieder über 200000 Einwohner –, doch zeigt sich ein zweites urbanes Problem: der Wohnraum im Kleinbasel. «Tatsächlich verlieren wir auch Mitglieder, weil sie bei einem Umzug keine Wohnung mehr im Kleinbasel finden», sagt Wegmüller. Das können Ältere sein, die von einem Haus in eine Wohnung ziehen, aber auch Jüngere, die das Elternhaus verlassen und ins Grossbasel übersiedeln müssen.


Dennoch: Die Mitgliederzahl der Gesellschaften, die auf je 150 beschränkt ist, bleibt konstant. Ein Vorteil des demografischen Wandels ist, dass die Wartezeiten für die Aufnahme geringer geworden sind. Musste bis vor einigen Jahren noch mit einer Wartezeit von vier bis fünf Jahren gerechnet werden, beträgt sie heute zwei bis drei Jahre.

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