Ehrentag

Vogel Gryff weckt im Glaibasel Emotionen – gibt es bald weiblichen Nachwuchs?

Kleinbasler Ehrentag: Der Vogel Gryff tanzt – auch – für Bundesrat Berset

Der Vogel Gryff tanzt – auch – für Bundesrat Berset

Im Video: Flosslandung im Klingental, Tanz vor Vorsitzender Meister zum Greifen Raymond Schmid vor dem Kleinen Klingental und Tänze vor 3E-Spielchef Andreas Lehr auf der Mittleren Brücke.

Bei leicht regnerischem Wetter tanzten der Vogel Gryff, dr Leu und der Wild Maa durch die Gassen. Künftig könnte der Brauch auch für die Damen attraktiv werden – Vorgesetzte scheinen weiblichem Nachwuchs nicht abgeneigt zu sein.

Der Wild Maa nutzte jeden Brunnen um sein Tännchen im Wasser zu tauchen. Durch das Wirbeln des Tannegehölzes in seiner Hand regnete es für das Publikum gleich ein zweites Mal am Samstagnachmittag. Überhaupt verschaffte sich das Wappentier der Gesellschaft zum Hären mit seinem Arbeitsgerät Platz und Respekt: unzimperlich, direkt und unangekündigt.

Die Kinder lieben und fürchten ihn dafür gleichzeitig. Zusammen mit dem Vogel Gryff und dem Leu tanzten sich die drei durch das mindere Basel, das für einmal dem grösseren Basel überlegen sein wollte. Der Leu, der heimliche Liebling des Publikums. Er bringt mit seinem Tanz die Leichtigkeit des Seins auf das Trottoir und hüpft, als hätte er Springfedern gefrühstückt. Im Gegeteil zum Vogel Gryff, der mit seinen Verbeugungen die Reverenz erweist.

„Hühnerhaut puur, einfach einmalig“, kommentierte Rebhaus Vorgesetzter Daniel Löw gleich nachdem die drei Ehrenzeichen ihn „betanzt“ hatten. „Der beste Tag im Jahr“, schwärmte auch Michael Fischer. Der Horstverwalter sorgt während des Jahres für Ordnung rund um den Fischergalgen, ab dem das Floss des Wilde Maa in den Rhein sticht. „Heute gab es keine Schramme“, lachte er, obwohl jedes der Ehrenzeichen ihm bedrohlich nahe kam.

Viel emotionaler zeigte sich Thomas Locher. In seiner Stimme schwangen die ganzen Gefühle mit, die in ihm vorherrschten: Glück, Ehrfurcht und Freude. Den frischen Hären-Vorgesetzten betanzten die drei E erstmals. Gleichzeitig wurde sein Sohn in die Gesellschaft zum Hären aufgenommen. Aus seiner Sicht dürften auch die Töchter aufgenommen werden: „Traditionen bewahren, heisst nicht, sie in Stein zu meisseln“.

Löw hingegen wartet auf den ersten Aufnahmeantrag. „Dann werden wir das besprechen“, meinte er und er scheint nicht abgeneigt zu sein, Frauen aufzunehmen. Auch Fischer hat nichts gegen Frauen, doch er sagt lieber nichts, da es ein „Wording“ zu dieser Angelegenheit gebe.

Geschliffene PR gibt es auch bei mittelalterlichen Traditionalisten. Dabei kommen die Ehrenzeichen und ihre Begleiter auch bei der Damenwelt gut an. Ein Selfie mit einem Ueli liessen sich zwei jüngere Damen nicht entgehen. Die insgesamt vier Ueli sind pausenlos unterwegs – hyperaktiv und unnachgiebig betteln sie um jede Münze.

Unangenehm, wenn sich einer von ihnen vor jemanden hinstellt, die Büchse schüttelt und man hat kein Kleingeld bereit. Die Augen stechen durch die Larve und gibt einem selber das Gefühl asozial zu sein. Aber wirft man ein Geldstück ein, sodass das „Kässeli“ klappert, dann erhält man ein freundliches „danggscheen“. Höflich sind sie die vier.

Volle Gassen: Vogel Gryff, Wild Maa und Leu ziehen in bester Begleitung durchs abendliche Kleinbasel

Volle Gassen: Vogel Gryff, Wild Maa und Leu ziehen in bester Begleitung durchs abendliche Kleinbasel

Im Video unter anderem: Ankunft im Polizei-Oldtimer vor dem Volkshaus, Tanz vor Greifen-Vorgesetzten Balz Herter vor dem Sorell-Hotel Merian, Marsch mit der Fasnachtsgesellschaft Olympia durch die Obere Rheingasse.

 

Nach dem Besuch am Gryffemähli machte sich das Spiel wieder auf den Weg. Gleich vor dem Kongresscenter wurde einem anderen Kleinbasler Urgestein, Niggi Schoellkopf, die Reverenz erwiesen. Der Flügelschlag beim Tanz des edlen Vogels war so heftig, dass Schoellkopf ins Stolpern geriet. Auch der Leu hatte nach dem Umtrunk die Tanzschritte noch nicht im Detail justiert. Er beendete seinen Tanz mit einer Umarmung des Berufs-Kleinbaslers.

Der Wild Maa schaffte es den Alt-Rebhaus-Meister stehen zu lassen. Dafür ging er anschliessend schnellen Schrittes zu einem der nachmittäglichen Höhepunkte des Spieles: Dem Tanz vor einer grossen Kinderschar und Überraschungsgästen auf dem Messeplatz. Geladen waren zehn Obleute von Jungen Garden aus dem Kleinbasel, wie Marco Natoli von der 3E-Gruppe für Kinder erläuterte. „Wir laden jedes Jahr andere Personen oder Institutionen ein.“ Eines der Kinder wollte dem Wild Maa einen Apfel entwenden. Der wehrte sich mit seiner Tanne, die das Mädchen zu spüren bekam. Erziehung auf traditionelle Art – nicht mehr mehrheitsfähig, aber wirksam. Diese Szene beweist, dass Mädchen durchaus eine Berechtigung bei den drei E hätten. Ein Junge getraute sich dort vor Ort nicht die süssen Früchte zu pflücken.

Weiter ging es mit einem Polizei-Oldtimer ins Hirzbrunnen: die drei Tiere auf der hintersten Rückbank, dem Gryff die Flügel gestutzt und der Wilde Maa musste sein Tännchen oben längs über die Bänke legen. Zwei der Tänze fanden vor dem Claraspital statt. Krankenpflegerinnen und Patienten spienzelten aus dem Fenster. Unten auf der Strasse umarmte der Gryff Rudolf Grüninger, den ehemaligen Bürgerratsschreiber und der Wild Maa drückte ihm sein Tännchen ins Gesicht.

Trotzdem war der Alt-Rebhaus-Meister begeistert. Für eine Einkehr wurde dem Leu der Kopf und dem Gryff das ganze Oberteil abgenommen. Hervor kamen glückliche lachende Gesichter, die ob der frischen Luft dampften. Der Gryff-Darsteller entledigte sich seines nassen Stirnbandes, das seine Kopfhaut mit einem grossen Abdruck verzierte. Trotzdem strahlten die schwitzenden Tänzer weiter. Männer kann man an ihrem Ehrentag so einfach glücklich machen. Bald vielleicht auch ein paar Damen?

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