Glosse
Völker, hört die Einsatzzentrale!

Monsanto und Syngenta dürfen aufatmen. Dieses Jahr wird ihnen der Basler Protest nicht so wehtun, wie dies in den vergangenen Jahren stets der Fall war. Schuld ist der stets menschenleere Barfi.

Benjamin Rosch
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An Samstagen menschenleer: der Barfi

An Samstagen menschenleer: der Barfi

Keystone

Der Unique Selling Point einer Demo ist die Empörung. So betrachtet hat der ewiggleiche «March against Monsanto» in diesem Jahr schon vor der Durchführung eine Wertsteigerung erfahren. SP, Grüne und Basta sind schon jetzt mächtig empört.

Grund ist ein völlig neues Feindbild: die Polizei. Diese habe das Recht auf freie Meinungsäusserung mit Füssen getreten, stellt Konsum über Aktivismus, und überhaupt! Denn dieses Jahr darf der Protest gegen Syngenta und Monsanto nicht in der Innenstadt ungehört verhallen, nein, er muss das in der Peripherie tun. Die Polizei habe aufgrund des hohen Personenaufkommens einen Demozug durch die Innenstadt verboten, echauffierten sich die Verantwortlichen in einer gestern versandten Medienmitteilung.

Müssen die Demonstranten nun ins Hirzbrunnen? Ins Hegenheim-Quartier oder ins Bruderholz? Fast. Die Polizei hat den Demonstranten den sogenannten «Barfüsserplatz» angeboten, Insidern vielleicht als Barfi bekannt. Optional käme auch ein «Klaraplatz» infrage, dessen Lage die Redaktion leider nicht aufzuspüren vermochte. Das schreibt Polizeisprecher Toprak Yeguz auf Anfrage. Die Polizei zeigt sich ihrerseits leicht beleidigt. Die wackren Verfechter der Meinungsäusserung wollten ihre Meinung nicht mehr mit der Polizei austauschen und haben die Gespräche abgebrochen. Was auch absolut Sinn macht: Der Gang vor die Medien bescherte deutlich mehr Aufmerksamkeit und die Völker hörten ihre Signale.

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