Als sich der FC Liverpool am Dienstagabend anschickte, Barcelona im Halbfinal aus der Champions League zu kicken, lief auf SRF 2 «Wanderlust – der Trip ihres Lebens». Fussballfans ohne Pay-TV guckten in die Röhre – wie an jedem Champions-League-Dienstag, seit sich Teleclub auf diese Saison hin die Rechte sicherte und nur noch die Mittwochsspiele im Schweizer Fernsehen gezeigt werden.

Von der neuen Fussball-Realität profitieren hauptsächlich die Spitzenclubs und ihre Stars, die dank immer lukrativerer TV-Verträge stetig höhere Einnahmen erzielen. Doch auch die Basler Fussball-Beizen profitieren vom Pay-TV-Boom: «Wir spüren ganz klar einen Unterschied, ob ein Spiel im Free-TV läuft oder nicht», sagt Markus Hollerbach von der Bar du Nord. «Wenn ein Spiel nur im Pay-TV läuft, ist es immer voll bei uns.» Besonders gross sei der Unterschied bei Spielen unter der Woche und bei schlechtem Wetter, da würden es sich viele Fussballfans zweimal überlegen, ob sie nicht zu Hause bleiben wollen, wenn das Spiel gratis im Fernsehen kommt.

Traditionell gut gefüllt bei Champions-League-Spielen sind die Pubs, deren internationale Kundschaft Fussball generell gerne auswärts schaut. Im «Flanagan’s» am Picassoplatz habe es bei Spielen mit englischer Beteiligung immer sehr viele Gäste, erzählt ein langjähriger Mitarbeiter. «Bei FCB-Spielen, die nur auf Teleclub übertragen werden, merken wir hingegen einen grossen Unterschied. Da haben wir deutlich mehr Gäste als bei Partien, die im Schweizer Fernsehen gezeigt werden.»

Quartierwirte profitieren kaum

Weniger gut läuft das Geschäft in den Quartierbeizen, wie etliche Wirte auf Anfrage sagen. Der Wirt des Restaurants Vogesenstube sagt, dass er das Spiel am Dienstag gezeigt habe, dass dies aber kaum jemanden interessiert habe. «Alle schauen immer nur auf ihr Handy.» Ähnliches auch im «Züribieter» im Gundeli: «Früher war das Interesse an den Fussballspielen, die wir gezeigt haben, deutlich grösser. Heute schauen die Leute das Resultat auf dem Natel nach, das reicht ihnen», sagt die Wirtin.

Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt, bestätigt diesen Graben. Er schätzt, dass rund ein Dutzend auf Sport spezialisierte Beizen wirklich vom Pay-TV-Trend profitieren. «Deren Gäste geben das Geld lieber für ein paar Biere aus und schauen die Spiele auswärts mit Kollegen, als zu Hause für ein Sport-Abonnement zu bezahlen.»