Baselworld

Volle Tische und volle Kassen: Umsatzstärkste Woche des Jahres

Hochbetrieb im «Noohn». Das Restaurant ist eine beliebte Adresse bei der Baselworld-Klientel. Keystone

Hochbetrieb im «Noohn». Das Restaurant ist eine beliebte Adresse bei der Baselworld-Klientel. Keystone

Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld beschert der Basler Gastronomie die umsatzstärkste Woche des Jahres. In der Stadt herrschte ein chronischer Restaurant-Engpass. Die Messe brachte zahlungskräftige Gäste in die Basler Beizen.

Wer in der vergangenen Woche in Basel einkehren wollte, der wurde in vielen Beizen mit einem höflichen Lächeln oder dem Verweis auf «geschlossene Gesellschaft» weitergeschickt. Grund für die vollen Tische und geschlossenen Türen war die Baselworld. Ungefähr 150'000 Besucher zählte die Uhren- und Schmuckmesse dieses Jahr. Hinzu kamen angereistes Personal, Hostessen und Journalisten aus vielen Teilen der Welt.

Abend für Abend stellten sich diese Akteure die Frage, wo man Hunger und Durst stillen kann. Kein Wunder herrschte in der Stadt ein chronischer Restaurant-Engpass. Für die Gastronomie bescherte der Ansturm auch dieses Jahr die umsatzstärkste Woche des Jahres.

Die Messe kam wie gerufen. Julia Hölzel, Mitglied der Geschäftsleitung des «Atlantis», sagt, dass die Zahlungsbereitschaft der Basler Gäste vor der Messe schlecht gewesen sei. Sie kamen zwar in die Lokale, waren aber nicht bereit ins Portemonnaie zu greifen. Sie vermutet, dass viele an der Fasnacht über die Stränge geschlagen hätten und nun kein Geld mehr auf der hohen Kante hatten. Die Gastronomie bekomme leere Haushaltskassen als Erstes zu spüren. Während die Basler Gäste also noch den monetären Fasnachts-Kater auskurierten, spülte die Messe zahlungskräftige Gäste in die Basler Beizen.

Teurer und besser

Das «Gareçons» am Badischen Bahnhof, hatte während der Messe eine teurere Karte, wie der Mitinhaber Markus Hollerbach bestätigte. Die höheren Preise werden durch die bessere Qualität der Speisen gerechtfertigt – zartes Koberind habe halt seinen Preis. Von einem Messe-Bonus dürfe man nicht reden: Ein Kaffee oder Bier kostet gleich viel, wie unter dem Jahr. Den Standort gleich neben der Messe mit hohen Preisen auszunutzen sei nie zur Diskussion gestanden, betont Hollerbach.

Ins gleiche Horn stösst auch Richard Engler der Verwaltungsratspräsident der Gastrag. Zur Gastrag-Kette gehören unter anderem der Stadtkeller, das «Papa Joe’s» und Kohlmanns. Die Karten in seinen Betrieben seien jeweils die gleichen wie unter dem Jahr, mit einem zusätzlichen luxuriöseren Menu.

Kleinere Karten, mehr Personal

An den beiden Top-Adressen, dem «Stucki» auf dem Bruderholz und dem «Cheval Blanc» am Blumenrain (Restaurant des Trois Rois) erntet man schon Monate vor der Uhren- und Schmuckmesse bei der Frage nach einem Tisch eine freundliche Absage. Die beiden Aushängeschilder locken jeweils mit 2 Michelin Sternen und 18 Gault Millau Punkten. Das «Stucki» läuft während der Messewoche fast unter Normalbetrieb, wie der Geschäftsführer René Graf Grandits sagte. Denn die Kochkünste von Tanja Grandits sind auch unter dem Jahr derart gefragt, dass sie sowieso fast immer ausgebucht sind.

Der einzige Unterschied sei nur die Zusammensetzung der Gäste. Die Basler Stammgäste meiden in dieser Woche das Lokal, dafür sind vor allem Chinesen, Japaner und Russen anzutreffen. Um dem grossen Andrang im «Trois Rois» gerecht zu werden, wurde in der «Brasserie» und im «Chez Donati» im Schichtbetrieb serviert – jeder Tisch doppelt belegt. Damit das Personal diesen Ansturm bewältigen konnte, wurden für die Messewoche 20 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

Die Karte wurde ebenfalls verkleinert. Da doppelt so viel gekocht werden muss wie unter Normalbetrieb könne damit die Qualität gewährleistet werden. Weniger Auswahl, zugunsten der Qualität, wie Caroline Jenny vom Dreikönig erklärte.

Geheime Umsatzzahlen

Überstunden seien in den wenigsten Betrieben entstanden. Bei kleineren Restaurants wurde die Überzeit vor und nach der Messe abgebaut. Bei der Gastrag-Gruppe fielen in der Messewoche laut Richard Engler keine Überstunden an.

Wie hoch die Einnahmen während der Messewoche sind, ist bei den Restaurants streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Die Geschäftsführer waren sich aber einig, dass es eine sehr lukrative Messewoche war – wie jedes Jahr.

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