Ein grauer Schleier liegt nach der vergangenen Woche über Basel. Zu trauern hätte es eigentlich genug gegeben in diesem Land, in dem fast eine ganze Schulklasse in einem CarUnglück im Wallis ausgelöscht wurde. Doch die Basler müssen auch noch verarbeiten, was ein psychisch kranker Amokfahrer in ihrer eigenen Stadt angerichtet hat. Er hat den Tod einer 46-jährigen Belgierin und sieben weitere zum Teil Schwerverletzte zu verantworten.

Es ist herbstlich kühl und trist. Vor dem Münster trösten Bekannte und Freunde die Angehörigen der Opfer der Amokfahrt vom Dienstag. Leichter Nieselregen geht auf die mehreren 100 Menschen nieder, die für den Gedenkgottesdienst in die Kirche strömen. Gestern, kurz vor zehn Uhr morgens, füllt sich das Münster unter Glockenläuten mit Trauergästen. Die Anteilnahme ist gross, die Gesichter betreten.

Die Irrfahrt entsetzt die Region

Pünktlich um 10 Uhr erklingen die stolze Münsterorgel und eine Trompete. Die Musiker spielen Bachs Präludium in d-Moll. Die Klänge breiten sich im hohen, dunklen Gemäuer aus – durchdringen Mark und Bein.

«Wenn die Kälte in uns dringt, wohin sollen wir gehen», fragt Münsterpfarrer Lukas Kundert die Anwesenden aus unterschiedlichsten Religionen. Sie vereint, dass sie gemeinsam beten wollen. Auch Regierungspräsident Guy Morin und Gerhard Ebner, Direktor der UPK, sind anwesend.

«Was am Dienstag geschah, erfüllt uns mit Entsetzen», sagt Morin und drückt den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Er betont, dass die Behörden nicht einfach zum Alltag übergehen können. «Die Verantwortlichen müssen die Fragen der Angehörigen ernst nehmen und klären», fordert Morin und versichert den Betroffenen: «Wir stehen ihnen zur Seite und helfen, wo wir können.»

Gebete für Unfallopfer im Wallis

Neben Morin sitzt ein sichtlich mitgenommener Gerhard Ebner, dem ein steter Luftzug durch die Haare streicht. Auch er spricht zu den Anwesenden, nachdem die letzten Klänge von Bachs «Bist du bei mir» verstummt sind. Mit leiser, feiner und belegter Stimme bedankt er sich, zu den Opfern und den Angehörigen sprechen zu dürfen.

«In der UPK habe ich von vielen Angestellten und schwerstkranken Patienten Rückmeldungen erhalten», sagt er. Darum finde in der UPK zur selben Zeit ebenfalls ein Gedenkgottesdienst statt. Er verspricht, dass die UPK diszipliniert und selbstkritisch das Unglück aufarbeiten werde.

Während der Präsident der Münstergemeinde, Simon Ganther, wenig später aus der Offenbarung liest, zieht draussen ein Tambour trommelnd vorüber. Der Marsch hallt noch gespenstisch nach, als nach Ganthers letztem Wort Bachs «Allein zu dir» aus der Orgel erklingt. Die zahlreichen Anwesenden zeigen, dass sie die Opfer und ihre Angehörigen in ihrem Schmerz nicht alleine lassen. Vielleicht denken sie an ihre Liebsten, die fünf Minuten vorher oder nachher am Tatort waren.