Basler Kantonalbank

Vollübernahme: Verwaltungsrätin Christine Keller stellt sich quer

«Aus Gründen der Verschwiegenheitspflicht darf ich nichts sagen.» Christine Keller Verwaltungsrätin Bank Cler

«Aus Gründen der Verschwiegenheitspflicht darf ich nichts sagen.» Christine Keller Verwaltungsrätin Bank Cler

Christine Keller, langjährige Verwaltungsrätin der Basler Kantonalbank (BKB) sowie der Bank Cler, spricht sich gegen eine Vollintegration der Cler im Konzern der Basler Kantonalbank aus.

Drei Viertel der Bank Cler gehören schon heute der Basler Kantonalbank (BKB). Um die vollen Synergien zu schöpfen, will die Staatsbank alle Aktien der ehemaligen Bank Coop erwerben. Im Juni hatte sie diesen Plan vorgestellt, Anfang Woche haben die beiden Verwaltungsräte einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Zwischen dem 17. August und dem 13. September gilt das Angebot der BKB, für jede Cler-Aktie 52 Franken zu zahlen.

Aus den gestern publizierten Unterlagen und zusätzlichen Recherchen geht nun aber hervor: Christine Keller ist mit diesem Vorgehen überhaupt nicht einverstanden. Die SP-Politikerin verweigert als einzige Verwaltungsrätin der Bank Cler ihre Zustimmung für eine Vollübernahme. Mehr noch: Ihre eigenen 758 Cler-Aktien bietet sie der Basler Kantonalbank nicht an. Auf Anfrage will und kann Keller nicht Stellung nehmen. Sie sei als Verwaltungsrätin an ihre Verschwiegenheitspflicht gebunden.

Aus dem Umfeld ist zu hören, dass sich Keller aus zwei Gründen querstellt. Zum einen sei der Cler-Verwaltungsrat von der Muttergesellschaft überrumpelt und vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Zum anderen sorge sich Keller um die Arbeitsplätze bei der Bank Cler durch die Vollintegration in den BKB-Konzern. Die BKB verpflichtet sich zwar, die Bank Cler als selbstständige Tochtergesellschaft mit eigenem Filialnetz und eigenem Marktauftritt im Rahmen der bisherigen Strategie weiterzuführen. Den zu erwartenden Stellenabbau verspricht die BKB aber lediglich «sozialverträglich» umzusetzen.

Politischer Alleingang

Rückhalt in ihrer eigenen Partei wird Keller mit ihrer Aktion kaum finden. Die Vollübernahme der Bank Cler steht unter dem politischen Segen von SPFinanzdirektorin Eva Herzog, die gerade in Finanzfragen wenig Abweichler in den eigenen Reihen duldet. Beat Jans, der sich sonst gerne als Herzogs Widerpart sieht, sind die Hände gebunden, da er von der BKB in einen «Beirat Nachhaltigkeit» gewählt wurde. Auch Rudolf Rechsteiner, ein weiterer potenzieller Mitkämpfer von Keller, fällt aus. Als neuer Präsident von Ethos gehört er der gleichen Schule an wie Andreas Sturm, dem aktuellen Präsidenten des Cler-Verwaltungsrates.

Dass ausgerechnet Keller den Aufstand wagt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Bereits 2005 war sie als Verwaltungsrätin bei der Bank Coop eingestiegen, ab 2007 war sie Bankrätin der BKB. Unter Andreas Albrecht (LDP) stieg sie zur Vizepräsidentin auf, weigerte sich jedoch, die interimistische Führung zu übernehmen, als Albrecht in den Turbulenzen kurzerhand das Handtuch warf. 2016 verlor sie das BKB-Amt, nachdem Herzog den Bankrat erneuert und politische Mandatsträger aussortiert hatte.

Widerstand gegen die Vollintegration, wenn auch aus ganz anderen Gründen, macht eine Gruppe von Kleinaktionären der Bank Cler. Diese beharrt auf ihrem Standpunkt, wonach das Angebot unzureichend sei. Deren Sprecher Samuel Angehrn zieht auch die Unabhängigkeit des Cler-Verwaltungsrates in Zweifel, der die Übernahme begrüsse. Schliesslich sei die BKB schon heute Mehrheitsaktionärin der Bank Cler.

Umstrittene Bewertung

Angehrn kritisiert, die durch die PWC errechnete Bewertung von 51 Franken pro Cler-Aktie stehe auf wackligen Füssen. Schraube man nur geringfügig an Kennzahlen wie den Eigenkapitalkosten, ändere sich die Bewertung der Bank Cler stark. Angehrn und seine Mitstreiter sind überzeugt, dass die BKB deutlich weniger als 98 Prozent aller Aktien der Bank Cler angedient erhält. Wird dieser Wert nicht erreicht, wird die Übernahme erschwert. Keller steuert dazu 758 Aktien bei.

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