Die Subkultur wurde in Basel bis Ende der 1970er-Jahre wenig ernstgenommen. Ein autonomer Freiraum für die bewegten Jugendlichen kam für die Behörden nicht infrage. Man war der Ansicht, dass mit der Einrichtung von Jugendhäusern genügend getan sei. Das sahen junge Linke und Punks anders. Ein Sommercasino, «wo man sich mit einem Becher Mineralwasser oder einer Tasse Kaffee auf der gediegenen Galerie niederlassen konnte» (Basler Zeitung, 1979) machte sie nicht glücklich. Sie forderten einen Freiraum, der nicht pädagogisch betreut und amtlich bewilligt war. Leer stehende Häuser wurden besetzt (etwa an der Ryffstrasse) und polizeilich geräumt.

Nach einem krawallreichen Jahr fand am 14. Februar 1981 auf dem Barfüsserplatz eine weitere Grossdemonstration statt, die Anführer riefen zur Besetzung des Sommercasinos auf, die Polizei eilte zum Jugendhaus und stellte verdutzt fest, dass sie ausgetrickst worden war. Die Demonstranten waren abgebogen Richtung Bahnhof und besetzten an der Hochstrasse ein altes Postgebäude. Zwischen 50 und 100 Leute nisteten sich im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) ein, es gab Konzerte, Partys, aber auch zunehmend harte Drogen, Siff und Zoff. Nach 80 Tagen bereitete die Basler Polizei der Besetzung ein Ende. 7000 Menschen gingen am 9. Mai 1981 auf die Strasse und forderten ein neues Areal – vergeblich. Es folgte der Rückzug in besetzte Häuser, der Unmut köchelte auf kleinerer Flamme weiter. Nur auf dem Land, in Reinach, entstand ein neuer Raum: das Jugend- und Konzerthaus Palais Noir.

In der Stadt darbte man weiter, bis 1986 der Traum eines frei bespielbaren Ortes Wirklichkeit wurde: auf dem Areal der Alten Stadtgärtnerei, am Grossbasler Rheinufer. Die Regierung gewährte eine legale Zwischennutzung, befristet auf ein knappes Jahr. Danach sollten die Gebäude abgerissen und die Verwilderung einem niedlichen Grünpark weichen. Aktivisten verschiedener Interessengruppen aus Politik, Kultur und Umweltschutz nutzten das Gelände, ebenso Quartierbewohner. Als die legale Nutzung der Alten Stadtgärtnerei im November 1987 endete, reichten die Aktivisten die Initiative «Kultur- und Naturpark St. Johann» ein, um den Abriss der Gärtnereigebäude zu verhindern. 1988 kam es zur Volksabstimmung, zur knappen Niederlage und schliesslich zur Räumung der Besetzung.

Ein Teil der Besetzer verschanzte sich im ehemaligen Kino Union und zog nach dessen Räumung für kurze Zeit auf die Kasernenmatte. Derweil suchte der grüne Grossrat Markus Ritter mit Weggefährten nach neuen Lösungen und wurde in der ausgedienten Grossgarage Schlotterbeck, an der Basler Viaduktstrasse, fündig. Von 1990 bis 1993 fanden hier Kreative in den Werkräumen Unterschlupf. Zeitgleich wurde die alte Stückfärberei zwischengenutzt. Künstlerinnen wie Pipilotti Rist nutzten darin Atelier- und Proberäume. Später entstanden in weiteren industriellen Räumlichkeiten Bars und Clubs, darunter etwa der erste Basler Technotempel Planet E.

Der Schwung, den die Alte Stadtgärtnerei der Subkultur verliehen hatte, beflügelte die kulturellen Aktivitäten, die politische Sprengkraft aber nahm ab, die radikalen Autonomen tauchten unter. Und jene kulturellen Aktivisten, die zur Zeit des AJZ noch die Konfrontation gesucht hatten, reichten jetzt der Privatwirtschaft die Hand. Im Fall des Schlotterbeck-Gebäudes einigte man sich mit der Besitzerin, der Schweizerischen Volksbank, auf eine Zwischennutzung. Langfristig wurde man im Kleinbasel fündig, in der alten Brauerei Warteck entstand ein «permanentes Provisorium» mit Werkräumen und einem Konzert- und Partysaal, dem Sudhaus. Mietverträge wurden in den 90er-Jahren auch mit der Bell AG geschlossen: Im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Fleischfabrik im St. Johann entstanden Kunstateliers, das Jazzlokal Bird’s Eye sowie der Techno-Club Tower.

«In Basel geht’s: Verträge statt Krawall», titelte die Wirtschaftszeitung «Cash» 1993. Und der «Tages-Anzeiger» berichtete im selben Jahr mit Bewunderung, wie man in Basel gelernt habe, flexibler auf alternative Bedürfnisse zu reagieren. «Die Zwischennutzung von leer stehenden Räumen durch Kulturschaffende ist inzwischen fast schon institutionalisiert.»

Der Traum vom selbstverwalteten Ort, der nur begrenzt domestiziert wird, erwachte aufs Neue im Jahr 1999. Eine Gruppe von Stadtplanern und Kunstinteressierten schlossen auf dem ausrangierten Güterbahnhof der Deutschen Bahn einen Mietvertrag ab: das nt/Areal wurde gegründet. Im Unterschied zu anderen Projekten dieser Zeit – etwa dem Unternehmen Mitte oder dem Gundeldingerfeld – handelte es sich beim nt/Areal um eine zeitlich begrenzte Nutzung mit weitgehend freien Flächen, die für jedermann offen zugänglich waren. Platz für Partys, Konzerte, Spiele, für alles und nichts. Im Unterschied zur aktuellen Zwischennutzung im Hafenareal wurde dieser öffentliche Raum jahrelang und ganz ohne Einmischung durch den Staat verwaltet.