Ein Mann im Adamskostüm badet im Brunnen. Eine angenehme Erfrischung bei über dreissig Grad Aussentemperatur. Da ertönt eine Trillerpfeife: «Sofort raus da! Nacktbaden ist hier nicht gestattet!», ruft der Badmeister aufgebracht von seinem Hochsitz aus.

Der kurze Sketch zur Eröffnung zeigt, wie sich Bademode und Vorschriften in den letzten Jahrtausenden entwickelt haben. Denn nicht immer war Nacktbaden ein Tabu - im Gegenzug waren knappe Bikinis nicht immer angesagt. Den Auftakt zur Kräuter-Badewoche machte das Pharmazie-Historische Museum Basel-Stadt gestern mit einer historischen Modeschau durch die Jahrtausende. Dabei fällt auf: Jeden Trend gabs bestimmt schon einmal, auch wenn er tausende von Jahren zurückliegt.

Baden im Zuber

Vom 7. bis 11. Juli verwandelt sich der Hof des Pharmazie-Historischen Museums zum sechsten Mal in ein Badehaus. In Holzwannen kann man sich von 12 bis 15 Uhr in einem Kräuterbad entspannen. Am Donnerstag ist das Badehaus auch abends zwischen 18 und 20 Uhr geöffnet. Das Baden im grossen Zuber kostet zwanzig Franken für zwei Personen, für eine Einzelperson im kleinen Zuber zehn Franken. «Die historische Atmosphäre hier ist einzigartig. Die Renaissance-Live-Musik schafft eine angenehme Stimmung», sagt Corinne Eichenberger vom Pharmazie-Historischen Museum. Um sich einen Badeplatz im Zuber zu sichern, ist eine Reservation nötig.

Wer bis anhin noch Nachhilfe in Sachen Badenmode brauchte, dem wurde mit historischen Inputs etwas auf die Sprünge geholfen: Die Bademode aus der Antike besteht aus einem Zweiteiler, das Bandeau-Top gab es schon damals. Dann wurde es aber von Epoche zu Epoche zugeknöpfter. Im Mittelalter hielten ein Kleid und der Badehut Einzug. Zu Barock-Zeiten wagte man sich gar nicht erst ins Wasser, was bei den vornehmen und üppigen Kleidern auch gar nicht weiter verwundert. Stattdessen wurden Puder und Parfüm verwendet, um sich frisch zu halten.

Wiederkehrende Trends

Hoch geschnittene Taillenhosen und Anzüge bis zum Hals waren im Viktorianischen Zeitalter modern. Dabei wurde so wenig Haut wie möglich gezeigt. Beim Baden musste der Mann seinen Blick von der Frau abwenden, denn ihre Waden waren nicht vollständig bedeckt. «Wie sie sehen, auch damals waren die hoch taillierten Hosen beliebt. Heute sieht man diese wieder», sagt der Badmeister, der die Badeschau kommentiert. In den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurde es um einiges bequemer, die bedeckte Mode blieb aber. Im blau-weiss gestreiften Overall strählen die Darsteller der Modeschau ihre Muskeln. «Der Gesundheitswahnsinn hat uns heute wieder eingeholt, jeder will fit und gesund sein», zieht der Badmeister die Parallele. Des Bademeisters grösster Albtraum folgt zum Schluss: Die lange Badehose aus den Neunzigern, am liebsten noch mit der Unterhose darunter getragen.

Glücklicherweise ist dieser Trend erst einige Jahre alt, die Hoffnung besteht also, dass er erst in einigen hundert Jahren erneut zurückkehrt.