Rhybadhysli

Vom Glück im Unglück: Das «Santihans» hält sich über Wasser

Das historische Flussbad Santihans am südlichen Rheinufer konnte eine drohende Krise gut umschiffen.

Das historische Flussbad Santihans am südlichen Rheinufer konnte eine drohende Krise gut umschiffen.

Nachdem die langjährige Pächterin des Rhybadhysli letztes Jahr verstarb, wird das «Santihans» in Basel unter neuer Leitung geführt. Vereinspräsident Daniel Meier zieht nach dem Saisonschluss positive Bilanz.

Am 5. Juli 2016 zogen dunkle Wolken am Horizont auf. Bianca Koechlin, langjährige Pächterin des Rhybadhysli Santihans, verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit. «Das war ein grosser Schock, wir waren alle sehr, traurig», erinnert sich Daniel Meier, Präsident des Vereins.

Koechlin schmiss nicht nur den Betrieb des Kiosks, putzte WC, goss Blumen und deckte Tische. Sie war die gute Seele des Bades. Neben Sommersonne und kühlem Nass waren sie und ihr köstliches, selbst gemachtes Birchermüsli die Hauptgründe, warum viele Rheinschwimmer so gerne das «Santihans» besuchten.

Neuneinhalb Sommer lang übte

Koechlin ihren «Traumjob» aus, wie sie noch vor drei Jahren der bz gesagt hatte, bevor sie mit nur 59 Jahren unter äusserst tragischen Umständen aus dem Leben gerissen wurde. Und ein Rheinbadhaus ohne Seele hinterliess. «Wir wussten nach ihrem Tod kurze Zeit wirklich nicht, wie es nun weiter gehen soll», sagt Meier weiter.

Die Rettung kam aus den eigenen Reihen: Nora Stähelin, Tochter des Revisors des Vereins, übernahm den Betrieb der historischen kleinen Badeanlage im typischen «Baslergrün» quasi über Nacht. Es war ein Sprung ins eiskalte Wasser: Eben erst aus dem Ausland zurückgekehrt, schwebten der Studentin wohl ruhigere Zeiten vor. Doch daraus wurde nichts.

Prominente Hilfe

Stähelin stand zwar nicht vor einer unlösbaren Aufgabe – im Rhybadhysli Santihans, das sich stets bescheiden und familiär unaufgeregt präsentiert, sollte alles bleiben, wie es war, und sie konnte auf eine grosse Stammkundschaft zählen. Aber die neue Pächterin betrieb das Santihans ganz alleine. Bald schon holte sie sich prominente Unterstützung ins Boot: die Basler Sängerin Anna Rossinelli, die, so oft sie konnte, mithalf und Stähelin unterstützte.

Nach zwei Sommern mit neuer Leitung zieht Vereinspräsident Meier nach dem Saisonschluss vom 15. September gegenüber der bz eine positive Bilanz: «Den sehr guten Umsatz des Kiosks und der Eintritte vom vergangenen Jahr konnten wir in diesem Sommer in etwa halten», sagt er. Man sei mit den Erträgen zufrieden. Das Duo Stähelin/Rossinelli bezeichnet Meier als Glücksfall. «Man könnte auch sagen: Wir hatten Glück im Unglück. Die beiden Frauen haben frischen Wind ins Bad gebracht, machen ihre Sache sehr gut. Die Akzeptanz der rund 400 Vereinsmitglieder ihnen gegenüber ist gross. Das haben Sie sich auch verdient!»

Grossen Problemen gegenüber sieht sich der Verein derzeit nicht. Ausser vielleicht, dass es auch im Sommer 2017 immer wieder Nicht-Mitglieder gegeben hat, die ihren Eintritt am Kiosk nicht zahlten. «Wir können uns auch im kommenden Jahr keinen Kassier leisten und werden weiter auf die Integrität und Aufrichtigkeit der Leute vertrauen. Ein Riesenproblem ist das nicht, es wirkt sich nur schwach auf den Gesamtumsatz aus», sagt Meier dazu.

Ihm macht derzeit etwas anderes ein bisschen Sorgen: Noch haben Nora Stähelin und Anna Rossinelli nicht zugesagt, dass sie das Rheinbad auch im kommenden Sommer betreiben werden. «Ich habe noch keine definitive Antwort von den beiden erhalten», sagt Meier. Bald müsse er es aber wissen. «Damit ich genug Zeit habe, eine gute Nachfolge zu organisieren.» Nicht so wie beim letzten Mal.

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