Wo früher Mehlsäcke lagerten, reissen heute Bagger die Wände ein: Der Umbau der Aktienmühle in ein Werkstatthaus ist seit einem halben Jahr im Gang. «Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn die Sanierung komplexer ist als ursprünglich gedacht», sagt Nikola Karadzic. Er arbeitet in der Projektentwicklung der Stiftung Habitat, die das Areal vor fünf Jahren gekauft hat. Nach einer Phase der Zwischennutzung entstehen aus dem ehemaligen Mühle-Gebäude nun Produktionsstätten für 40 bis 50 Handwerksbetriebe. Laufen die Bauarbeiten nach Plan, können diese im Sommer 2016 einziehen.

«Mit den Sanierungsarbeiten bleiben die Grundstruktur und somit die Atmosphäre des Hauses erhalten», sagt Nikola Karadzic. Die Eisenträger des über 100 Jahre alten Gebäudes stützen auch in Zukunft die Böden; Holzbalken zieren die Decken. Welche Werkstattbetriebe in die insgesamt 3000 Quadratmeter grosse Fläche einziehen werden, ist noch offen. Absichtserklärungen haben bereits ein Ofenbauer, ein Steinbildhauer, ein Holzofenbäcker und die Inhaber einer Kaffeerösterei unterzeichnet. Ihre Infrastrukturen bedingen gewisse Abklärungen – unter anderem, ob der Boden die Maschinen überhaupt zu tragen vermag, sagt Nikola Karadzic. Daneben steht die Stiftung mit rund 40 Interessenten im Kontakt: «Das Ziel ist, ein vielfältiges Nebeneinander von unterschiedlichsten Handwerks- und Kleinstbetrieben zu schaffen.»

Als erster Betrieb überhaupt zieht im Frühling 2016 das neue Restaurant ins ehemalige Turbinenhaus ein. Damit schliesst die aktuelle Café-Bar, die von Beginn an als Zwischennutzungsprojekt organisiert war – und von der Stiftung Habitat betrieben wurde. Mit den neuen Gastronomen beendet die Stiftung dieses Engagement. «Das Restaurant ist ein eigenständiger Betrieb, die Stiftung Habitat stellt mit der Küche lediglich die Infrastruktur zur Verfügung», sagt Nikola Karadzic.

Showroom für Handwerker

Den Zuschlag für die neue Beiz im Klybeck erhielten Simone Fuchs und Christian Lorenz. Die beiden betreiben in der dritten Saison das Freiluftrestaurant «Landestelle» an der Uferstrasse. «Wir sind schon länger auf der Suche nach einem Ganzjahresbetrieb und einer grösseren Küche. Das inhaltlich offene Konzept der Aktienmühle hat uns gleich angesprochen», sagt Simone Fuchs. Die neue Aufgabe bedeute aber nicht das Ende der «Landestelle» – diese führen sie in den Sommermonaten weiter. Im neuen Restaurant in der Aktienmühle möchten der Koch und die Grafikdesignerin eine Art Showroom für die Handwerker des Haupttrakts schaffen. Auch deren Produkte – wie beispielsweise die Bohnen der Kaffeerösterei – sollen im Restaurant weiter verarbeitet werden.

Obwohl verschiedene Ideen vorhanden sind, wollen die beiden Gastronomen ihren Start in der Aktienmühle langsam angehen: «Es wird ein sanfter Wandel hin zum Restaurant. Wir wollen nicht von Anfang an eine grosse Karte, die wir dann zurückziehen müssen. Lieber bauen wir fortlaufend aus», sagt Simone Fuchs. So gibt es – wie in der bisherigen Café-Bar – jeweils ein Mittagsmenu, Kaffee und Kuchen. Wer spontan Lust hat, in der Aktienmühle zu grillieren, kann im Gastro-Betrieb zudem das Fleisch und selbst gemachte Beilagen kaufen. In den Sommermonaten planen Fuchs und Lorenz, im Innenhof eine Bar zu betreiben.

Denn der öffentliche Charakter des Areals soll auch nach dem Umbau weiterhin bestehen. «Bei schönem Wetter halten sich mehrere hundert Personen auf dem Gelände auf. Diesen Treffpunkt wollen wir unbedingt beibehalten – insbesondere, da es im Quartier wenige Grünflächen hat», sagt Nikolas Karadzic von der Stiftung Habitat. Deshalb gibt es keine Zulieferung durch den Innenhof. Dafür ist auf der Nordseite des Hauptgebäudes eine Zufahrt geplant. In diesem Aussenbereich können Handwerker – wie beispielsweise ein Steinmetz – auch ungestört arbeiten.

Am Donnerstag, 25. Juni, findet zwischen 18 und 20 Uhr ein Infoanlass in der Aktienmühle statt. Weitere Informationen sind unter www.aktienmuehle.ch erhältlich.