Mathias D. Müller, erleben wir in den nächsten Tagen einen Hitzerekord?

Mathias D. Müller: Wir rechnen damit, dass heute Freitag ein sehr heisser Tag wird, das schon. Aber einen Hitzerekord wirds vorerst nicht geben. Der liegt ja für Basel bei 39,0 Grad, das war im Jahr 1952. So hoch klettert die Temperatur nicht so rasch. Heute kann es aber durchaus 35 Grad heiss werden.

Wann ist es denn heute Freitag am heissesten?

Das wird am späteren Nachmittag der Fall sein, so um 17 Uhr. Gemeinhin wird ja meist angenommen, die Temperatur sei um den Mittag herum am höchsten. Dann ist aber lediglich die Sonneneinstrahlung maximal. Bis sich die Luft erwärmt, brauchts eben eine Weile.

Wie ist das Wetter am Wochenende?

Für Samstag und Sonntag muss man durchaus mit Gewittern rechnen. Vielleicht bleibts aber auch bei ein paar Wolken. Für eine eindeutige Vorhersage ist es noch zu früh. Was ich aber sagen kann: Es wird warm am Wochenende, also sicher um die 30 Grad – es könnte also sehr schwül werden.

Würden Sie – trotz möglichen Gewittern – eine Wanderung planen?

Ich persönlich schon, weil es mir gefällt, ein Gewitter zu erleben. Aber ernsthaft: Der Samstag ist vermutlich noch ganz gut. Ich würde einfach darauf achten, dass man nicht zu spät am Nachmittag nach Hause kommt. Dann muss man vor den hohen Ozonwerten warnen. Und Grillieren liegt wohl auch nicht drin, wegen der Waldbrandgefahr.

Wir haben nun seit Anfang Juli eine Hochdruckphase. Nähern wir uns dem Hitzesommer 2003 an?

Davon sind wir noch weit entfernt. Vor allem, weil der Juni in der zweiten Hälfte wieder kälter war als normal. 2003 war der komplette Juni, fast der ganze Juli und dann auch noch der gesamte August deutlich wärmer als das Mittel. Eines lässt sich aber sagen: Die ersten 15 Tage des Juli sind ähnlich wie diejenigen im Juli 2003. Aber eben nur diese.

Der Sommer 2015 ist also bisher nichts Aussergewöhnliches?

Aus meteorologischer Sicht: Nein. Ein paar Auffälligkeiten gibt es aber schon. So ist seit 20 Tagen an vielen Orten kein Regen mehr gefallen. Zudem verzeichneten wir in den 15 Tagen des Juli bereits so viel Sonne wie im gesamten Juli 2014, dieser war ja total verregnet und kühl. Es ist also immer auch eine Frage des Vergleichs.

Wie lauten die Prognosen für den restlichen Juli?

Die kommende Woche sollte nochmals heiss werden, nach der Störung am Wochenende. Rekorde erwarten wir aber keine. Alle Prognosen, die über 14 Tagen hinaus gehen, sind dann reine Raterei.

Apropos Vergleich: Die Rekorde häufen sich, die Erde wird wärmer.

Ja. Es sind 0,7 Grad bei der Jahresmittel-Temperatur.

Seit wann ist diese Erwärmung zu beobachten?

In der Klimaforschung nimmt man als Referenzgrösse ein 30-Jahre-Mittel. Die positive Abweichung beobachten wir also seit den 1980er-Jahren – wobei anzumerken ist, dass sich das Klima andauernd ändert. Vor 150 Jahren, während der «Kleinen Eiszeit», war es bei uns empfindlich kühler.

Warum gehört Basel immer wieder zu den Temperatur-Spitzenreitern in der Schweiz?

Da gibt es einige Gründe. Städte erwärmen sich stärker als ländliche Gebiete, das stellt man selber fest. Dann liegt Basel sehr tief. 150 Meter Höhenunterschied machen so fast 1,5 Grad aus. Bei Basel kommt die Lage hinzu. Die Berge in der Umgebung halten die Wärme an Ort, sie bilden eine Art Kessel. Ist es dann ein paar Tage relativ windstill, reicht das bald einmal für einen sehr hohen Wert.