Martin Leschhorn hat das Andreashaus im Niederholzquartier als Treffpunkt für das Interview ausgewählt. An diesem Donnerstagmorgen herrscht schon viel Betrieb im kirchlichen Quartiertreffpunkt. Martin Leschhorn unterhält sich mit seiner Nachbarin, der Mutter von LDP-Gemeinderatskandidat Daniel Hettich.

Politisch verschieden, pflegen sie persönlich ein sehr gutes Verhältnis. Politisch ist der 48-Jährige den Bürgerlichen in Riehen ein Dorn im Auge. Sein Politstil ist laut und offensiv. Seine Eloquenz kommt ihm dabei entgegen. Böse Zungen behaupten, er sei ein Polterer. Kann dieser Mann, der auch mal den Frontalangriff wagt, Gemeindepräsident werden, Riehen nach innen und aussen staatsmännisch vertreten und wenn nötig als Moderator auftreten? «Ja, das kann ich», antwortet er blitzschnell. «Das eine ist die parlamentarische Arbeit, in der ich klar und deutlich unsere Anliegen vertrete. In den Kommissionen arbeite ich konstruktiv mit.» Dass er moderieren kann, beweise er tagtäglich in seiner Arbeit als Präsident eines Netzwerks mit 50 Organisationen, die sich weltweit für gesundheitspolitische Belange einsetzen.

Freiwillige Engagements stärken

Martin Leschhorn kann austeilen, aber auch einstecken. Und das muss er als Sozialdemokrat im bürgerlichen Riehen auch können. «Da stehst du am Wahlkampfstand, es ist kalt und regnet und dann bekommst du halt mal auch die Kappe gewaschen. Das ist nicht lustig, aber gehört dazu. Und dann musst du zuhören und die Anliegen dieser Person ernst nehmen.»

Leschhorn würde als Gemeindepräsident die Nähe zur Bevölkerung suchen. Dies vermisse er am aktuellen Amtsinhaber Hansjörg Wilde (parteilos). «Der Gemeindepräsident muss auf die Menschen zugehen, ihnen zuhören, sie abholen und in die Entwicklung der Gemeinde mit einbeziehen.» Leschhorn sieht gerade in den Menschen und deren Engagements viel brachliegendes Potenzial. «Wir haben hier in Riehen so viele tolle Vereine und Menschen, die sich engagieren. Das wird im Gemeinderat zu wenig wahrgenommen», kritisiert der Hobby-Tennisspieler. Obwohl selber nicht gläubig, schätzt er die Engagements der Kirchen. Deshalb sei es wichtig, die gefährdeten kirchlichen Treffpunkte in Riehen zu sichern.

Dass in Riehen eher bewahrt als entwickelt wird, sieht Martin Leschhorn nicht nur negativ. «Gute Sachen gilt es zu bewahren oder allenfalls noch zu verbessern. Trotzdem sehe ich noch sehr viel Potenzial für Innovationen.» Weil in Riehen grosse Würfe kaum mehr möglich sind, seien Neuerungen im Kleinen so wichtig, betont Leschhorn. Das beliebte Ruftaxi könne ausgebaut, der öffentliche Verkehr verbessert werden. Auch, damit ältere Menschen weiterhin Zugang zu den Institutionen haben. Der hohe Altersdurchschnitt in Riehen sieht Leschhorn nicht als Problem. «Ich empfinde ältere Menschen als Bereicherung. Wir müssen es schaffen, dass sie, junge und Familien gerne in Riehen leben. Sie haben unterschiedliche Bedürfnisse, die wir berücksichtigen müssen.»

Sorgen macht sich Martin Leschhorn um die Gemeindefinanzen. Nach der bürgerlichen Steuersenkung seien die Aussichten düster. «All diese Dienstleistungen und Angebote, die Riehen so lebenswert machen, bekommen wir nicht gratis. Um diese zu erhalten, müssen wir investieren.» Martin Leschhorn ist Riehener durch und durch. Im Niederholz ist er fest ins Quartierleben eingebunden. Dies ist nicht selbstverständlich, zog der zweifache Familienvater doch erst 2004 von Basel nach Riehen.

Aufgewachsen ist er am Zürichsee in Oberrieden. Die Eltern waren langjährige Mitglieder des Zürcher Freisinns. Martin selber politisierte am Gymnasium in Zürich, als er erstmals die Schicksale der dortigen Drogenszene wahrnahm und begann, sich sozial zu engagieren. Er nahm an Mahnwachen auf dem Paradeplatz teil, weil die Schweizer Grossbanken mit dem Apartheid-Regime in Südafrika kooperierten, und engagierte sich friedenspolitisch während dem Balkankrieg. Nach dem Gymnasium zog es Leschhorn nach Basel, um Geschichte und Kunstgeschichte zu studieren. Er schätzte die Offenheit der Stadt und Region, das Kunst- und Kulturangebot und vor allem die Menschen. Für sie will er da sein, als Gemeindepräsident von Riehen.