Lyrikfestival Basel

Vom Rap bis zur guten alten Lesung

Literaturhaus-Intendantin Katrin Eckert und Lyrikfestival-Präsident Rudolf Bussmann erzählen, was es am diesjährigen Festival alles zu hören und zu sehen gibt. Kenneth Nars

Literaturhaus-Intendantin Katrin Eckert und Lyrikfestival-Präsident Rudolf Bussmann erzählen, was es am diesjährigen Festival alles zu hören und zu sehen gibt. Kenneth Nars

Gestartet wird fulminant mit Greis. Höhepunkt ist Preisvergabe an Klaus Merz. Das Festival beginnt am kommenden Freitag fulminant mit dem Basler Rapper Greis.

Denkt man an Lyrik-Lesung, stellt man sich einen in sich gekehrten lesenden Dichter vor und eine verschworene Gemeinde von Zuhörern um ihn herum. Dass es nicht so sein muss, zeigt das 9. internationale Lyrikfestival im Literaturhaus Basel. Das Festival beginnt am kommenden Freitag Basler Rapper Greis. Er stellt gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Oberwil vor, was sie im Workshop zuvor an Worten und Gedanken in rhythmisierte gebundene Sprachform gegossen haben. Danach tritt Lyrik-Performerin Nora Gomringer gemeinsam mit dem Schlagzeuger Günter Baby Sommer, einem der grossen Free-Jazz-Drummer und Soloperkussionisten, auf.

Lyrikszene wandelt sich

Für Rudolf Bussmann, den Präsidenten des Lyrikfestivals, spiegelt das Programm des ersten Tages die Erweiterung, «welche die Lyrik-Szene seit längerem erfährt», wieder. Das Festival soll alle gegenwärtigen Formen im Umgang mit der gebundenen Sprache thematisieren, sagte er im Gespräch mit der bz. In der Diskussion mit Gomringer und Sommer kann sich das Publikum dann eingehend mit der Performance-Form auseinandersetzen. Diese entspreche eigentlich dem Ursprung der Lyrik, betont Bussmann. Lyrik wurde in der Antike vorgetragen und gesungen.

Die grossen Lyrikperformer des frühen 20. Jahrhunderts waren die Dadaisten, welche die traditionellen Formen destruierten. Sie kommen am Festival prominent zu Wort: Zum Abschluss am Sonntag gibt es eine Hommage an Hugo Ball (1886–1927), den Schöpfer des Lautgedichts. Der Basler Lyriker Urs Allemann, selbst ein begnadeter Performer, gibt Balls Lyrik seine Stimme. Es werde ein «theatralischen Akt» sagt Bussmann.

Das Festival ist thematisch bewusst breit angelegt. Es reicht vom Rap und dem Einbezug jugendlicher Textkreateure bis zum literarischen Stadtrundgang und dem Lyrik-Workshop. Das Festival solle Menschen über das klassische Lyrikpublikum hinaus ansprechen, erläutert Literaturhaus-Intendantin Katrin Eckert.

Kann man Lyrik übersetzen?

Es widmet sich zudem dem komplexen Thema Lyrik-Übersetzungen. «Lyrik spricht stets auf mehreren Ebenen. In der Übertragung eines Gedichts in eine andere Sprache muss der Übersetzer oft auf eine – nicht übertragbare – Ebene verzichten», erklärt Bussmann die Problematik. Am Festival wird das Thema gleich im sprachlichen Dreieck Italienisch-Deutsch-Französisch verhandelt. Der aus Mendrisio stammende Fabio Pusterla und der Franzose Antoine Emaz stellen ihre Gedichte vor – im Vergleich mit den Übersetzungen ins Deutsche. Besonderer Reiz dabei ist, dass Pusterla Gedichte von Emaz ins Italienische übersetzt hat.

Der Übersetzungszyklus ist eine Erweiterung früherer Programme. Die ist möglich dank Migros Kulturprozent. Der wichtige Geldgeber gab den Impuls dazu und investiert auch mehr. Das Budget des Festivals, das nun neu im Januar stattfindet, beträgt heute 60000 Franken. Unter anderen leisten die Kantone Basel-Stadt und Baselland über den Lotteriefonds einen Beitrag. Und die GGG hat den Lyrikpreis von 3000 auf 10000 Franken aufgestockt.

Mit Klaus Merz erhält einer der wichtigen Schweizer Autoren den «einzigen Lyrikpreis der Schweiz, der für ein Werk vergeben wird» (Bussmann). Bereits der letzte Preis ging an den ebenso renommierten Werner Lutz. Katrin Eckert ist überzeugt: «Mit dem Renommee der Preisträger steigt das Renommee des Preises».

Die Preisverleihung am Sonntag ist ein Höhepunkt. Mit Durs Grünbein kommt auch ein Star der Szene nach Basel. Und natürlich gibt es die guten alten Lesungen – am Sonntag.

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