Schuldenfalle
Vom Segen zum Fluch: Kleine Basler Unternehmen beziehen am meisten Coronakredite – im Schnitt 85'000 Franken

Coronakredite sind zurzeit bei Basler Unternehmen sehr beliebt. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen rennen den Banken die Türen ein. Allein bei den Raiffeisenbanken beträgt der durchschnittliche Coronakredit pro Firma 85'000 Franken – doch Vorsicht ist angezeigt.

Andreas Schwald
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Coiffeure sind stark betroffen: Ist der Coronakredit zu gross, können sich viele Unternehmen übernehmen.

Coiffeure sind stark betroffen: Ist der Coronakredit zu gross, können sich viele Unternehmen übernehmen.

Keystone

Der Schock nach dem Lockdown klingt nur langsam ab. Noch immer beantragen kleine und mittlere Unternehmen der Region vom verbürgte Covid-19-Kredite, die seit dem 26. März bei den Banken erhältlich sind. So teilte die Basler Bankenvereinigung am Montag mit, dass bis Ende vergangener Woche bereits 7700 solcher Kredite bewilligt worden waren – das entspricht 750 Millionen Franken. Diese Covid-19-Kredite können im Einzelfall bis zu 500000 Franken betragen.

So viel verlangten aber die wenigsten am Stück. Wie eine Auswertung des Raiffeisenverbands Nordwestschweiz ergibt, beträgt der durchschnittliche Coronakredit bei ihren Kunden 85000 Franken. Allein die regionalen Raiffeisenbanken bewilligten bis dato 906 Gesuche mit einem Gesamtvolumen von 77 Millionen Franken. Laut Fredi Zwahlen, Präsident des Raiffeisenverbands Nordwestschweiz, wurden 38 Gesuche nicht bewilligt, da sie formell unzulässig waren. Dies hatte diverse Gründe: Entweder fehlten Angaben, Umsatzzahlen von 2019 oder eine bestehende Kundenverbindung mit der Bank.

Kredit ja – aber bitte nicht ohne Finanzberatung

In der Auswertung kann der Raiffeisenverband auch Aussagen zu jenen Branchen machen, die besonders häufig Coronakredite bezogen haben. Die Liste deckt sich in etwa mit der jener Betriebe, die der Bundesrat in einer ersten Phase vom 11. Mai an schrittweise aus dem Lockdown entlassen will. Dazu zählen Restaurants und ähnliche Gastro-Betriebe, die vom Lockdown-Moment wirtschaftlich austrockneten.

Ebenfalls an der Spitze der Gesuchsteller befinden sich viele Coiffeur-Geschäfte und Kosmetikanbieter, dazu Kleinpraxen inklusive Podologie, Physiotherapie-Einrichtungen, diverse Detaillisten sowie Teile des Baugewerbes, darunter auch viele Kundenhandwerker. Die Raiffeisenbanken in der Nordwestschweiz sind vom Volumen her mit den Kantonalbanken vergleichbar. Von Laufen über Basel bis ins Fricktal und ins obere Baselbiet beschäftigen die Banken rund 400 Mitarbeitende und weisen gemeinsam eine Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Franken auf. Entsprechend sind sie ebenfalls nahe bei den KMU, die als Geschäftskunden einen wesentlichen Teil des Kundenstamms ausmachen, wie Verbandspräsident Zwahlen sagt. «Die Kleinen trifft es tatsächlich besonders hart.»

Kurzfristig schön, langfristig verheerende Folgen

Denn die Umsatzeinbrüche sind mit einem Kredit zwar kurzfristig gelindert, doch danach brauchen die Unternehmer Ideen, um langfristig überleben zu können. Für mittlere Unternehmen ist das oft etwas einfacher abzufedern ist, da sie bereits über stabilere Strukturen als die Kleinen verfügen.

Entsprechend seien daher Beratung und individuelle Unterstützung entscheidend. «Wir gewähren längst nicht nur Kredite, enorm wichtig ist jetzt auch die Beratungsleistung und dass wir den Kunden Lösungsansätze aufzeigen können», sagt Zwahlen. Dazu zähle auch der Einbezug der Treuhänder. Denn mit der Kreditvergabe wächst auch das Risiko, dass ein Unternehmen im Moment zwar über die Runden kommt, mittelfristig jedoch die Kredite nicht zurückzahlen kann.