Celio möchte Lesen lernen, Lenea Rechnen. Und Jakob freut sich auf die Pause. Über 1600 Erstklässler wurden am Montag an den 31 Basler Primarschul-Standorten eingeschult. Die Basler Volksschulen dürfen damit einen Schülerzuwachs verzeichnen. An der Eröffnungszeremonie im Brunnmattschulhaus begleiteten wir die 64 vorfreudigen Primarschüler an ihrem ersten Schultag.

«Seit dem zweiten Kindergartenjahr freut er sich auf den heutigen Tag», sagt Celios Mutter Tania Amouzoubi, als ihr Sohn stolz mit seinem bunten Schulsack für ein Foto posiert. Die Zweit- bis Sechstklässler finden sich zur Begrüssung der Neulinge auf dem Pausenplatz ein. «Wir vom Brunnmatt sind eine bunte Schar», singt der motivierte Chor. Die neuen Erstklässler lauschen gebannt. Ein Mädchen flüstert ihrem Freund etwas ins Ohr. «Wir helfen einander, stimmts?», wendet sich Schulleiterin Colette Knecht an die Kinderschar. Das herzliche «Ja» der älteren Schülerschaft zaubert dem Mädchen mit dem Sonnenabzeichen ein Lächeln aufs Gesicht.

«Sie dividiert sogar beim Zugfahren»

Zielstrebig steht Lenea auf, als sie mit den Sonnenkindern in die 1c gerufen wird. Lächelnd nimmt sie die Sonnenblume ihrer Klassenlehrerin entgegen. «Ich freue mich auf Mathematik», sagt die Schülerin bestimmt, als wir sie nach ihren Erwartungen ans erste Schuljahr fragen. «Sie dividiert sogar beim Zugfahren», sagt ihre Mutter Benedikte Hofstetter. Auf die Hausaufgaben freue sie sich am meisten, sagt Gspänli Leonita und fügt hinzu: «Und darauf, neue Freunde zu finden.» Sie brauche Zeit, sich auf Neues einzulassen», sagt Mutter Valedea Zumberli.

«Wenn nur jeder Montagmorgen mit so zufriedenen jungen Menschen anfangen würde», eröffnet der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer die anschliessende Medienkonferenz. Die rekordverdächtige Zahl von 20'040 Kinder und Jugendlichen, die die Basler Volksschulen in diesem Schuljahr bereichern, freue ihn. Bedenke man die Diversität der speziellen Bevölkerungsstruktur, sei der Leistungsausweis der Volksschule hervorragend. «Was die Volksschule an Integrativem leistet, ist phänomenal», betont Cramer.

Durch die wachsenden Schülerzahlen stehe man vor grossen Herausforderungen. Besonders im Bereich der Tagesstrukturen vollziehe man einen Paradigmenwechsel: «Jedes Kind soll einen Anspruch auf einen Tagesstrukturplatz haben.» Mit dieser wesentlichen Neuerung wolle man den Anstieg an Tagesstrukturplätzen forcieren, sagt Cramer. Ausserdem soll die Betreuung erstmals auch in den Schulferien zur Verfügung stehen. Zukünftig wolle man vermehrt in moderne Unterrichtsmaterialien investieren.

Der Leiter der Volksschulen Dieter Baur spricht die Einführung der Halbjahreszeugnisse an. Weder wolle man – wie seitens der Kritiker befürchtet – den halbjährlichen Druck erhöhen, noch leistungsschwächeren Schülern den Zugang in höhere Leistungszüge verwehren. Die Durchlässigkeit bleibe weiterhin erwünscht, betont Baur. «Die Neuerung stösst im Lehrerverband auf breite Zustimmung», sagt Baur abschliessend.

Kinder sind zu keiner Zeit aufnahmefähiger

«Was lernt ihr hier?», fragt Klassenlehrerin Melanie Wälchli später im Klassenzimmer. «Lesen», sagt Celio und schmunzelt über das zustimmende Murmeln seiner Mitschüler. «Damit fangen wir morgen an», verspricht Wälchli. «Schwimmen», ruft ein Mädchen. Sobald das Hallenbad öffnet, gehe die Klasse schwimmen. «Die Kinder freuen sich aufs Lernen», sagt die Primarlehrerin, die den Zauber des ersten Schultages geniesse. Sie wendet sich wieder ihrer neuen Klasse zu, die bereits über einem Rätsel tüftelt. «Die Kinder sind in keinem Moment aufnahmefähiger als jetzt», sagt Primarlehrerin Camille Beurret.

Als sich die Eltern von ihren Kindern verabschieden, treffen wir draussen auf ein junges Elternpaar, das sichtlich erleichtert wirkt. «Die Klassenlehrerin ist sehr sympathisch», sagt Katja Minder. Ihr 6-jähriger Sohn könne es kaum erwarten, seinem älteren Bruder im Lesen nachzueifern.